Luthe auf dem Rückzug - VfL-Kapitän entschuldigt sich bei Villis

Michael Eckardt
„Ich habe nicht das Recht, die Vereinsverantwortlichen öffentlich zu kritisieren": Andreas Luthe entschuldigte sich bei Hans-Peter Villis.
„Ich habe nicht das Recht, die Vereinsverantwortlichen öffentlich zu kritisieren": Andreas Luthe entschuldigte sich bei Hans-Peter Villis.
Foto: Udo Kreikenbohm
VfL-Kapitän Andreas Luthe entschuldigt sich bei Aufsichtsrats-Chef Villis für seine Kritik. Derweil stärkt Neururer seinem Torwart den Rücken.

Bochum. Da scheint Sportvorstand Christian Hochstätter doch ein paar ernste und eindringliche Worte gefunden zu haben. Jedenfalls hat VfL-Kapitän Andreas Luthe nach seiner kernigen Kritik an Aufsichtsrats-Chef Hans-Peter Villis am Montag verbal den Rückzug angetreten. „Ich habe nicht das Recht, die Vereinsverantwortlichen öffentlich zu kritisieren. Das steht mir nicht zu. Ich habe mich bei Herrn Villis entschuldigt.“ So wird Luthe, der seine „Wortwahl“ außerdem als „nicht glücklich“ bezeichnet, auf der Homepage des VfL Bochum zitiert.

Dass Luthes Replik auf Villis’ Vorwurf, er habe in Ingolstadt auf Seiten der Bochumer Mannschaft keine Leistung und keinen Charakter gesehen, nicht folgenlos bleiben würde, damit war zu rechnen gewesen. Für Villis selbst war nach eigener Aussage vom Sonntag die Angelegenheit zwar nach einem Gespräch mit dem Torhüter bereits vor der samstaglichen Weihnachtsfeier „erledigt“, der Verein als Institution jedoch konnte es wohl nicht auf sich beruhen lassen. Also musste Hochstätter ran.

Während Andreas Luthe zum Rapport beim Vorstand antrat, stärkte ihm allerdings ein paar Etagen unterhalb der Vorstandsebene Peter Neururer den Rücken. „Hundertprozentig unterstütze“ er die Aussage Luthes, sagte der VfL-Trainer und fügte hinzu: „Wir brauchen nicht jemanden, der nur die Binde spazieren führt.“ Womit gleich die nächste Runde des Wettrüstens eingeläutet worden war.

Wenig Einvernehmlichkeit bei Vorstand, Aufsichtsrat und Trainer

Ob die Konfrontation nun so weit voran getrieben wird, bis einer Seite der Geduldsfaden reißt und einen - womöglich kostspieligen - Schlussstrich zieht, ist die spannende Frage. An ein entspanntes, einvernehmliches und teamorientiertes Arbeiten von Vorstand, Aufsichtsrat und Trainer mag inzwischen aber wohl nur noch glauben, wer in zwei Wochen mit vor Aufregung roten Wangen den Weihnachtsmann am heimischen Kamin erwartet.

Ob sich die andauernden Querelen nun konkret auf die sportlichen Leistungen auswirken werden, ist ebenfalls fraglich. Schließlich hat sich Andreas Luthe, wenn auch sehr rustikal und zudem in der Öffentlichkeit, inhaltlich lediglich vor die Mannschaft gestellt. Genau das sollte ein Kapitän auch tun, allerdings intern und - im besten Fall - mit einer moderaten Wortwahl.

Und so besteht die Gefahr, dass der Sport in den Hintergrund gerät. Was ungute folgen haben könnte. Am Freitag geht es zum oft belächelten SV Sandhausen, der sich auch in dieser Saison wieder nach Kräften wehrt gegen den Abstieg und der nach dem Überraschungs-Coup in Düsseldorf psychologisch im Vorteil sein dürfte.