Neururer setzt sich beim VfL Bochum selbst unter Druck

Michael Eckardt
Im Kreise seiner Lieben: Peter Neururer und die Spieler nach dem Auftakterfolg in Berlin.
Im Kreise seiner Lieben: Peter Neururer und die Spieler nach dem Auftakterfolg in Berlin.
Foto: dpa
Vor dem Spiel bei Fortuna Düsseldorf am Sonntag schwärmt Peter Neururer von seiner Mannschaft. „Der VfL verliert nicht mehr“, sagt Bochums Trainer. „Wenn, dann verliere ich.“ Das ist einerseits eine mutige Aussage − und andererseits ein Vertrauensvorschuss für seine Spieler.

Bochum. Ängstlichkeit konnte man Peter Neururer noch nie vorwerfen, und dabei wird es wohl in diesem Leben auch bleiben. Neuestes Beispiel: seine ausführliche Lobeshymne auf die Mannschaft. Neururer am Mittwoch: „Wir sind richtig gut aufgestellt, haben Qualität im Kader, Variationsmöglichkeiten sind gegeben. Besser geht’s nicht.“

Vier Tage vor dem wichtigen Auftritt des VfL Bochum in Düsseldorf (13.30 Uhr/live in unserem Ticker) schwärmte der 58-Jährige von seinem Team und der im Vorfeld dieser Saison geleisteten Arbeit und setzte sich selbst bewusst mit diesem Satz unter Druck: „Der VfL verliert nicht mehr. Wenn, dann verliere ich.“ Heißt: Dauerhafter Misserfolg in der Zukunft könne nicht mit der Zusammenstellung dieser Mannschaft begründet und erklärt werden, sondern allenfalls mit falschen Trainerentscheidungen. Das ist einerseits mutig, andererseits eine Art Blankoscheck für die Spieler und ein erheblicher Vertrauensvorschuss.

Gute personelle Situation beim VfL

„Es ist selten, dass man als Trainer zufrieden ist“, fuhr Neururer fort, „aber ich bin es“. Seine Laune in schwindelnde Höhen getrieben haben dürfte die gute personelle Situation derzeit. Denn nicht nur Heiko Butscher und Christian Tiffert sind wieder fit und bereit für Düsseldorf, mit Adnan Zahirovic heizt ab sofort ein weiterer Akteur die interne Konkurrenz um die allmählich rar werdenden Plätze im Team und auf der Reservebank an. Neururer sprach davon, dass er aus einem „vollen, sprudelnden Brunnen“ schöpfen kann. Nur Felix Bastians und Jan Gyamerah fehlen zurzeit.

Zahirovic, das kann man im Trainingsspiel gut erkennen, ist im defensiven Zweikampf herausragend. Das ist natürlich auch Peter Neururer nicht verborgen geblieben, der sich allerdings fragt: „Für wen soll Zahirovic kommen? Es läuft ja alles.“ Um dann noch von einer „exklusiv besetzten Bank“ zu sprechen.

Neururer verweist auf die Einstellung

Wer dort „exklusiv“ sitzen wird am Sonntag und wer der Fortuna auf dem Rasen den Saisonstart so richtig versauen soll, ist noch nicht raus. „Wir haben im Moment alle Möglichkeiten“, sagte Neururer und betonte, dass oft „die Einstellung wichtiger ist als die Aufstellung“. Man werde in den nächsten Tagen „alle Möglichkeiten durchspielen“.

Der Verweis auf die Einstellung kam nicht von ungefähr, denn es gibt ja immerhin noch einen Gegner, und der sei keineswegs schlechter besetzt als der VfL, meinte Neururer, der wenig auf die bisherigen Ergebnisse der Fortuna gibt. Gegen die Münchener „Löwen“ seien die Düsseldorfer die „absolut dominierende Mannschaft“ gewesen, „da stimmte alles im Spiel“; nur halt das Resultat nicht. Außerdem könne er sich „nicht vorstellen“, dass, wie Mike Büskens seinem Team zuletzt vorgeworfen hat, die Einstellung erneut nicht stimmen werde.

Wer die Atmosphäre in Düsseldorf kennt, wird ihm zustimmen.