Stückwerk brachte den VfL Bochum in Ingolstadt nicht weiter

Ralf Ritter
Wurde zum Bochumer Pechvogel: Torwart Andreas Luthe.
Wurde zum Bochumer Pechvogel: Torwart Andreas Luthe.
Foto: imago
Der Fußball-Zweitligist VfL Bochum rutscht nach einer verdienten, wenn auch zu hoch ausgefallenen 0:3-Niederlage gegen den FC Ingolstadt, immer tiefer in den Abstiegsgraben. Ein gravierender Fehler von VfL-Torwart Andreas Luthe brachte die Gastgeber auf die Siegesstraße.

Ingolstadt. Peter Neururer mühte sich, das verdiente, wenn auch zu hoch ausgefallene 0:3 beim Abstiegskonkurrenten FC Ingolstadt schnell abzuschütteln. Es geht weiter, es muss weitergehen – sogar zu Hause. Auch ohne die nach ihrer fünften Gelben Karte gesperrten Maltritz und Tasaka, ohne den Gelb-Rot-gesperrten Zahirovic sowieso, vielleicht auch ohne Cwielong, der mit Bluterguss im Rücken ausgewechselt wurde an diesem frustrierenden Dienstagabend in Ingolstadt.

„Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte Sportvorstand Christian Hochstätter nach der nächsten Pleite, „charakterlich“ aber wollte er der Mannschaft diesmal „keinen Vorwurf machen“.

Es muss eben weitergehen, in drei Tagen schon. Gegen Aue, den Angstgegner, am Samstag: „Das ist für uns ein Sechs-Punkte-Spiel“, sagte Neururer kurz nach dem nächsten herben Rückschlag. Der Vorsprung auf Dresden ist geschrumpft auf vier Punkte, Bielefeld spielt heute erst in Kaiserslautern – und der Rest zieht so langsam davon.

Trostlose Kulisse, trostlose Partie

Wie erwartet setzte Neururer fast auf die gleiche Elf wie gegen Sandhausen, nur Acquistapace kam als Linksverteidiger für den verletzten Bastians ins Team. Und es entwickelte sich eine Partie, die man erwarten konnte bei zwei verunsicherten Defensivspezialisten, die nach vorne wenig gebacken kriegen. Beide Teams passten sich der trostlosen Kulisse an, nur gut 3700 wie verloren wirkende Gestalten verirrten sich in den hochmodernen Audi-Sportpark.

Typisches 0:0-Spiel - bis zu Luthes verunglücktem Abschlag

Dabei sahen sie gleich Fehlpässe und Ballverluste in Hülle und Fülle, auf beiden Seiten. Leichte Vorteile hatte der VfL, der die Partie kontrollierte, ohne ernsthaft Torgefahr auszustrahlen. Zu schülerhaft der Kullerball vom freien und erneut schwachen Yusuke Tasaka. Cwielong (11.), noch schwächer als sein Pendant, und der zumindest bemühte Aydin (12./40.) verdaddelten zwei weitere Halbchancen bei diesem typischen 0:0-Spiel.

Doch dummerweise stand es nach 27 Minuten 1:0 – für Ingolstadt. Ein Tor gegen die bis dahin kompakte, solide VfL-Abwehr wie aus dem Nichts. Dank gütiger Hilfe des Kapitäns Andreas Luthe. Sein verunglückter Abschlag kam postwendend zurück, Caiuby tauchte vor ihm auf und hob dankend ab, als Luthe ihm entgegenflog. Der Torwart kam zu spät – dass Caiuby so fliegt, mag man clever nennen. Oder theatralisch, je nach Perspektive. Luthe beklagte sich jedenfalls nicht – und parierte den Elfmeter von Philipp Hofmann. Doch den Nachschuss des Schützen konnte er nicht mehr halten (27.).

In Unterzahl geht der VfL unter

Neururer probierte dann in der Pause etwas Neues. Er brachte Adnan Zahirovic für den blassen Florian Jungwirth, Holmar Eyjolfsson ersetzte den angeschlagenen Cwielong. Der Isländer nahm Freiers Position ein, der nach vorne rückte und für mehr Druck über Außen sorgen sollte. Bochum war sichtlich bemüht, eine Lücke fand man aber nicht. Stückwerk. Und nach einem weiteren Katastrophen-Fehler von Tasaka versäumte es Ingolstadt, beim 3-gegen-2-Konter den Deckel draufzumachen.

Den setzte dann Zahirovic auf den berühmten Topf. Der bisher kaum in Erscheinung getretene Bosnier ließ seinem vorauseilenden Ruf des harten Grätschers Taten folgen. Binnen 120 Sekunden handelte er sich mit zwei Fouls im Niemandsland Gelb und Gelb-Rot ein. 30 Minuten vor Schluss musste der VfL nun mit zehn Mann auskommen – und ging unter. Beim 0:2 schnappte die Abseitsfalle nicht zu, Lappe traf eiskalt, beim 0:3 vollstreckte Hofmann einen Konter. Zwischendurch vergab Freier das 1:2 – es war die einzige echte Bochumer Chance zum Anschluss.

Alle Dämme drohten nun zu brechen, und selbst in diesem Stadion kam tatsächlich so etwas wie gute Stimmung auf.

In Bochum dagegen droht sie langsam aber sicher unter dem Nullpunkt einzufrieren.