Bochum

Funkel will beim VfL Bochum „einiges verändern“

VfL-Trainer Friedhelm Funkel hinkt mit den Bochumern dem einstigen Stand bislang hinterher. Foto: Martin Rose/Getty Images
VfL-Trainer Friedhelm Funkel hinkt mit den Bochumern dem einstigen Stand bislang hinterher. Foto: Martin Rose/Getty Images

Bochum. Auf der Basis von Stabilität und Verlässlichkeit wollte man beim VfL die Dinge vorantreiben, Gutes bewahren und Schlechtes verbessern. Und nun? Nach dem unverschämten Glück von Rostock bleibt nur das Eingeständnis von Friedhelm Funkel, der einstigen Homogenität und Kompaktheit meilenweit hinterher zu hinken.

Ein Kollege, der erkennbar betroffen war, fühlte sich an Ingolstadt erinnert, an diesen negativen Ausreißer der vergangenen Rückrunde, als dem VfL Bochum rein gar nichts gelingen wollte und dem Gegner zwar nicht alles, aber vieles. Vergleichsweise, vom Ergebnis her gesehen, war das 0:0 des VfL in Rostock geradezu ein Fortschritt.

Das Problem ist: Es glauben nach drei Ligaspielen und einer Pokalpartie nicht mehr viele an das Phänomen Ausreißer, den man tolerieren kann und muss, wenn eine Mannschaft zuvor über Wochen und Monate hinweg funktioniert und eine Struktur gefunden hat, mit der sie erfolgreich sein kann. Und das war der VfL über weite Strecken der letzten Spielzeit, den nicht wenigen Systemkritikern zum Trotz. Nach dem verkorksten ersten Saisondrittel hat es irgendwann (wenn auch nicht allen Kritikern) gepasst: Die Defensive stabilisierte sich, alle Spieler und Mannschaftsteile arbeiteten gut und gemeinsam gegen den Ball, die Ballzirkulation klappte, Motivation und Fitness stimmten; man ließ nicht locker und erzwang oft in den Schlussminuten die Entscheidung. Dass dabei keine rauschhaften Fußballhöhepunkte für die Ewigkeit entstanden, geschenkt. Wer kreiert die schon?

Funkel ist ein Suchender

Auf der Basis von Stabilität und Verlässlichkeit wollte man beim VfL die Dinge vorantreiben, Gutes bewahren und Schlechtes verbessern. Und nun? Nach dem unverschämten Glück von Rostock bleibt nur das Eingeständnis von Friedhelm Funkel, der einstigen Homogenität und Kompaktheit meilenweit hinterher zu hinken („Da sind wir noch nicht“). Und weil Funkel ein ehrlicher Mensch ist, gesteht er auch noch ein, selbst ein Suchender zu sein. Warum also ist es wie es ist? „Das weiß ich auch nicht.“

Aber es gibt Indizien, jedenfalls was die Offensive angeht. Nicht die angeblich zu stattliche Anzahl von zentralen Defensiv-Spielern im Mittelfeld ist ja neu, sondern die Flügel sind es. Mimoun Azaouagh und Ümit Korkmaz brachten nach der Winterpause die nötige Portion Unberechenbarkeit und Dynamik in ein Team, das ohne diese beiden kurz vor der Grenzüberschreitung von stabil zu starr stand. Warum man bislang den Hektiker Korkmaz, der trotz seiner Dickköpfigkeit jederzeit für eine entscheidende Aktion gut war, nicht adäquat ersetzt hat, bleibt ein Rätsel. Schaut man weiter auf die Flügel, so fällt auf, dass in Rostock ja nicht nur der wieder in Frankfurt weilende Korkmaz und der verletzte Azaouagh schmerzlich vermisst wurden, sondern auch Slawo Freier, der anstelle des verletzten Björn Kopplin verteidigen musste.

In dem bevorzugten System mit einer Spitze ist es aber zwingend erforderlich, dass die Flügelspieler immer wieder selbst mit Tempo an und in den Strafraum gehen. Geschieht das derzeit? Das Experiment mit Giovanni Federico auf dieser Position ist bereits vor einem Jahr gescheitert, auf weitere Versuche legt eigentlich niemand Wert. Denis Berger ist augenscheinlich überfordert und kann nicht leisten, was gefordert ist, und der blutjunge Oguzhan Kefkir kann nur dann eine Option sein, wenn um ihn herum alles funktioniert. Kefkir wurde am Montag weder im Rostocker Strafraum gesichtet, noch an der gegnerischen Torauslinie.

Inui spielt wahrscheinlich gegen St. Pauli

Zwei lahm gelegte Flügel und ein zentrales Mittelfeld, dem jegliche Torgefahr abzugehen scheint - was bleibt da noch übrig? Ein armer Wurm im so genannten Sturm. Ein unfreiwilliger Solist, der nichts erhoffen und noch weniger erwarten darf. Oder doch? „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Takashi Inui gegen St. Pauli spielt“, sagte Friedhelm Funkel und kündigte an, dass er vor der Begegnung mit dem Erstliga-Absteiger am Freitag „einiges verändern“ werde. Nach nur einem Treffer in nun drei Liga-Spielen nicht weiter verwunderlich.

Und die andere Baustelle, die viel „zu vielen Fehler“ in der Defensive, wo man sich in der Phase der größten Konfusion beinahe gegenseitig über den Haufen gerannt hätte im Ostseestadion? Dort sieht der erneut glänzende Schlussmann Andreas Luthe das „größte Verbesserungspotenzial“. Die Frage drängt sich auf: Ist das nun gut oder schlecht?

 
 

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