Schnelle Trennung vom Frauenfußball beim VfL Bochum ist vorerst vom Tisch

Mit Banner und Luftballons wurden die Verantwortlichen. Und die Appelle der vergangenen Tage haben Erfolg gezeigt: Der VfL Bochum behält seine Frauen- und Mädchenfußballabteilung - vorerst.
Mit Banner und Luftballons wurden die Verantwortlichen. Und die Appelle der vergangenen Tage haben Erfolg gezeigt: Der VfL Bochum behält seine Frauen- und Mädchenfußballabteilung - vorerst.
Foto: Gero Helm/WAZ FotoPool
Die Proteste zeigten Wirkung: Bei der Mitgliederversammlung des VfL Bochum verkündete die Vereinsführung, dass die Frauen- und Mädchenfußballabteilung nun doch erstmal im Verein bleibt. Allerdings sollte dann 2016 Schluss sein - ein Vorhaben, das die Mehrheit der Mitglieder nach hitzigen Diskussionen um 22:40 Uhr kippte. Nun soll bis zur nächsten Versammlung ein Konzept erarbeitet werden.

Bochum. Es war kurz nach 20 Uhr, als Hans-Peter Villis, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des VfL Bochum, der Mitgliederversammlung im Audimax der RUB erstmal die größte Brisanz nahm. „Wir haben unsere Entscheidung überdacht und revidiert“, erklärte Villis im Namen von Aufsichtsrat und Vorstand den 611 Stimmberechtigten.

Applaus war ihm gewiss, die Trennung zum Saisonende damit vom Tisch. Allerdings sollte ein Jahr später, 2016, Schluss sein. Ein Vorhaben, das Ex-Stadtdirektor Gerd Kirchhoff in seinem Antrag kippen wollte - es wurde spät, es war knapp. Nach langen Diskussionen kam es um 22:40 Uhr zur Abstimmung. Mit einem Erfolg für Kirchhoff und „seine“ Frauen: 270 Mitglieder stimmten für den Antrag, 203 dagegen. Die Trennung 2016 wird ausgesetzt, bis zur nächsten Jahreshauptversammlung soll ein Konzept erarbeitet werden zur Zukunft des Frauen- und Mädchenfußballs.

Die Resonanz "vielleicht etwas unterschätzt"

„Wir haben vielleicht etwas unterschätzt, welche öffentliche Resonanz und Emotionen das nach sich zieht“, hatte Villis bereits zu Beginn eingestanden. Am 3. Oktober hatte der Vorstand, gestützt vom Aufsichtsrat, via Vereinshomepage seine Entscheidung kundgetan, sich nach dieser Saison von der Frauen- und Mädchenfußballabteilung zu trennen. Aus Kostengründen - es geht um 150.000 Euro. Und um 120 Frauen und Mädchen. Es folgte ein Sturm des Protestes, auch von Sponsoren, Verbänden, Politikern. Auch der Bochumer Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert schaltete sich ein - und der VfL korrigierte am Montag seinen Kurs.

Hitzige Debatten über die VfL-Frauen - Hochstätter fühlt sich eingeschränkt

Die drei Frauen- und drei Mädchenmannschaften, so der Plan, sollten diese und nächste Saison wie gehabt weiter spielen. Ab 2016 allerdings sollten die Frauen ihren eigenen Weg gehen. Auf den Antrag von Kirchhoff, das Ende 2016 auszusetzen, wollte der Verein nicht eingehen. „Wir sollten diesen Schritt gehen“, sagte Villis.

Die Abteilung habe knapp zwei Jahre Zeit, eine alternative Finanzierung hinzubekommen, sagte Vorstand Engelbracht: „Danach können wir das nicht mehr leisten.“ Und Hochstätter meinte nach hitzigen Debatten: „Ich fühle mich eingeschränkt.“ Damit wird er nun aber vorerst leben müssen.

Villis machte zuvor ebenso wie Sportvorstand Christian Hochstätter und vor allem der redefreudige Engelbracht deutlich, dass die wirtschaftliche Not groß ist. „Die sportliche Talfahrt der letzten Jahre hat tiefe negative Spuren hinterlassen“, erklärte Villis die um 650 000 Euro gestiegene „Überschuldung von nun 7,5 Millionen Euro“.

Christian Hochstätter erklärte, dass man für höhere Ziele „den Etat der Lizenzspielerabteilung deutlich steigern“ müsse, aber „ohne die finanzielle Stabilität des Vereins zu gefährden“. Ein Tanz auf dünnem Eis ist das - vor allem, wenn nicht eingeplante Belastungen hinzukommen. So „türmte sich“ die Steuernachzahlung einer Prüfung der Jahre 2004 bis 2011 auf fast 1 Millionen Euro, erklärte Engelbracht.

„Ohne die Transfererlöse“, sagte er und meinte Vogt, Ostrzolek „und auch Klostermann“, hätte er wohl auf Knien zur Sparkasse gehen müssen. Grau ist da sein erster Eindruck nach vier Monaten im Amt: „Beim VfL ist alles auf Kante genäht. Davon müssen wir wegkommen. Das geht nicht von jetzt auf gleich.“ Engelbracht schwor also alle auf weitere harte Sparmaßnahmen ein. Vorstand und Aufsichtsrat wurden ohne eine Gegenstimme entlastet.

 
 

EURE FAVORITEN