Transfermarkt-Irrsinn: So viel haben die Vereine im Sommer investiert

Neu bei Paris St. Germain: Neymar.
Neu bei Paris St. Germain: Neymar.
Foto: dpa
Weltwelt haben die Klubs fast vier Milliarden Euro ausgegeben. Den Großteil stellen fünf Länder. Frankreich macht den größten Sprung.

So viel Geld wie in diesem Sommer ist auf dem internationalen Transfermarkt noch nie geflossen: Weltweit haben die Vereine 4,71 Milliarden US-Dollar (3,93 Milliarden Euro) ausgegeben. Zum Vergleich: 2016 waren es im ganzen Jahr knapp 4 Milliarden Euro. Allein die „Großen 5“ (Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, England) investierten in dieser Transferperiode 3,06 Milliarden Euro. Das geht aus einem Bericht der Fifa hervor, den der Fußball-Weltverband am Mittwoch veröffentlichte.

Die Spitze dieses verrückten Transfersommer war der 222-Millionen-Wechsel des brasilianischen Superstars Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Allerdings haben auch sonst die „Großen 5“ jedes Jahr mehr Geld in die Hand genommen. Im Jahr 2012 waren es noch etwas mehr als 1,03 Milliarden Euro – weniger als das, was die Klubs der englischen Premiere League für neue Spieler zahlten. Nach Angaben der Fifa investierten die Vereine rund 1,2 Milliarden Euro – doppelt so viel wie jedes andere Land. Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola ging für Meisterschaftsfavorit Manchester City für 244 Millionen Euro auf Shopping Tour, kaufte beispielsweise die Verteidiger Benjamin Mendy (57,5 Mio./AS Monaco) und Kyle Walker (51 Mio./Tottenham). Auch weltweite Bestmarke: 17 Premiere-League-Klubs kamen auf Ausgaben von je mehr als 16,5 Millionen Euro.

Wenig überraschend ist im Fifa-Bericht, dass Frankreich den größten Sprung machte: Um 250 Prozent auf 508 Millionen Euro. Der nächste Transfer-Hammer steht schon am Horizont: Der französische Klub von Scheich Nasser Al-Khelaifi lieh das 18-jährige Sturm-Talent Kylian Mbappé von AS Monaco aus. Nach einem Jahr kann Paris St. Germain eine Kaufoption ziehen: 180 Millionen Euro sind dann fällig.

In Deutschland verbreitete sich bei Funktionären und Spielern das Gefühl eines aus dem Ruder laufenden Transfermarktes. „Das Ding ist komplett explodiert“, hatte etwa Gladbachs Legende Rainer Bonhof dieser Zeitung gesagt. Kurz vor Ladenschluss wechselte Ousmane Dembélé von Borussia Dortmund zum FC Barcelona. Nach langem Hin und Her schnürrten die Vereine ein Paket von 148 Millionen Euro. Laut Fifa steckten die deutschen Klubs 436 Millionen Euro in ihre Kader – weniger als noch ein Jahr zuvor (438 Millionen Euro). Die Einnahmen waren in diesem Jahr mit 301 Millionen Euro niedriger als 2015 (298,6 Mio.).

In ihrem Bericht liefert die Fifa auch Gründe für den immensen Anstieg: Zum einen gebe es immer mehr aktive Klubs auf dem Transfermarkt: 2013 waren es weltweit noch 351. In diesem Sommer waren es 431. Davon gaben damals 139 Vereine Geld für neue Spieler aus. In diesem Sommer kletterte diese Zahl auf 171. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Klub stiegen von 12,1 auf 21,4 Millionen Euro in diesem Sommer.

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