VfL Bochum fehlt der Kompass - und Neururer der Spielraum

Michael Eckardt
Mochte auch nicht mehr hinsehen: Peter Neururer am unseligen Freitagabend.
Mochte auch nicht mehr hinsehen: Peter Neururer am unseligen Freitagabend.
Foto: dpa
Planlos in schwerer See - Der VfL Bochum sucht vergeblich den Weg aus der (Heim-)Misere. Aber es gibt viele Baustellen für Trainer Peter Neururer - und wenige Optionen. Nicht nur vorne im Sturm drückt der Schuh, sondern vor allem auch im Mittelfeld, wo jetzt Durchschlagskraft vermisst wird.

Bochum. Irgendetwas muss man ja sagen, auch wenn es einem fast die Sprache verschlägt. „Wir hoffen auf einen Sieg in Ingolstadt, um dann mit mehr Ruhe ins nächste Heimspiel gehen zu können.“ Das sagte Peter Neururer nach dem spielerischen Offenbarungseid des VfL Bochum am Freitag, nach der siebten Heimniederlage in dieser Spielzeit, nach dem noch durchaus schmeichelhaften 0:1 gegen den SV Sandhausen.

Ein Auswärtserfolg soll also Ruhe in turbulenter Zeit verschaffen. Weil das schon einmal so gut geklappt hat? Nur zur Erinnerung: Vor dieser jämmerlichen Vorführung am Freitag hatten die Bochumer mit 2:0 in Aalen gewonnen. Die Konsequenz daraus im folgenden Heimspiel: Ruhe satt, bis hin zum fußballerischen Stillstand. Aber eben nicht die Ruhe, die Trainer in aller Regel meinen und mögen - Ruhe am Ball, beim Spielaufbau, im Torabschluss.

Was ganz schlimm ist derzeit: Den Torabschluss gab’s ja gegen Fürth und nun auch Sandhausen so wenig wie die dazugehörigen Tormöglichkeiten. Es passiert vor dem Tor der Gäste inzwischen: nichts. Und wer deshalb immer nur die Spieler in der vordersten Reihe kritisiert, ist auf mindestens einem Auge blind. Dieses Bochumer Mittelfeld in all’ seiner Langsam- und Umständlichkeit geht gar nicht.

Dem Mittelfeld fehlt Durchschlagskraft

Was ein echtes Dilemma ist, denn in diesem Punkt hat Peter Neururer Recht: Es fehlen ihm die Alternativen nicht nur ganz vorne, sondern auch und vor allem die zu Yusuke Tasaka, Piotr Cwielong und Christian Tiffert, denen jegliche Durchschlagskraft abgeht. Im Grunde kann Neururer bloß noch ein weiteres Mal Felix Bastians eine Position nach vorne ziehen und Heiko Butscher oder Jonas Acquistapace hinten links verteidigen lassen. Gäbe es einen stabilen Abwehrmann auf der rechten Seite, dann könnte man dort das Spielchen mit einem dann offensiveren Slawo Freier probieren. Gedankenspiele, die man sich noch vor einiger Zeit selbst verboten hätte, nun aber anstellen muss, weil die Situation zum Handeln zwingt.

Denn es geht nicht nur um die Qualität, sondern auch um den Willen. „Die Dinge wiederholen sich immer wieder. Es macht keinen Sinn, etwas dazu zu sagen“, lautete der Kommentar von Kapitän Andreas Luthe am Freitagabend. Der ständig wiederkehrende Appell an Mannschaft und Mitspieler, die Beschwörung der Profi-Tugenden - das alles, weiß Luthe, ist nicht beliebig wiederholbar. Schon gar nicht in einem Team, deren einzelne Teile sich ja in ein paar Monaten bereits in alle Winde zerstreuen werden. Ken Ilsö ist schon weg, neun weitere Verträge laufen aus. Diese Spieler und die anderen dazu in schwerer See auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, ist nicht leicht. Auch Kabinenpredigten von Spielern, wie geschehen, nutzen sich rasch ab.

Es steht nicht gut um diese Mannschaft, die wirkt als fehle ihr der Kompass und ein für alle verbindlicher Plan. Das kommt noch hinzu: Erzielt der Gegner ein Tor, hat niemand ein Gegengift, um die sofort einsetzende Lähmung zu bekämpfen.