Der VfL Bochum rannte blindlings ins Verderben

Michael Eckardt

Bochum. Wohl keiner der bisherigen fünf Abstiege war so verdient wie dieser. Wer nach elf sieglosen Spielen noch die Chance erhält, um den Klassenerhalt spielen zu dürfen, sollte ob dieser Gnade mehr als eine Kerze in der Kirche anzünden. Er sollte dann auch in der Lage sein, sich zusammen zu reißen, die Nerven zu bewahren und, wie es sich für Profis gehört, dagegen zu halten. Ob es am Ende reicht, steht auf einem anderen Blatt.

Doch die aktuelle Mannschaft des VfL Bochum hat all’ das am Samstag nicht leisten können. Blindlings rannte man nach vorne, nahezu jeder Konter der Niedersachsen saß. Alle vor dem Ball, keiner arbeitet gegen ihn, die eigene Hälfte offen wie ein Scheunentor - das hat mit Bundesliga nichts zu tun.

Der Hühnerhaufen namens VfL Bochum war eigentlich bereits nach zehn Minuten abgestiegen. Da hatte Arnold Bruggink in seinem wohl letzten Spiel für Hannover mit seinem Tor den Grundstein dafür gelegt, dass die Gäste nach einer miserablen Spielzeit mit einem blauen Auge davon kamen. Die Vorarbeit hatte Hanno Balitsch geleistet, es war die erste Szene, in der die Defensive der Bochumer die Orientierung verlor und man den Eindruck gewinnen konnte, die Hausherren würden ohne defensives Mittelfeld antreten. Am VfL-Strafraum konnte Hannover jedenfalls nach Herzenslust schalten und walten.

Konzentriert und effektiv präsentierte sich der Gegner, der offensichtlich wusste, was auf dem Spiel stand. Wieder einmal landete der zweite Ball bei den Gästen, Mavrajs Querschläger nutzte Mike Hanke - 0:2. Die Sache hatte sich erledigt, alle Unterstützung der Fans, die viel hatten schlucken müssen in den letzten Monaten, war verpufft.

Nach dem 0:3, Vorruheständler Slawo Freier hatte den Ball an Manuel Schmiedebach verloren und Sergio Pinto damit freien Zugang zum Bochumer Tor eröffnet, glaubten auch die VfL-Anhänger nicht mehr an das Wunder. Allerdings hatten sie auch nicht das „Trainingsspiel“ verdient, das sie geboten bekamen. Wosz stärkte die Offensive, indem er auf eine Dreier-Abwehrkette umstellte, aber Hannover hatte weiterhin keine Mühe, die kläglichen Angriffsbemühungen des VfL zu kontrollieren. Und wenn mal einer, wie Anthar Yahia, die Chance bekam zu verkürzen, war da ja immer noch 96-Torwart Florian Fromlowitz.