VfL Bochum: Warum Robin Dutt fürs koreanische TV der Spielverderber ist

VfL-Trainer Robin Dutt.
VfL-Trainer Robin Dutt.
Foto: Christopher Neundorf/firo

Kiel. Es läuft die 88. Minute und Robin Dutt entscheidet sich logischerweise dafür, die 2:1-Führung nur noch zu verteidigen. Patrick Fabian kommt zu seinem ersten Saisoneinsatz, und die südkoreanische SPOTV-Reporterin Min-Jung Kwon weiß, dass sie von ihrem Landsmann Chung-Yong Lee keine Bewegtbilder einfangen kann. Enttäuschung. Und die spürt kurze Zeit später auch der Trainer des VfL Bochum, weil sich Janni Serra hochschraubt, energisch köpft, den starken Manuel Riemann bezwingt und zum 2:2 (0:1)-Endstand für die KSV Holstein Kiel trifft.

Mit den Enttäuschungen ist es nach dieser Partie der 2. Fußball-Bundesliga aber so eine Sache. Der VfL, der zumindest für eine Nacht Spitzenreiter hätte werden können, ärgert sich. „Kiel hat mit viel Risiko gespielt, so dass wir oft Überzahl hatten. Aber wir hatten, glaube ich, nur zwei, drei richtig klare Chancen. Das ist nicht viel“, sagt Robert Tesche, der nach seinem überragenden Auftritt beim 6:0 gegen den FC Ingolstadt im Vergleich zu seinem Kapitän Anthony Losilla diesmal der schwächere Sechser gewesen ist. „Also können wir mit dem 2:2 eigentlich leben, aber nicht mit dem Ausgleich in der 90. Minute“, sagt der 31-Jährige. „Ich bin extrem sauer, so eine Scheiße. Das ist das Schlimmste, was passieren kann.“

Danilo Soares scheidet verletzt aus

Aber als das Spiel schon einige Minuten vorbei ist, hat sich die Enttäuschung bei Robin Dutt, der seinen linken Verteidiger Danilo Soares wegen einer Verletzung auswechseln musste (Verdacht auf Innenbanddehnung), anscheinend sogar schon sehr gelegt. Obwohl er während der Partie einige Male sehr laut wurde, weil ihm die eine oder andere schlampige Aktion seiner Mannschaft – vor allem in der Defensive – nicht gefiel.

„Am Ende fühlt es sich so an, als ob du zwei Punkte verloren hättest, wenn du so kurz vor der Zielgeraden warst“, sagt der 53-jährige VfL-Trainer. „Aber da muss man fair bleiben: Kiel hat in den letzten zehn Minuten schon sehr viel Druck gemacht, sich zwei, drei hochkarätige Chancen erspielt und den Punkt mehr als verdient. Von daher denke ich, dass wir mit dem 2:2 leben können – auch wenn es bitter ist, dass wir so spät den Ausgleich kassiert haben.“

Von diesem Ausgleich, um den die Bochumer letztlich sogar zweimal gebettelt haben und der insofern keine Auswirkung hat, als der VfL auf Tabellenplatz drei bleibt, bekommt Min-Jung Kwon schon gar nichts mehr mit. Die Reporterin des Pay-TV-Senders SPOTV, deren Platz 13 auf der Pressetribüne regelmäßig verwaist gewesen ist und die mit ihrem kleinen Fotoapparat und ihrer kleinen Videokamera eigentlich alles festgehalten hat, ist längst in den Katakomben des Holstein-Stadions verschwunden.

Das Lee-Foto ist im Kasten

Und die Stimmung dort ist irgendwie gut, obwohl Tim Walter sehr gerne gewonnen hätte. Der KSV-Trainer bemerkt auch gar nicht, dass Min-Jung Kwon inzwischen strahlt und glücklich ist. Sie hat ihr Motiv und macht ihr Lee-Foto: Kiels Sea-Jung links und Bochum Chung-Yong rechts, und beide strecken den rechten Daumen.

Und als Tom Weilandt, der nur zwei, drei Meter entfernt steht, nach seiner Rückkehr für einen Tag ins Storchennest so erzählt, fühlt sich das ebenfalls wie Daumen hoch an. „Die Euphorie lassen wir uns jetzt nicht nehmen“, sagt der 26-Jährige, der sich nun zum dritten Mal in Folge in die VfL-Torschützenliste eingetragen hat. Dynamo Dresden kann also am Dienstag kommen.

 
 

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