Peter Neururer und der VfL sind in Aalen zum Erfolg verdammt

Michael Eckardt
Versteht mitunter die Welt nicht mehr: Peter Neururer während der Partie gegen Fürth.
Versteht mitunter die Welt nicht mehr: Peter Neururer während der Partie gegen Fürth.
Foto: Udo Kreikenbohm
Nach der hilflosen Vorstellung des VfL Bochum spürt Trainer Peter Neururer, dass seine Position bedroht ist. „Es gibt keinen Trainer auf dieser Welt, der mehr daraus machen kann“, sagt er und meint damit seine limitierte Mannschaft. Beide, Trainer und Team, sind am Freitag in Aalen zum Erfolg verdammt.

Bochum. Es ist mal wieder ungemütlich geworden in Bochum.

Auf den Tribünen wurde er zwar noch nicht haftbar gemacht für die Talfahrt des VfL Bochum Richtung Dritte Liga, aber nach der vor allem Hilflosig- und Kraftlosigkeit signalisierenden Vorstellung gegen Fürth dürften nicht mehr viele Zeitgenossen daran glauben, dass Peter Neururer, der Retter von gestern, auch der richtige Mann für heute und morgen ist. Ein alter Fahrensmann wie Neururer spürt das natürlich, spürt, dass seine Position bedroht ist. Und er reagiert, zum Beispiel mit diesem Satz: „Esgibt keinen Trainer auf dieser Welt, der daraus mehr machen kann.“

Neururer spricht damit über die limitierte Qualität seiner Mannschaft, er glaubt zwar nach wie vor, dass diese Qualität grundsätzlich für Rang acht bis zwölf in der Zweiten Bundesliga reicht, aber um das zu realisieren müsste schon viel passen beim VfL, bei den einzelnen Spielern, beim Schiedsrichter und so weiter. Man könnte es auch anders, kürzer sagen: Freistöße aus zentraler Position wären den Gegnern in diesem Fall streng verboten.

Neururer räumt Fehler ein

Peter Neururer räumt einen Fehler ein. Nach dem Hinspiel in Fürth, nach dem 2:0-Erfolg dort, immerhin bei einem ambitionierten Bundesliga-Absteiger, „haben wir uns allesamt höher gesehen“, sagt er. Das stimmt, und das gilt ja auch gleichermaßen für Journalisten wie für Fans, die nach kargen Fußball-Jahren auf allmähliche Erholung hoffen. Der Unterschied zwischen den genannten Gruppen ist aber der: Das Trainerteam sieht die Spieler täglich bei der Arbeit, es muss deshalb zwangsläufig über ein anderes, ein fundiertes Urteilsvermögen verfügen, es muss die Leistungen der Mannschaft besser einordnen können.

Nun gut, darum geht es längst nicht mehr. Die Frage lautet: Ist diese Mannschaft - gemeinsam mit diesem Trainer - in der Lage, noch einmal in letzter Sekunde die Kurve zu kriegen und die Klasse zu halten? Der Fußball des VfL ist insgesamt so bieder, einfallslos und wenig filigran, daran wird sich so schnell nichts ändern lassen. Und die Standardsituationen, mit deren Hilfe Peter Neururer ja vor einem Jahr die Wende hinbekam, funktionieren nicht oft genug. Was also bleibt?

Lob für den Charakter des Teams

Die Mannschaft verfüge „nicht über die großen Fähigkeiten“, sagt der VfL-Trainer, „aber vom Charakter her passt es“, da ist er sich sicher. Jetzt, in dieser Situation, müsse man nicht mehr groß über Systeme und Taktik reden, vielmehr müssten die Spieler „Verantwortung übernehmen“ - für den „Zweikampf“ und für den „Gegenspieler“.

Auch deshalb hofft er am Freitag auf Slawo Freier. Holmar Eyjolfsson, einer von mehreren oft überforderten Aushilfsaußenverteidigern, ist in Aalen gesperrt. Beim 0:2 gegen Fürth saß erstmals A-Junior Lukas Klostermann auf der Reservebank der Profis, vielleicht fährt Klostermann mit nach Baden-Württemberg. Ziemlich sicher dabei sein wird Felix Bastians, der gestern bereits wieder trainieren konnte, trotz seiner Pollen-Allergie. Ob es was hilft?