Beim VfL Bochum fehlen derzeit die Führungsspieler

Michael Eckardt
Marc Rzatkowski (li.) und Danny Latza werden am Freitag nicht aufeinander treffen, denn der Bochumer im Hamburger Trikot hat sich einen doppelten Außenbandriss zugezogen.
Marc Rzatkowski (li.) und Danny Latza werden am Freitag nicht aufeinander treffen, denn der Bochumer im Hamburger Trikot hat sich einen doppelten Außenbandriss zugezogen.
Foto: dpa
Nach dem „peinlichen Auftritt“ in Ingolstadt will der VfL Bochum gegen St. Pauli Wiedergutmachung betreiben. Doch dafür muss sich die Stimmung im Team wenden.

Bochum. Sieben Punkte trennen derzeit den VfL Bochum und den FC St. Pauli voneinander, und während in Hamburg die Abstiegsangst massiv um sich greift, wächst in Bochum der Ärger über enttäuschte Erwartungen. Dabei ähneln sich die Gründe für die Negativleistungen hier wie dort. So hat St. Paulis Trainer Thomas Meggle noch vor der Niederlage gegen Kaiserslautern gefordert: Spielt endlich zweitklassig. Die Zweite Bundesliga sei nun einmal eine „Zweikampfliga“. Wer da allein auf technische Fertigkeiten baue und nur ein wenig spielen wolle, habe bereits verloren.

Eine derartige Kunde darf man getrost auch in Bochum verbreiten, denn der Sicherheitsabstand zu den Gegenspielern war in Ingolstadt erheblich zu groß. Wohl nicht nur der „eindringlichen Aufforderung durch Herrn Hochstätter“, so Peter Neururer am Dienstag, geschuldet gewesen sei deshalb die intensive Beschäftigung mit den in Bayern gemachten Fehlern, die man alle „angesprochen“ habe. Mittels Videoanalyse mussten die Spieler diese schlimme, weil unglaublich einseitige Partie noch einmal durchleben und zusehen, wie sie praktisch neunzig Minuten hinterher gelaufen sind.

Auf dem Platz fehlt es an Atmosphäre

Die Aufgabenstellung für die Zukunft dürfte wohl lauten, erfolgreich initiativ zu werden ohne auf eine gewisse defensive Sicherheit zu verzichten. Um „Lösungsmöglichkeiten in der Spieleröffnung“, so Neururer, gehe es, eben weil diese Spieleröffnung in Ingolstadt im Grunde nicht existent war.

Es treffen also am Freitag zwei Mannschaften aufeinander, denen es schon einmal besser gegangen ist. In Bochum fällt auf, dass es momentan auf dem Platz an Atmosphäre fehlt. Leise wird die Arbeit verrichtet, niemand macht Stimmung, nur wenige ärgern sich, wenn mal etwas nicht gelingt - mit Ausnahme der Torhüter. Das war zu den Zeiten von Dabrowski und Maltritz anders. Es geht nun einmal um Intensität auch im Training, im Berufsalltag. Wo sind die Führungsspieler, ist man derzeit versucht zu fragen, oder: Wer reißt denn mal die anderen mit, scheucht sie auf, holt sie aus dem Frust und dem Trott heraus?

Und St. Pauli? „Der Druck ist immer größer für den Tabellenletzten“, sagt Peter Neururer, aber „wir müssen auch was machen. Wir wollen ja nicht den Weg nach unten einschlagen“. Recht hat er damit, denn unten stehen derzeit die Hamburger, nicht die Bochumer. Trotz des „peinlichen Auftritts“ in Ingolstadt hat der VfL immer noch die Möglichkeit, die Hinrunde mit einem akzeptablen Ergebnis abzuschließen. Erfolge gegen St. Pauli und in Sandhausen sind ja nicht grundsätzlich unmöglich. Um die zu schaffen, müsste aber eine ganz andere Stimmung herrschen an der Castroper Straße.