VfL Bochum stürmt dank 2:1 weiter aus dem Tabellenkeller

Michael Eckardt
Grenzenloser Jubel beim VfL Bochum.
Grenzenloser Jubel beim VfL Bochum.
Foto: Getty Images
Es ist kaum zu glauben. Dem VfL Bochum ist mit Trainer Peter Neururer am Samstag der vierte Sieg hintereinander gelungen. Nach dem 2:1 (0:1)-Erfolg gegen den 1. FC Köln ist der Klassenerhalt zum Greifen nahe. Köln muss dagegen weiter um den Aufstieg bangen.

Bochum. Die Hoffnung der Bochumer, mit einem Sieg bereits zwei Wochen vor dem Saisonende den Klassenerhalt feiern zu können, war bereits am Vorabend mit dem 2:1-Erfolg von Dynamo Dresden gegen Paderborn enttäuscht worden. Vielmehr hatte sich der Kampf um den Relegationsplatz weiter zugespitzt. Allerdings standen die Kölner ebenfalls unter Druck.

Beide Trainer hatten im Vergleich zum vergangenen Spieltag eine Änderung vorgenommen – für den VfL Bochum begann Michael Delura anstelle von Mirkan Aydin, beim FC ersetzte Adil Chihi in der Offensive Stefan Maierhofer. Ein guter Griff von Holger Stanislawski, wie sich noch zeigen sollte.

Köln ging vor der Pause aus heiterem Himmel in Führung

Wer nun Kölner Offensiv-Schwung erwartet hatte, musste sich die Augen reiben. In der Defensive weitgehend stabil, gelang es den Rheinländern in der ersten Halbzeit nicht, in die Spitze zu spielen. FC-Torjäger Anthony Ujah wurde von Marcel Maltritz und Jonas Acquistapace praktisch abgemeldet, auch Christian Clemens konnte sich kaum in Szene setzen.Allerdings schafften es auch die Bochumer nicht, sich aussichtsreich in Stellung zu bringen. Delura, der Aydin-Stellvertreter, verlor zu oft den Ball, und Yusuke Tasaka wirkte insgesamt müde und ausgelaugt. So blieb es auf Seiten der leicht überlegenen Bochumer bei einem verdeckten Schuss von Zlatko Dedic, der knapp am Kölner Tor vorbeirauschte.

Ein 0:0 zur Pause hätte dem Spielverlauf mit nur wenigen aufregenden Torszenen entsprochen, doch kollektives Abschalten der Bochumer nach einem Freistoß gegen Christoph Kramer und ein kapitaler Bock von Acquistapace bescherten den Gästen aus heiterem Himmel die Führung. Acquistapace, bis dahin mit einer Top-Leistung, brachte den Ball nicht aus der Gefahrenzone und legte schließlich für Chihi auf, der gleich zweimal Maß nehmen durfte. Zunächst hatte der Kölner nur den Pfosten getroffen, dann klingelte es.

Der VfL schüttelte sich ein paar Minuten, dann ging‘s weiter – mit der Riesenchance zum Ausgleich: Über Leon Goretzka und Dedic kam der Ball zu Taska, doch dem Japaner fehlte frei vor FC-Schlussmann Timo Horn die Konzentration im Abschluss. Trotz dieser Großchance kamen die Gäste nun besser ins Spiel, die Partie gewann an Dynamik, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Mit dem ersten Vorteil für Köln. Hätte Michael Lumb nicht den von Adam Matuschyk abgefeuerten Ball von der Torlinie geschlagen, die Partie wäre wohl entschieden gewesen.

VfL-Trainer Neururer blieb trotz dem vierten Sieg in Folge ruhig

Nur wenige Minuten später war sie wieder komplett offen. Nach einem Freistoß von Marc Rzatkowski, dessen präzise Standards den Bochumern in der kommenden Saison fehlen werden, köpfte Zlatko Dedic zum 1:1 ein. Es war der achte Saisontreffer des Slowenen.Die Kölner reagierten wütend und kamen zu Chancen, auch wenn Ujah weiterhin gut unter Kontrolle blieb. VfL-Kapitän Andreas Luthe stand zweimal im Blickpunkt, sowohl Matuschyk als auch Clemens scheiterten am Bochumer Torhüter.

Und dann schwoll der Jubel der VfL-Fans zu einem Orkan an. Marcel Maltritz, bereits vor einer Woche in Sandhausen der Matchwinner, drehte mit seinem Kopfballtor nach einer Rzatkowski-Ecke die Partie vollends. Bundesliga-Stimmung herrschte im rewirpower-Stadion, auch wenn man in diesem Moment nur dem Klassenerhalt in der Zweiten Liga ein gutes Stück weit näher gekommen war. Und als Maltritz, der Unverwüstliche, auch noch Mato Jajalos Freistoß von der Linie geköpft hatte, war die Sache geritzt.

Maximal ein Sieg noch in den restlichen beiden Partien beim FSV Frankfurt und gegen Union Berlin – und der VfL kann die nächste Zweitliga-Saison in Angriff nehmen. Doch von Überschwang war nichts zu spüren bei VfL-Trainer Peter Neururer, der „mehr als dankbar“ war „für die Leidenschaft des 12. Mannes“. Der VfL befinde sich „immer noch in einer sehr brisanten Situation“, sagte Neururer. Zuvor war der 58-Jährige nur kurz vor die Fans getreten, die skandiert hatten: „Wir wollen den Trainer sehen.“ Ein kurzes Winken, das war‘s. Den Volkstribun will Neururer zumindest jetzt noch nicht geben, denn: „Wir haben noch nichts erreicht.“