Bochumer Jubel in Ingolstadt kannte keine Grenzen

Michael Eckardt
Bochums Takashi Inui (v.r.) jubelt mit Daniel Ginczek und Paul Freier über seinen Treffer zum 5:3-Endstand. Der VfL feierte in Ingolstadt seinen dritten Saisonsieg. (Foto: dapd)
Bochums Takashi Inui (v.r.) jubelt mit Daniel Ginczek und Paul Freier über seinen Treffer zum 5:3-Endstand. Der VfL feierte in Ingolstadt seinen dritten Saisonsieg. (Foto: dapd)
War das der Befreiungsschlag, auf den alle gewartet haben? Der VfL Bochum drehte in Ingolstadt ein bereits verloren geglaubtes Spiel und gewann trotz eines Zwei-Tore-Rückstandes noch mit 5:3. Mann des Tages war Chong Tese, der dreimal traf.

Ingolstadt. Wenn es mal schlecht läuft, dann aber richtig. Die Hoffnung von VfL-Trainer Andreas Bergmann, nach dem wichtigen 2:1-Erfolg gegen den MSV Duisburg mit dem Siegerteam auch in Ingolstadt antreten zu können, war schnell zerstört. Marcel Maltritz, mit seiner Erfahrung zuletzt eine Stütze des jungen Jonas Acquistapace, fuhr wegen eines eingeklemmten Brustwirbels erst gar nicht mit nach Bayern. Und dann fing sich Kapitän Christoph Dabrowski vor Ort auch noch einen Infekt ein, vermutlich eine Mandelentzündung. Dabrowski saß zwar im Audi Sportpark als 17. Bochumer Spieler auf der Reservebank, mit seinem Einsatz war aber an diesem wunderschönen Spätsommertag nicht wirklich zu rechnen. Eine echte Hiobsbotschaft, zumal ja auch Kevin Vogt und Lukas Sinkiewicz fehlten und die Mannschaft damit erheblich an Länge und Kopfballstärke einbüßte.

So bildeten, was wegen der anstehenden Länderspielpause wohl einmalig bleiben wird, Andreas Johansson und Acquistapace die Innenverteidigung, Björn Kopplin kehrte als Rechtsverteidiger in die Mannschaft zurück. Angesichts des Personalschwunds in der Defensive, wo ja auch Philipp Bönig und Matias Concha als mögliche Alternativen für die Flügel nicht zur Verfügung standen, setzte Bergmann auf Offensive - mit dem Angriffsduo Chong Tese und Takashi Inui sowie einer Mittelfeldraute, angeführt vom diesmal sehr fleißigen Giovanni Federico. Christoph Kramer sollte als einziger "Sechser" die Mitte dicht machen, unterstützt von Mimoun Azaouagh und Slawo Freier auf den Seiten.

Ingolstadts Trainer Benno Möhlmann hatte nach dem 1:4 in Paderborn Konsequenzen gezogen und seine Nummer eins auf die Bank gesetzt. Anstelle von Sascha Kirschstein hütete Ramazan Öczan, einst aus Hoffenheim gekommen, das Tor des FCI. Und Kapitän Stefan Leitl, der Tausendsassa, sollte als offensiver "Sechser" neben dem Ex-Bochumer Marvin Matip für schnelles Umschalten von Defensive auf Offensive garantieren.

Buddle traf doppelt

Eine Maßnahme, die funktionierte. Und auf der anderen Seite zeigte sich schnell, dass ohne eine stimmige Defensive Spielkunst rasch verpuffen kann. Bereits nach 20 Minuten führten die Gastgeber mit 2:0, weil Kopplin und Johansson nicht funktionierten. Immer wieder kamen die Ingolstädter mühelos über ihre linke Angriffsseite durch, meistens war von Kopplin weit und breit nichts zu sehen. Edson Buddle verschaffte das gleich zweimal Grund zum Torjubel, beim ersten Mal legte Johansson unfreiwillig auf, beim zweiten Mal spielte auch noch VfL-Schlussmann Andreas Luthe, der per Heber überwunden wurde, dem Angreifer des FCI in die Karten.

