Raus mit Applaus

Bayern-Jubel, Bochumer Verzweiflung: Slawo Freier (re.) nach dem späten 1:2. Foto: AP Photo/Martin Meissner
Bayern-Jubel, Bochumer Verzweiflung: Slawo Freier (re.) nach dem späten 1:2. Foto: AP Photo/Martin Meissner
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Nach einem packenden Pokalkampf verlor der VfL Bochum das Achtelfinale durch ein Tor von Arjen Robben in der Nachspielzeit mit 1:2 (1:0) gegen den FC Bayern München - und verabschiedete sich damit erhobenen Hauptes aus dem Fußball-Jahr.

Bochum.. Sie haben nicht zu viel versprochen. Einen „richtigen Pokalkampf“ wollte der VfL Bochum dem übermächtigen FC Bayern München liefern, am Ende fehlten nur ein paar Sekunden, und das Starensemble aus München hätte in die Verlängerung gemusst. Geknickt, aber erhobenen Hauptes verabschiedete sich der VfL nach der 1:2-Niederlage aus dem DFB-Pokal und von diesem Fußball-Jahr. „Ich bin ganz stolz auf die Mannschaft. Wir haben gut verteidigt, uns aber nicht eingemauert. Das Team findet auf dem Platz seine Identität“, sagte Sportvorstand Jens Todt.

Mehr als nur ein Hauch Erstliga-Fußball wehte durchs ausverkaufte rewirpower-Stadion. VfL-Trainer Andreas Bergmann hatte mutigen Fußball angekündigt, auch auf die Gefahr hin, eine derbe Schlappe zu kassieren. Und Jupp Heynckes, sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League auf dem Weg des Erfolges, sprach von den Bayern-Ambitionen und annoncierte „volle Attacke“. Allerdings ließ Heynckes Mario Gomez, der die Münchener Attacken in der Regel vergoldet und der in diesem Jahr bereits 43 Tore erzielt hatte, erst einmal auf der Reservebank, ebenso wie den angeschlagenen Thomas Müller. Der VfL setzte dagegen auf seine seit drei Spielen ungeschlagene Mannschaft, weil auch Faton Toski zur Verfügung stand.

Die Gastgeber mussten zwar dem Rekordmeister weitgehend das Spiel überlassen, wie nicht anders zu erwarten war, begannen aber ähnlich konzentriert und engagiert wie gegen Fortuna Düsseldorf. Es gelang sogar, Arjen Robben über weite Strecken aus dem Spiel zu nehmen, während Franck Ribery und Philipp Lahm auf der linken Seite unaufhörlich versuchten, Druck zu entwickeln.

VfL Bochum suchte seine Chancen

Doch weil die Gastgeber motiviert bis in die Haarspitzen waren, hatten die Bayern Mühe zum Abschluss zu kommen. Der VfL beschränkte sich jedoch nicht darauf, das Spiel der Bayern im Keim zu ersticken, sondern suchte seine Chancen und fand sie auch: Christoph Kramer brachte nach Toskis Freistoß aber nicht mehr so richtig den Kopf hinter den Ball, Manuel Neuer hatte keine Probleme. Die Bochumer ließen nicht locker, immer wieder setzten sie gegen die oft weit aufgerückte Bayern-Defensive Nadelstiche. Herausragend, wie Mirkan Aydin und Chong Tese sich in der Offensive wehrten und oft den Ball behaupteten. Aydin, von Takashi Inui steil geschickt, war es auch, der die Hoffnungen der Bochumer Fans auf eine Pokalsensation beflügelte mit seinem Pass durch den Bayern-Strafraum. Hinten lauerte Giovanni Federico, der nur noch einzuschieben brauchte. Der Zweitligist führte, die Stimmung war blendend.

Die Bayern verschärften die Gangart, kamen jedoch bis auf einen Robben-Kopfball zu keinen klaren Tormöglichkeiten. Der holländische Superstar zog sich anschließend den Unmut der VfL-Fans zu, als er eine mit Gelb geahndete Schwalbe fabrizierte. Robbens spürbare Unzufriedenheit wäre wohl noch größer gewesen, hätte Federico nicht nach einer halben Stunde den frei stehenden Inui übersehen und es stattdessen mit einem Distanzschuss versucht. Es blieb zur Pause bei der knappen Führung.

Kroos schob cool zum Ausgleich ein

Die Bayern kamen aus der Kabine wie ein Überfallkommando. Andreas Bergmann hatte umstellen müssen, für den angeschlagenen Toski wechselte Björn Kopplin auf die linke Seite, Slawo Freier verteidigte nun rechts. Genau dort wurde der Druck der Münchener allmählich übergroß. Ribery prüfte VfL-Schlussmann Andreas Luthe, Jerome Boateng köpfte auf die Latte - und schließlich war es passiert: Mario Gomez, für Ivica Olic eingewechselt, spielte Doppelpass mit dem starken Toni Kroos, der cool zum 1:1 einschob.

Die Hausherren ließen sich davon jedoch nicht unterkriegen und bissen sich wieder ins Spiel, so lange die Kraft reichte. Zerfahren wirkte nun mitunter das Spiel der Bayern, den Angriffen der Bochumer fehlte allerdings auch die letzte Konsequenz. Tese, Kramer und andere liefen auf Reserve, der Abpfiff und damit die Verlängerung waren nur noch eine Angelegenheit von Sekunden, da schlugen die Bayern zu. Christoph Dabrowskis Seitenwechsel brachte Lahm ins Spiel, Ribery hatte alle Freiheiten, Robben, ausgerechnet Robben, schob ein zum 2:1. Und der Bochumer Traum war ausgeträumt. „Ihr habt gekämpft, wir haben’s gesehen“, riefen die Fans. Der VfL war raus - mit Applaus.

 
 

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