Tese macht beim VfL den Unterschied

Ralf Ritter
Endlich mal wieder jubeln durften die Spieler des VfL Bochum bei der Partie gegen Bielefeld. Foto: Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool
Endlich mal wieder jubeln durften die Spieler des VfL Bochum bei der Partie gegen Bielefeld. Foto: Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool
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Vor eineinhalb Wochen, nach dem 0:2 gegen Augsburg, verbeugte sich Chong Tese höflich vor den wütenden Fans. Auch gestern Abend zog der Koreaner nach dem Schlusspfiff als erster Bochumer zur Ostkurve. Diesmal aber sprang er kraftvoll in die Luft, in Jubelpose. Die Fans feierten ihn.

Gott sei Dank hat der VfL diesen Stürmer - und Gott sei Dank ist er wieder fit. Beim letztlich verdienten, aber alles andere als aufstiegsreifen 3:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld machte die einzige Spitze des VfL den Unterschied - und sorgte dafür, dass den Profis wie den (nur noch) rund 9000 VfL-Fans, die ihr Team tatsächlich von Beginn an „fantastisch unterstützten“, wie Trainer Friedhelm Funkel betonte, wie erlöst wirkten. Fürs Erste, zumindest.

Auch Funkel war sichtlich erleichtert. Mehr nicht. Der Trainer übersah bei allem Bemühen seiner Elf nicht, dass dieses Spiel gegen Bielefeld, in dieser Besetzung ein Abstiegs-Favorit, „nur ein Anfang war. Alle müssen eine Schüppe drauflegen.“ Am Montag, beim Krisenklub Düsseldorf.

Denn unübersehbar war die Verunsicherung einer in vielen Szenen körperlich wie geistig zu langsamen und ideenlosen Mannschaft, die oft nur mit langen Bällen auf Tese ihr Glück versuchte.

Luthe erstmals im Tor

Dabei hatte Funkel seine Elf erneut umgebaut. Im Tor stand erstmals Andreas Luthe, der sich erst in der zweiten Halbzeit steigerte. Im ersten Durchgang beherrschte er seinen Fünfmeter-Raum selten, und das 1:1 - ein Freistoß von Oliver Neuville aus 30 Metern - „nehme ich auf meine Kappe“, gestand Luthe hinterher. Und war nach seinem Saisondebut doch zufrieden: „Wir haben gewonnen. Das war das Wichtigste.“

In der Abwehr blieb Dennis Grote draußen, Björn Kopplin rückte nach links, Matias Concha ins Team auf die rechte Bahn - der Schwede machte seine Sache ordentlich. Milos Maric wurde erstaunlich schnell „begnadigt“, nahm seinen Platz neben dem verbesserten Kapitän Dabrowski ein, blieb aber erneut blass. Eine Maßnahme, die sicher auch damit zu tun hatte, dass Funkel Giovanni Federico in seinem 4-2-3-1 - Saglik musste auf die Bank - wieder näher an den Strafraum bringen wollte. Dort, wo der laufschwache, aber torgefährliche Ex-Bielefelder seine Stärken hat.

Das machte sich früh bezahlt: Gleich der erste echte Angriff des VfL nach extrem schwachen 18 Minuten brachte das 1:0. Freier schloss eine gute Kombination über Tese und Federico ab. Doch so richtig erlösend wirkte die Führung nicht, Bielefeld bestimmte weiter die Partie. Immerhin, die Chancenverwertung war richtig gut: Nach Neuvilles Ausgleich scheiterte Federico zwar nach tollem Tese-Pass frei vor Arminias Torwart Eilhoff, doch kurz darauf fiel das 2:1. Nach einem Freistoß von Freier hob Bielefelds Fischer die Abseitsfalle auf, Dabrowski köpfte den Ball völlig freistehend mit Wucht ins Netz.

Tese sorgt für die Vorentscheidung

Nach dem Wechsel gab es noch zwei echte Chancen: Der schwache Dedic scheiterte, natürlich nach Pass von Tese. Ehe der Koreaner eben selbst für die Vorentscheidung sorgte: Federico hatte einen Pass aus der Abwehr auf Verdacht verlängert, da setzte sich Tese mit Dynamik, Übersicht und Technik gegen den besser postierten Bollmann und Torwart Eilhoff durch und schaffte es, den Ball aus ganz spitzem Winkel ins Netz zu schießen. Der einsame Höhepunkt einer Partie, die der VfL nun im Griff hatte, ohne selbst gute Konter setzen zu können.

Applaus von den Rängen für eine „positive Reaktion, einen Arbeitssieg“, wie Freier meinte. Applaus für Tese, von dem so viel abhängt beim VfL, wie auch Funkel offen einräumte: „Mir hat das Herz geblutet, als er nicht mitspielen konnte“, sagte er. „Er ist schon unheimlich wichtig für uns, aber er ist noch nicht bei 100 Prozent.“

Und Tese selbst? Bleibt bescheiden: „Wenn ich ein Tor schieße, ist das schön“, sagte er. „Aber wichtig ist nur, dass ich der Mannschaft helfe.“