Das erste Tor jedoch hätte der VfL erzielen müssen, aber Azaouagh schloss nach wenigen Minuten einen exzellent gespielten Konter über Inui und Freier überhastet ab. Im Gegenzug vereitelte Luthe per Fußabwehr gegen Leitl den Einschlag, aber aufgeschoben ist nun einmal nicht aufgehoben, wie die folgenden Tore zeigten.

Etwas Positives gab es dennoch zu vermelden, denn trotz des Zwei-Tore-Rückstandes ergaben sich die Bochumer nicht in ihr Schicksal. Teilweise war das Offnsivspiel des VfL richtig gut anzuschauen, lediglich der Abschluss misslang immer wieder. So als Freier, von Tese angespielt, an Öczan scheiterte, oder als Federicos Kopfball knapp über das Ingolstädter Tor strich.

Tese fasste sich ein Herz

Dann jedoch platzte bei Tese der Knoten. Der Koreaner fasste sich ein Herz und knallte den Ball aus rund 20 Metern mit links entschlossen ins Netz. Es war sein erster Saisontreffer. Hoffnung keimte auf, allerdings nur für ein paar Minuten. Denn jetzt patzte auch die andere Bochumer Abwehrseite. Matthias Ostrzolek bekam Moritz Hartmann nicht in den Griff, Acquistapace war rausgerückt und stand anschließend falsch, Buddle ließ passieren und Andreas Buchner musste nur noch einschieben. Der Bochumer Strafraum war wieder einmal offen wie ein Scheunentor.

Aber immerhin bringt der VfL inzwischen wieder etwas nach vorne. Und die Geduld mit Chong Tese scheint sich auch auszuzahlen. Denn der koreanische Nationalspieler brachte den VfL mit seinem zweiten Treffer zurück ins Spiel, Kramer hatte ihn in die Tiefe geschickt. Es war bereits die dritte gute Torraumszene nach dem Seitenwechsel dieser für die Zuschauer sehenswerten und kurzweiligen Partie. Bereits kurz nach Wiederanpfiff vereitelte FCI-Torhüter Öczan nach Federicos Kopfball aus Nahdistanz den Anschlusstreffer der Bochumer, wenig später reagierte Luthe glänzend bei Hartmanns Versuch. Dann schlug Tese erneut zu, es wurde spannend.

Und der VfL blieb am Drücker. Freier hatte den Ausgleich auf dem Fuß, aber Öczan parierte abermals glänzend. Und dann kam der Joker und traf. Tese, der in Ingolstadt sein bestes Spiel seit fast einem Jahr ablieferte, steckte durch auf die Dortmunder Leihgabe - der VfL hatte knapp zehn Minuten vor dem Schlusspfiff den zweimaligen Zwei-Tore-Rückstand egalisiert und Moral bewiesen.

Bergmann lobte die Mannschaft

Ein Kraftakt, aber noch nicht das Ende aller Bochumer Träume. Gerade erst war Freier an Öczan gescheitert, da war Tese erneut zur Stelle. Mit seinem dritten Tor stellte der VfL-Angreifer die Weichen auf Sieg - in einem nun völlig verrückten Spiel. Und als Marino Biliskov, offenbar entnervt vom Spielverlauf, den Ball Ginczek kampflos überließ, war die Partie entschieden. Inui schob ein zum 5:3 für den VfL, der Jubel bei den Bochumern kannte keine Grenzen. "Vor zwei Wochen noch waren wir am Boden, das ist jetzt gerade in unserer Situation ein tolles Gefühl", sagte Andreas Bergmann, der seiner Mannschaft nicht nur für die gezeigte Moral ein Lob zollte: "Wir haben teilweise richtig guten Fußball gespielt."