Warum Schalkes Hans Sarpei Kult ist

Was wir bereits wissen
Weit über 700 Seiten und Gruppen bei Facebook beschäftigen sich mit Schalke-Ersatzspieler Hans Sarpei.

Gelsenkirchen.. Felix Magath hat auf Facebook über 200.000 so genannte Freunde. Hans Sarpei gehört nicht dazu, doch seit der Schalker seinen Mitspieler Alex Baumjohann im März per Twitter hochnahm, ist er in sozialen Netzwerken Kult. Nun treffen beide auf ihren ehemaligen Trainer - am Sonntag in Wolfsburg (17.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker). Weit über 700 Seiten und Gruppen findet man derzeit auf Facebook, wenn man den Namen „Hans Sarpei“ eingibt. Das hat wenig mit der sportlichen Relevanz des Profis von Schalke 04 zu tun, denn im Team von Trainer Ralf Rangnick fristet der bereits 35-Jährige ein überschaubares Reservistendasein.

Doch seit Sarpei vor ein paar Monaten seinen Sinn für bösen Humor zwitscherte, lieben ihn die User im Netz. Es war der 4. Juni dieses Jahres, als sein Mitspieler Alexander Baumjohann „Guten Morgen... gibt es was Neues auf Schalke?“ in die Sommerpause twitterte. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und haute „Baumi“ aus den Schuhen. „Ja, du sollst nach Wolfsburg“, ließ Sarpei wissen, worauf Baumjohann klar stellte: „Damit macht man keinen Spaß. Das ist nicht lustig.“

Zur Erklärung: Schalke hatte im März nach riesigem Theater Felix Magath als Trainer und Manager entlassen, doch noch am Tag der offiziellen Trennung unterschrieb der mit Schimpf und Schande aus Gelsenkirchen weggejagte Alleinherrscher erneut beim VfL Wolfsburg, den er 2009 zum Deutschen Meister gemacht hatte. In seiner 21-monatigen Amtszeit bei den Königsblauen hatte Magath nicht nur über 30 Spieler verpflichtet, sondern unter anderem die von ihm selbst geholten Sarpei sowie Baumjohann wegen angeblich zu schwacher Trainingsleistungen in die Reservemannschaft geschickt.

Beim "Wunder von Mailand" in der Schalker Startelf

Als Magath weg war, baute sein Nachfolger Ralf Rangnick die Aussortierten schnell wieder ein und schaffte mit ihnen in der Startelf unter anderem den als „Wunder von Mailand“ gefeierten 5:2-Sieg im Viertelfinale der Champions League beim damaligen Titelverteidiger Inter. „Nicht schlecht für Amateure“, feixte Sarpei nach dem historischen Triumph der Schalker hinterm Rücken von Baumjohann, der gerade den Journalisten die Sensation von San Siro erklärte.


Mit seiner coolen Art kommt Sarpei bei der Internetgemeinde gut an. Als in Köln geborener Ghanaer mit einem urdeutschen Vornamen und der afrikanischen Endung gibt seine Biographie Stoff für außergewöhnliche Geschichten her. Dass er aber Präsident werden kann, mehr Macht hat als Barack Obama, schneller Schalke als Usain Bolt rennt und er seine eigenen Elfmeter halten kann, hält er für übertrieben. „Ich weiß gar nicht, woher das alles kommt“, staunt Sarpei.

Den Internet-Hype um seine Person haben wohl einige S04-Fans, die unter der Adresse „web04.de“ über Schalke bloggen, losgetreten. Inzwischen vergeht kein Tag, in dem nicht wieder eine neue Gruppen Sarpei auf Facebook huldigt. Während der Spieler das virtuelle Treiben mit seiner ihm eigenen Lockerheit nimmt, gibt es auch schon Stimmen im Netz, die fragen, was das Getue um Sarpei eigentlich soll. Doch auch in der Gelsenkirchener Arena ist der Applaus jedes Mal groß, wenn der Stadionsprecher den Namen des Verteidigers vorliest. Und wenn sich die Ersatzspieler vor der Nordkurve aufwärmen, wird Sarpei vom Volk gefeiert wie ein Star. Kein Wunder, dass die Blogger von „web.04“ ihr Idol nun auch einmal in der Realität treffen wollen, um sich ein persönliches Bild von ihrem Hans, der (fast) alles kann, zu machen.

Ob aber selbst er Felix Magath nicht mehr helfen kann, wie eine weitere Facebook-Gruppe behauptet, wird man vielleicht nach dem Spiel am Sonntag in Wolfsburg näher wissen... (RevierSport)