Klassentreffen der Revier-Heroen

Peter Peschel und Mirko Dickhaut bejubeln den 5:3-Erfolg gegen Trabzonspor. Foto: imago
Peter Peschel und Mirko Dickhaut bejubeln den 5:3-Erfolg gegen Trabzonspor. Foto: imago

Bochum. Schauen wir sie uns also noch einmal an, die Heroen von damals. International top waren sie 1998, die Nachbarn. Und während die Borussen dem Champions League-Sieg zustrebten und die Schalker „Eurofighter“ dem Gewinn des Uefa-Cup, schauten die Bochumer mit immer noch verklärtem Blick zurück auf den vielleicht schönsten Spätherbst ihrer Vereinsgeschichte. Drei Runden im Uefa-Cup, das hat es seither nicht mehr gegeben. Am Sonntag wollen viele der damaligen Spieler die auch sie irgendwann einmal fesselnde Schwerkraft noch einmal ansatzweise überwinden und ab 15 Uhr einen späten und doch ultimativen Sieger ausspielen in diesem Revier-Dreieck der kurzen Wege.

Mindestens so wichtig wie das Wiedersehen alter Rivalen ist jedoch der gute Zweck. Der Erlös des Nachmittags geht an die Aktion „Deutschland Hilft“, worüber sich Atsuto Uchida (Schalke), Shinji Kagawa (BVB) und Chong Tese (VfL) besonders freuen werden. Alle drei aktuellen Revier-Kicker sind in Japan aufgewachsen, dort leben ihre Familien und ihre Freunde. Und dort soll das in Bochum eingesammelte Geld Not lindern.

Es wird so etwas wie ein Klassen-, nein ein Stufentreffen im rewirpower-Stadion, das damals noch Ruhrstadion hieß. Und es gab Verbindungen. Tomasz Waldoch wechselte von Bochum nach Schalke, Torsten Kracht wollten die Dortmunder, die später Delron Buckley bekamen. Buckley spielt heute immer noch (für den KSC), Kracht verdient in Leipzig Geld mit noblen Immobilien, Waldoch ist Fußball-Lehrer und war für kurze Zeit Manager bei Gornik Zabrze. Sein Sohn Kamil spielt übrigens für die Schalker U19. Dort ist auch Frank Fahrenhorst gelandet, der bis Ende dieser Saison als „Seniorchef“ und Profi-Notstopfen der Schalker U23 angehört.

Mit Thomas Ernst, Dariusz Wosz und Thomas Reis sind drei der Europapokal-Helden immer noch oder besser wieder beim VfL beschäftigt. Andere, wie Axel Sundermann, Peter Közle, Thomas Stickroth und Olaf Schreiber, sind in der Stadt oder in der Region hängen geblieben, wollen nicht mehr weg.

Weil die Bochumer zurzeit vermutlich die stärkste Altherrenmannschaft Deutschlands stellen und Fahrenhorst noch Regionalliga spielt, dürften die anderen beiden Mannschaften einen schweren Stand haben. Was aber eigentlich nicht wichtig ist, denn Stephane Chapuisat noch einmal zu sehen oder Karl-Heinz Riedle, Flemming Poulsen, Michael „Susi“ Zorc und Knut Reinhardt, der heute Grundschüler unterrichtet, frischt Erinnerungen auf.

Auf Schalker Seite kann Mike Büskens Mirko Reichel aus Fürth mitbringen. Büskens ist dort Trainer, Reichel Teambetreuer, in Bochum werden sie sich gegenüber stehen. Auch Ingo Anderbrügge, Martin Max und Andreas Müller sind angekündigt.

Vermutlich wird alle wieder der Ehrgeiz packen, wenn der Ball rollt, aber auf einer anderen als der existenziellen Ebene. Die Jungs haben ja schon bewiesen, dass sie es können; nicht zuletzt 97’/98’.

 
 

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