Schnatterer schockt den VfL Bochum: Niederlage in Heidenheim

Auch in Heidenheim wusste Hinterseer zu treffen.
Auch in Heidenheim wusste Hinterseer zu treffen.
Foto: firo
Bochum verlässt Heidenheim mit leeren Händen und verliert 2:3. Dabei lag der VfL sogar in Führung, musste jedoch lange zu zehnt agieren.

Heidenheim. Am Ende stach Marc Schnatterer wieder zu. Eine Stunde lang agierte der VfL Bochum beim FC Heidenheim in Unterzahl, nachdem Anthony Losilla die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (33.). Lange hielt die 2:1-Führung, doch Robert Glatzel und Schnatterer mit einem Hammer-Freistoß drehten die Partie noch einmal. Der FCH gewann mit 3:2 (1:2), Bochum rutscht nach nur einem Punkt aus den letzten drei Partien der Englischen Woche ins triste Niemandsland der Tabelle ab.

Der Tag begann trotz des Sonnenscheins schon unglücklich. Der VfL musste gleich auf drei Leistungsträger der letzten Wochen verzichten. Neben den angeschlagenen Robbie Kruse und Danilo Soares, die gar nicht erst mitgefahren fahren auf den Schlossberg von Burg Hellenstein, fiel kurzfristig auch noch Sebastian Maier aus. Ausgerechnet der Gestalter und Antreiber der Offensive musste wegen muskulärer Probleme im Hüftbereich passen. Dagegen bestand Tom Weilandt, hinter dessen Einsatz wegen muskulärer Probleme auch ein Fragezeichen gestanden hatte, den Belastungstest gut eine Stunde vor dem Anpfiff.

Der VfL begann folglich mit Sidney Sam und Chung-Yong Lee, der sein Startelf-Debüt gab, auf den Flügeln, auf der Maier-Position agierte Weilandt, ganz vorne stürmte Lukas Hinterseer im vertrauten 4-2-3-1.. Im Vergleich zum Dresden-Spiel blieb Silvere Ganvoula auf der Bank. Einen weiteren - ungezwungenen - Wechsel nahm Trainer Dutt in der Viererkette vor, Kapitän Stefano Celozzi ersetzte Rechtsverteidiger Jan Gyamerah.

Bei herrlichem Sonnenschein, an dem sich die im Schatten platzierten Gäste-Fans allerdings nicht erwärmen konnten, spielte am Anfang nur ein Team. Heidenheim. Knapp 20 Minuten stand der VfL unter Dauerdruck, er schwanm, er wehrte sich nicht konsequent, er verpasste die Zweikämpfe. Der FCH kam mit Glatzel, Dovedan, Schnatterer und dem von hinten nach schiebenden Busch immer wieder über die rechte Seite. Bochums linke Defensivseite mit Sidney Sam, der bis zu seiner frühen Auswechslung keinen Fuß, ja nicht einmal einen kleinen Zeh auf den Rasen bekam, Timo Perthel und Maxim Leitsch war schlicht überfordert.

Bochum hatte Glück, dass der Kopfball von Dovedan erst von Riemann pariert und dann in höchster Not von Toto Losilla von der Linie gekratzt wurde. Nach weiteren Fahrlässigkeiten passierte es: Einen Pass in die Tiefe erlief von der Mittellinie weg Dovedan. Leitsch rutschte aus, es gab keine Absicherung mehr, Sam kam nicht mehr hinterher, und Nikola Dovedan blieb vor Torwart Riemann souverän. 1:0, überfällig schon nach elf Minuten.

Weiter ging es Richtung VfL-Tor. Thiel verzog (14.), und Losilla musste ein Foul ziehen, um einen Konter zu unterbinden - eine Gelbe Karte mit Folgen. Losilla wurde damit später das Opfer der Schludrigkeit seiner Kollegen.

Doch der VfL hat schon öfter bewiesen, dass er individuelle Qualität hat. Nach einem allerersten harmlosen Warnschuss von Perthel auf das FCH-Tor (20.) stand es plötzlich 1:1 nach einem endlich mal mustergültigen Spielzug (21.). Tim Hoogland schickte den starken Stefano Celozzi auf der rechten Seite, der hob den Kopf, legte zurück Richtung Elfmeterpunkt, wo der heranrauschende Hinterseer im Stile eines Klasse-Sürmers vollstreckte.

1:1 - Bochum brutal effektiv.

Der VfL war jetzt in der Voith-Arena angekommen, und es kam noch besser: Einen langen Ball von Torwart Riemann nahm der starke Hinterseer im FCH-Strafraum gekonnt mit dem Knie mit, der aufgerückte Hoogland spitzelte die Kugel an den verdutzten Heidenheimern vorbei. Der Ball trudelte wie in Zeitlupe ins rechte Eck. Ein kurioser Treffer - die 2:1-Führung für den VfL (31.).

Doch kurz darauf sah Losilla nach einer Grätsche gegen Griesbeck im Mittelfeld die Gelb-Rote Karte. Eine Stunde lang musste der VfL in Unterzahl auskommen. Trainer Dutt nahm folgerichtig Sam vom Feld, Sechser Vitaly Janelt kam, Bochum spielte fortan im 4-4-1 mit Lee und Weilandt auf den Außenbahnen. Bis zur Pause kam nur Schnatterer, unglücklich bedient von Bochums Perthel, zum Abschluss, der Ball zischte aber knapp vorbei (40.).

Nach dem Wechsel stand der VfL kompakt, ließ den Ball sicherer laufen, wenngleich Heidenheim natürlich viel Ballbesitz hatte. Eine Lücke in den engmaschigen, diszipliniert agierenden Ketten aber fand der bemühte FCH nur noch selten. So in Minute 51, als Glatzels Versuch bei Riemann endete (51.) und ein Kopfball des eingewechselten Thomalla übers Tor flog (63.). Hinterseer, der sich auch defensiv verausgabte, mühte sich um Entlastung.

Heidenheim gingen die Ideen aus - und Bochum hätte alles klar machen können. Erst scheiterte der gerade für Weilandt eingewechselte Jan Gyamerah an Torwart Kevin Müller, dann hatte Celozzi Riesenpech: Sein fantastischer Volleyschuss krachte an den Pfosten (74./75.).

Ausgerechnet in dieser Phase schlug der FCH dann doch zu: Eine lange Flanke von Marnon Busch köpfte Robert Glatzel ins Netz. 2:2, 77. Minute. Es kam noch dicker: Nach einem Tesche-Foul gab es Freistoß für den FCH, 18 Meter vor dem Tor, zentrale Position. Ein Fall für Schnatterer. Und der 32-Jährige zirkelte den Ball unhaltbar in den rechten Winkel, wie es auf dem Niveau nur wenige können (84.).

Dutt riskierte alles, brachte Ganvoula für Tesche, aber es blieb bei der bitteren Niederlage.

 
 

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