VfL-Aufsichtsrat baut Nachwuchsbereich um

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Bochum.. In alle Ecken wolle der neue Aufsichtsrat gucken, hatte Vorsitzender Ernst-Otto Stüber nach seiner Wahl angekündigt. Knapp drei Monate später hat der Rat genug gesehen, gehört, notiert, offiziell zunächst „nur“ im Nachwuchsbereich - und hat dort harte Fakten geschaffen. Vielleicht nur ein Anfang einer großen personellen Rochade.

Frank Heinemann und Jürgen Heipertz aus der Führung der Nachwuchsabteilung wurden am Montag mit sofortiger Wirkung von ihrer Tätigkeit freigestellt, Nico Michaty wird nur noch bis zum Saisonende die zweite Mannschaft trainieren. Alle drei Verträge laufen Ende Juni aus. „Das ist natürlich hart, und wir danken ihnen für ihre langjährige Arbeit beim VfL. Aber es macht keinen Sinn, dass sie weitermachen“, sagte Sportvorstand Thomas Ernst zum sofortigen Dienstende von Heinemann und Heipertz. „Wir müssen mit Überzeugung Spieler für uns gewinnen, die erst in der kommenden Saison bei uns anfangen können.“ Heinemann (46) war seit 35 Jahren beim VfL, als Spieler, Co-Trainer, Interimstrainer und zuletzt Koordinator der Nachwuchsabteilung. Heipertz (52) arbeitete seit über 16 Jahren in der Nachwuchsabteilung, zuletzt als deren Sportlicher Leiter. Am Montag mussten sie ihre Büros räumen.

Auch Stüber spricht von „persönlich schmerzlichen Entscheidungen“ und davon, dass man ihnen die Chance geben wollte, „sich sofort neu anbieten zu können“.

Nett gesagt - und gemeint ist: Die Trennung war aus Sicht des Rates nötig. Eine „Verschlankung“ der Führungsebene war ein Kernziel eines geforderten neuen Konzeptes, mehr „Effektivität“, so Stüber, kurzum: weniger Häuptlinge, weniger Kosten - mehr Erfolg.

Heipertz’ Job entfällt, und die Aufgaben von Heinemann und Michaty übernehmen Kräfte, die bereits beim VfL auf der Gehaltsliste stehen. Alexander Richter stieg vom Cheftrainer und Ausbildungsleiter Jugend zum neuen Leiter der Nachwuchsabteilung auf. Der 40-Jährige, erst seit August 2008 beim VfL, unterschrieb bis Juni 2014. Richter soll den Rat unter anderem bei einem Vortrag über sein Nachwuchskonzept überzeugt haben - genau wie Iraklis Metaxas.

Der im Herbst 2009 von Heiko Herrlich als Co-Trainer mitgebrachte 43-Jährige ist seit Herrlichs Entmachtung im wesentlichen in der Gegnerbeobachtung und Spielanalyse aktiv und damit „unterfordert“, sagt Stüber. Metaxas, vor seiner Zeit beim VfL Stützpunkt-Koordinator beim Verband Mittelrhein, übernimmt in der kommenden Saison als Trainer die zweite Mannschaft und ist Richters Nachfolger als Cheftrainer Nachwuchs. Mit im Boot bleibt Timo Saviano (36) als alter und neuer Geschäftsführer. Metaxas, der einen guten Draht zu Friedhelm Funkel hat, und Saviano erhalten wie Richter Verträge über drei Jahre (bis 2014).

Gar bis 2016 hat der VfL Publikumsikone Dariusz Wosz gebunden, der weiterhin die A-Jugend trainieren wird. Zudem wird Ex-Profi und Nachwuchs-Scout Thomas Reis als Assistent der Nachwuchsleitung „stärker eingebunden“, sagt Stüber.

Die „Gesamtkonzeption mit der neuen Führung im Zusammenspiel mit Wosz, mit Funkel“, so Stüber, solle sich auszahlen, davon sei der Rat überzeugt. Mit Funkel? Dessen Vertrag als Cheftrainer verlängert sich ja nur im Aufstiegsfall. Stüber: „Ob er auch bleibt, wenn wir nicht aufsteigen, haben wir noch nicht erörtert.“ Offenbar aber ist Funkel in das Gesamtkonzept derart integriert, dass eine Trennung auch im Nicht-Aufstiegsfall unwahrscheinlich erscheint. Stüber: „Ich schätze Friedhelm Funkel, der sehr solide, gute Arbeit macht“ und, zumindest seit dem Ingolstadt-Spiel, „eine gute Konzeption entwickelt hat“.

Ob dies auch für Thomas Ernst gilt, ist offen. Stüber macht keinen Hehl daraus, dass der Rat „seine Vorstellungen“ eingebracht hat beim Umbau der Nachwuchsarbeit, auch wenn der Vorstand letztlich das Konzept vorlegte - und noch die Formalien regeln durfte. Stüber: „Das Gesamtkonzept einschließlich der personellen Entscheidungen hat der Rat beschlossen.“ Am Samstag, nach vielen Gesprächen mit allen Betroffenen und drei Sitzungen. Als einen Fingerzeig, dass nun das Ende von Thomas Ernst naht, will Stüber das alles nicht verstanden wissen.

Nach WAZ-Informationen plant der Rat, den im Dezember auslaufenden Vertrag bis Juni zu kündigen, damit dieser sich nicht automatisch verlängert. Ernst: „Dass das diskutiert wird, ist mir auch zu Ohren gekommen.“ Beschlossen sei da aber noch nichts, versichert Stüber. Dieses „Thema“ müsse man „sorgfältig diskutieren und überlegen. Wir wissen ja auch noch nicht, ob wir aufsteigen, man muss sehen, wie die sportliche Situation und Planung für die kommende Saison ist.“

Jetzt habe man „erstmal wichtige Entscheidungen für den Nachwuchs“ getroffen. Der, sagt Stüber, sei „überlebenswichtig für den VfL“.

Vom Wirbel um die Personalentscheidungen im Nachwuchsbereich hatten die Spieler des VfL am Morgen noch nichts mitbekommen. Die gute Nachricht: Bei dem turbulenten Sieg in Aachen hat sich keiner ernsthafte Blessuren zugezogen. Damit fallen für das Spiel gegen Energie Cottbus nur Mathias Concha, Slawo Freier und vermutlich Mirkan Aydin aus. Trainer Friedhelm Funkel rechnet damit, dass Aydin, der sich eine Oberschenkel-Zerrung zugezogen hatte, am Mittwoch dosiert ins Lauftraining einsteigen kann. Er stellte klar: „Die Devise ist: null Risiko.“ Bestenfalls könnte Aydin als Joker dabei sein.

Derweil hat der Aufsichtsrat dem Vorstand des VfL grünes Licht gegeben, den Vertrag mit dem Hauptsponsor Netto zu verlängern. Wie berichtet, hatte man sich mit dem Discounter im Grundsatz auf eine weitere Zusammenarbeit verständigt, wohl noch in dieser Woche sollen Details geklärt, Verträge unterschrieben werden.

 
 

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