Wembley statt Kreisliga - Der BVB erinnert an seine Rettung 2005

Thorsten Schabelon
Väter des Dortmunder Erfolges: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc.
Väter des Dortmunder Erfolges: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc.
Foto: Getty
Am Medientag von Borussia Dortmund haben sich die Verantwortlichen des BVB zurückerinnert an die Zeit von 2005 bis heute, in der der Club erst vor dem Aus stand und sich nun wieder zum Champions League-Finalisten aufschwang. BVB-Boss Watzkes Wertschätzung für Trainer Jürgen Klopp scheint grenzenlos.

Dortmund. Medientag bei Borussia Dortmund zum Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München in London. Zeit und Gelegenheit für die Verantwortlichen des BVB, noch mal an die unglaubliche Erfolgsgeschichte der letzten Jahre zu erinnern. „Vor acht Jahren saßen hier noch Gläubiger und keine Journalisten. From Ground Zero to Wembley“, fasste BVB-Boss Hans-Joachim Watzke die Jahre von 2005 bis 2013 zusammen. 2005, im März, drohte den Dortmundern im hausgemachten Finanzchaos das totale Aus. „Es war Spitz auf Knopf, mehr ging nicht“, erinnerte sich Watzke, der damals Verantwortung übernommen hatte, an die existenzbedrohende Situation. „Wie wären in der Kreisliga C gelandet.“

Die inzwischen legendäre Gläubiger-Versammlung mit den Anteilseignern des Molsiris-Fonds am Düsseldorfer Flughafen. Der BVB wurden zurück in die Spur gesetzt, der strukturierte Neuanfang konnte eingeleitet werden. „Als wir das Ergebnis der Mannschaft am Abend vor dem Spiel in München mitgeteilt haben, war die Erleichterung unglaublich“, erinnerte sich Michael Zorc, der damals mit dem Team in der bayerischen Landeshauptstadt war. Zorc mit einem Lächeln weiter: „Die Spannung war auch gleich weg. Wir haben 0:4 verloren.“

Seitdem hat der BVB eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Erst wirtschaftlich. Die Konsolidierung, der kontinuierliche Abbau der Verbindlichkeiten. „Ich war damals häufig bei Investment-Bankern in London“, so Hans-Joachim Watzke, „und einem von ihnen, dem Restrukturierungsexperten Patrick Lynch, habe ich mal gesagt, irgendwann sitzen wir zusammen beim Champions-League-Finale. Geglaubt habe ich es damals nicht.“

Am 25. Mai 2013 wird es soweit sein.

Denn dem wirtschaftlichen Erfolg folgte nach der Verpflichtung von Jürgen Klopp der sportliche Gipfelsturm. „Jürgen ist für den BVB der bestmögliche Trainer auf dieser Welt“, sagte Watzke.

Millionen-Gewinne und Nebengeräusche

Europa-League-Qualifikation 2010, Meister 2011, Doublesieger 2012. Jetzt Champions-League-Finalist 2013. Der BVB steht sportlich da, wo er 1997 schon einmal stand. Im Finale des Besten Europas. Nur ist der Erfolg auf einem wirtschaftlich nachhaltigen Fundament erbaut. „Und das wird so bleiben. Wir werden nie wieder einen Euro Schulden für sportliche Eventual-Erfolge machen“, kündigte Watzke an.

Derzeit kann sich sein BVB vor Euro-Einnahmen gar nicht retten. Die bilanzierten Gewinne, die 55 Millionen Euro aus der Champions League, die 37 Millionen Euro für Mario Götze. Und dann noch Wembley mit allen Nebengeräuschen. „Die internationale Wahrnehmung ist enorm gestiegen. Das wird uns ökonomisch in ungeahnte Höhen heben“, sagte der sichtlich zufriedene Kaufmann Hans-Joachim Watzke.