Bochum

Nach Kiel-Pleite: VfL-Vorstand Engelbracht blickt nach vorn

VfL-Vorstand Wilken Engelbracht
VfL-Vorstand Wilken Engelbracht
Foto: firo Sportphoto / Ralf Ibing

Bochum.  Bereits am Sonntag hatte Wilken Engelbracht den Blick wieder streng nach vorne gerichtet. Freilich, die Enttäuschung über die 0:3 (0:2)-Niederlage bei Aufsteiger Holstein Kiel hallte auch beim Finanzvorstand noch nach. Doch bereits am kommenden Samstag steht beim VfL Bochum der nächste extrem wichtige Termin ins Haus.

Denn dann werden die stimmberechtigten Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung darüber entscheiden, ob der Verein die Abteilung Profifußball in eine Kapitalgesellschaft umwandeln kann. Eine langfristiger, strategischer Entschluss. Der letzte sportliche Eindruck vor dieser historischen Entscheidung: die dramatisch schlechte Leistung in Kiel.

Keine Auswirkungen auf die Versammlung?

Engelbracht glaubt trotzdem daran, dass das in der Fördestadt Erlebte keine Auswirkungen auf die Haltung der Mitglieder bei der Versammlung haben wird: „Ich gehe davon aus, dass unsere stimmberechtigten Mitglieder ihre verständliche Enttäuschung von ihrer Haltung zu einer langfristigen strategischen Entscheidung, die am Samstag getroffen wird, trennen werden“, glaubt der Finanzvorstand.

Szenenwechsel: Samstag, etwa 15.20 Uhr, Holstein-Stadion in Kiel. Vor dem Gästeblock steht Manuel Riemann. Er gestikuliert wild – es ist davon auszugehen, dass er von einigen VfL-Fans provoziert wurde. Denn offenbar hatten ihn die eigenen Anhänger als Sündenbock für die Pleite bei den Störchen ausgemacht. Der Grund: Sein Patzer in der 22. Minute, als er einen Rückpass von Danilo Soares ins eigene Tor lenkte. Eine Slapstick-Einlage!

Diese Niederlage nagt an den Nerven

Dass Riemann, der grundsätzlich kein Problem mit konstruktiver Kritik hat und sich für gewöhnlich auch nach den gröbsten Patzern bereitwillig vor die Mikrofone und vor die eigenen Fans stellt, so aus der Haut fuhr, hat einen Grund: Die Pleite in der Fördestadt nagt an den Nerven der Bochumer. Allen voran an denen von Trainer Ismail Atalan, der seinen Torhüter unterschwellig aus der Schussbahn nahm und sich die Schuld für die Niederlage gab.

„Ich übernehme die Verantwortung“, sagte der 37 Jahre alte Fußballlehrer. Er habe die Mannschaft falsch auf- und eingestellt, hatte demnach schwerwiegende Fehler gemacht. Doch Atalans Aussage konnte mit dem nachhaltigen Eindruck der Bilder von Riemanns Patzer nicht mithalten. Es hatte sich ins Bewusstsein gebrannt, dass der Torhüter die Hauptschuld an der Niederlage trug.

Während so ein Malheur passieren kann – aber auf gar keinen Fall ein zweites Mal passieren darf –, war unerklärlich, warum sich der VfL von dem 0:1 derart beirren ließ. Die Bochumer fanden danach überhaupt keinen Zugriff mehr auf den Gegner und das Spiel. „Bis zur 20. Minute haben wir ein ganz ordentliches Spiel abgeliefert“, befand VfL-Trainer Atalan. Danach: ging nichts mehr. Gar nichts.

Wurtz sieht noch die Gelb-Rote Karte

Rafael Czichos erzielte nach einer verlängerten Ecke das 2:0 für Kiel (42.), bis zur Pause hätten die Störche höher führen können. Dominick Drexler machte in der 68. Minute das 3:0 perfekt. Kurz darauf flog der erneut enttäuschende Angreifer Johannes Wurtz mit Gelb-Rot vom Platz (71.) – damit war der grausame Nachmittag perfekt.

Und Riemann? Der stellte sich nach dem Spiel auskunftsbereit vor die Medienvertreter. Wie er es eben immer tut, wenn er einen Fehler macht. Obwohl er so eine Situation im Profifußball noch nie erlebt hatte: „Ich habe es so noch nicht gesehen. Bei mir passiert es halt. Jetzt muss ich den Kopf hochnehmen“, sagte der 29-Jährige. „Was soll ich auch anderes machen?“

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