Bochum

VfL Bochum: Sportvorstand Christian Hochstätter punktet beim Fantalk

Plauderte aus dem Nähkästchen: VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter.
Plauderte aus dem Nähkästchen: VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter.
Foto: Jürgen Theobald
  • VfL-Fans gehen pfleglich mit Bochums Sportvorstand um
  • Für Hochstätters Zukunft und die von VfL-Trainer Rasiejewski heißt das nichts

Bochum. Am Ende waren sie ganz offensichtlich zufrieden, die gut 120 VfL-Fans, die sich zum Fantalk in der Gastronomie des THC im VfL eingefunden hatten und rund drei Stunden lang den Ausführungen von Sportvorstand Christian Hochstätter lauschten. Der 54-Jährige plauderte bei dieser exklusiven Veranstaltung aus dem Nähkästchen und erwarb sich damit schließlich sogar das Wohlwollen auch der eigentlich kritisch gestimmten Anhänger.

Der „Fall“ Bastians kam noch einmal zur Sprache, wobei der inzwischen nach China transferierte Innenverteidiger nicht gut wegkam, auch Dimitrios Diamantakos, aktuell beim FC St. Pauli untergekommen, hätte, so er denn dabei gewesen wäre, wenig Schmeichelhaftes zu hören bekommen. Dass Christian Hochstätter es war, der den so enttäuschenden wie enttäuschten griechischen Angreifer vor einem halben Jahr vom Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC geholt hatte und nun über ihn redete, wurde dabei wohl ausgeblendet.

Auch bei Atalan-Verpflichtung gab es Kritik

Ähnlich die Causa Ismail Atalan. Auch zum Zweitliga-Trainerlehrling gab es ein paar kritische Worte, aber auch Atalans Verpflichtung nach der Trennung von Gertjan Verbeek fiel eindeutig in Hochstätters Kompetenzbereich, wenngleich der Bochumer Sportvorstand schon bei Atalans Präsentation nicht so wirkte, als ob er mit dieser Personalie wirklich glücklich wäre.

Warum die komplette Personalgestaltung der letzten eineinhalb Jahre, die für die derzeitige sportliche Misere mitverantwortlich ist, an diesem Abend offenbar nicht eingehend hinterfragt und diskutiert wurde, bleibt rätselhaft. Denn in diesen eineinhalb Jahren inklusive der letzten Wochen hat der VfL Bochum, darauf muss man erst einmal kommen, nicht weniger als 23 Spieler verpflichtet. Und neun davon, Dawidowicz, Wydra, Rieble, Stiepermann, Merkel, Canouse, Weilandt, Quaschner und Diamantakos, sind bereits wieder weg.

Drehtürpolitik unter Hochstätter

Das nennt man Drehtürpolitik und ist das Gegenteil von Kontinuität, Verlässlichkeit, planvoller Weiterentwicklung und strategischem Denken. Wie man unter diesen Umständen ernsthaft den Aufstieg in die Bundesliga ins Visier nehmen kann, ist schleierhaft.

Zum schlimmsten vorstellbaren Fall, dem Abstieg, bezog Christian Hochstätter konkret Stellung. „Der Verein wäre in der Lage, das zu überstehen“, sagte er. Zwar verfüge keiner der aktuellen Spieler über einen regelrechten Vertrag für die 3. Liga, es gebe aber Klauseln, die es ermöglichten, Spieler zu gleichen Konditionen eine Etage tiefer weiter zu beschäftigen.

VfL fehlen Einnahmen im Falle eines Abstiegs

Wie man in Bochum die erwähnten gleichen Konditionen zu finanzieren gedenkt, sollte man allerdings bei nächster Gelegenheit auch einmal diskutieren. Denn der VfL würde im Abstiegsfall auf allen Einnahme-Ebenen massiv verlieren - an TV-Geldern, Sponsoren-Zuwendungen, Erlösen aus dem Ticket-Verkauf und im Merchandising.

Ob die Herren aus dem Bochumer Aufsichtsrat den freundlichen Umgang der anwesenden Anhänger mit Christian Hochstätter als positives Votum der kompletten Fanbasis werten oder doch eher die Masse der Fans im Auge haben, die womöglich am Freitag und bei den kommenden Heimspielen mit den Füßen abstimmen werden, bleibt offen.

Ebenso wie die Trainerfrage. Geht der VfL mit Jens Rasiejewski ins Abstiegsduell mit dem SV Darmstadt 98? Um noch vorher mit dem dann vierten Trainer in dieser Spielzeit handelseinig zu werden, ist die Zeit ziemlich knapp. Es wäre wohl der letzte Schuss, den die aktuelle Führung noch frei hat.

 

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