Villis versichert, dass der VfL Bochum nicht in die Insolvenz geht

Aufgezeichnet von Bastian Angenendt
Man mag es kaum glauben, aber auch Hans-Peter Villis kam beim VfL Bochum am Montag zu Wort. Bei der Vorstellung von Peter Neururer äußerte sich der Aufsichtsrats-Vorsitzende zur Situation der Bochumer im Abstiegskampf, zur Trainerfrage und zur Perspektive des Klubs. Wir haben die Äußerungen von Villis und Neururer protkolliert.

Bochum. Hans-Peter Villis zur Trainer-Entscheidung: Wir hatten ein sehr intensives Wochenende. Intensiv heißt: zweimal sechs bis sieben Stunden. Wir haben uns sehr ausgiebig mit der aktuellen Situation des VfL Bochum befasst. Der Auftritt gegen Aue, das 0:3, hat uns dazu bewogen, uns zusammenzusetzen. Wir sind sicher, dass wir mit Peter Neururer als Cheftrainer die Klasse erhalten werden. Wir haben gemerkt, dass auf den Schultern unserer Mannschaft eine schwere Last liegt. Wir erhoffen uns, dass Peter Neururer ein Stück weit diese Last von der Mannschaft nimmt. Er hat den Verein über Jahre begleitet, nicht nur in seiner Funktion als Trainer. In dieser Situation war uns sofort klar, was für ein Anforderungsprofil der neue Trainer erfüllen muss. Wir haben zu Peter Neururer überhaupt keine Alternativen diskutiert und sind sofort auf ihn gekommen.

Villis zur Tabellensituation und einem eventuellen Abstieg: Wir müssen jetzt in den nächsten Wochen nach vorne gucken und sollten nicht mehr in den Rückspiegel gucken. Wir wollen hier eine neue Ära beginnen. Es gibt auch Szenarien für den Fall des Abstiegs. Wir wollen den Plan B aber erst gar nicht ziehen. Ich kann versichern, dass wir nicht in die Insolvenz gehen, wenn wir absteigen. Wir sind sehr weit mit der Lizenzierung. Ich will nicht sagen, die betriebswirtschaftliche Seite wäre solide, aber sie ist beherrschbar.

Villis zur Nachfolge von Sportvorstand Jens Todt: Wir haben da schon Pläne im Kopf. Aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir werden kurzfristig eine Lösung präsentieren.

Villis zur Dauer des Engagements von Peter Neururer: Es ist ein Sechs-Spiele-Arrangement. Dann werden wir uns neu treffen und reden. Aber Priorität haben erst einmal die nächsten sechs Spiele.

Neururer fordert Leidenschaft, Disziplin und Verantwortung 

Peter Neururer zu seiner Rückkehr: Ich freu mich, zurück zu sein. Ich bin wieder zu Hause. Ich habe keine Zehntelsekunde gezögert. Allein schon wegen Werner Altegoer. Zu so einem Verein zurückzukommen, ist für mich etwas Großartiges. Das Einzige, das nicht großartig ist, ist der Zeitpunkt. Ich bin froh hier zu sein, aber es ist die schwierigste Aufgabe, die ich im Profifußball zu bewältigen habe.

Neururer über das, was er verändern will: Bis zum Abschluss der Saison werden wir mit drei Leitfäden arbeiten: Leidenschaft, absolute Disziplin und Verantwortung. Ohne Verantwortung für den Verein, ohne Verantwortung für die Fanschaft und ohne Verantwortung für die Stadt Bochum, werden wir unser Ziel nicht erreichen. Es wird sehr, sehr schwer. Aber ich bin guter Dinge.

Neururer über das Team hinter ihm: Ich erhalte die Unterstützung vom ganzen Verein. Vom Mann, der die Karten abreißt, bis zu mir. Wer sich davon nicht als Einheit fühlt, wird dazu gemacht. Anders schaffen wir es nicht. Im Trainerteam werden mich Thomas Reis und Dariusz Wosz unterstützen, der ja auch schon Erfahrung mit solchen Situationen hat.

Neururer über seinen Draht zur Mannschaft: Ich habe fast alle Spiele des VfL Bochum gesehen, vor allem die Heimspiele. Ich war im Fußball ja immer irgendwie involviert. Ich war viel in der ersten und zweiten Liga unterwegs. Kontakt zu der Mannschaft hatte ich über den Kapitän Andreas Luthe, der mich angerufen hat. Der hat mir seine Sicht der Dinge dargestellt. Ich habe eine intuitive Einschätzung der Spieler mit Dariusz Wosz und Thomas Reis vorgenommen. Den Kader sehe ich erstmals am Dienstag.

Neururer über die Dauer seines Engagements: Mein Vertrag ist bewusst erst einmal auf die sechs Spiele begrenzt. Kein Spieler soll denken, dass sich der Trainer auf einem Zwei- oder Dreijahresvertrag ausruht. Es kommt ja auch darauf an, was ich vorlebe. Ich habe ja auch 2005 meinen Vertrag aufgelöst, wenn auch unter Tränen, obwohl er noch länger lief.

Neururer über sein Arbeit beim Fernsehen: Ich kann jederzeit wieder zurückkommen. Ich mache jetzt noch die Dienstagsabend-Sendung. Aber natürlich keine Zweitliga-Spiele mehr. Der Vertrag ruht, kann aber jederzeit wieder aufleben. Ich bleibe aber lieber beim VfL Bochum, als zu Sport 1 zurückzukehren.

Neururer über das große Medieninteresse an seiner Person: Im großen Showgeschäft habe ich noch nie vorne gestanden. Das große Interesse hat auch mit der Situation des Vereins zu tun. Ich freue mich, dass die Resonanz so groß ist. Damit ist der VfL, wenn auch erst einmal im negativen Bereich, wieder im Gespräch.

Neururer auf die Frage, ob den die Gesundheit mitmachen würde: Ich gehe davon aus, dass alle Spieler gesund bleiben werden (lacht). Ich hatte auch vor dem Herzinfarkt schon gute Werte, diese Werte sind jetzt noch besser. Die Arbeit ist für mich aber nicht Druck, das ist für mich nur Spaß.