Trainerberater Kosicke ist für Klopp auch ein Freund

Berater Marc Kosicke ist mit mit fünf  Trainern "so gut wie ausgelastet".
Berater Marc Kosicke ist mit mit fünf Trainern "so gut wie ausgelastet".
Foto: WAZ
Spielerberater gibt es schon lange im Fußball. Inzwischen wächst die Gilde der Trainerberater. Marc Kosicke ist einer von ihnen. Er berät auch Jürgen Klopp von Borussia Dortmund.

Essen.. Bayern ohne die CSU? Unvorstellbar. New York ohne die Musik von Frank Sinatra? Geht gar nicht. Und Profifußball ohne Spielerberater? Undenkbar.

Während die Kicker seit Jahrzehnten auf begleitenden Sachverstand bei ihrer Vermarktung und Karriereplanung schwören, war im Branchenzweig „Trainer-Berater“ jahrzehntelang Beate Rehhagel, Gattin und innere Stimme von Meister- und Europameister-Trainer Otto Rehhagel, als Monopolistin unterwegs.

Inzwischen greifen immer mehr Trainer auf Berater zurück. Ein Trend, wie Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung, beobachtet hat: „Auf die Trainer kommt immer mehr zu. Ein Berater kann sie nicht nur besser vermarkten. Sie können sich auch besser auf die eigentliche Arbeit mit der Mannschaft und auf den mit vielen Spezialisten angewachsenen Trainerstab konzentrieren“, sagt Reiter, in dessen Verband sich die deutschen Spielerberater organisiert haben.

International schillerndster Vertreter ist heute der Portugiese Jorge Mendes, der bei Real Madrid neben einem halben Dutzend Starspielern wie Pepe und Cristiano Ronaldo auch Startrainer Jose Mourinho berät. Bundestrainer Joachim Löw hört auf den Rat von Harun Arslan. Der Inhaber der „ARP Sportmarketing-Agentur“ in Hannover berät auch 96-Trainer Mirko Slomka sowie eine Handvoll Profis des niedersächsischen Klubs.

Eine Konstellation, die für Marc Kosicke undenkbar ist. Seine Agentur „Projekt B“, die der Vermarktungsprofi 2007 mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff gegründet hat, konzentriert sich auf Trainer. Und da er inzwischen fünf Fußballlehrer aus der Bundesliga unter Vertrag hat, kommt es an den Wochenenden regelmäßig zu Duellen zwischen seinen Klienten.

Kosicke schließt Handschlagsverträge

Der 40-Jährige Kosicke berät Jürgen Klopp (Borussia Dortmund), Bruno Labbadia (VfB Stuttgart), Michael Oenning (Hamburger SV), Holger Stanislawski (1899 Hoffenheim) und Andre Schubert (FC St. Pauli). Weitere Anfragen von Interessenten liegen ihm vor, werden aber abgelehnt. „Mit fünf Trainern bin ich so gut wie ausgelastet“, sagt Kosicke, der als Bremer hanseatische Tugenden schätzt, nur Handschlagverträge schließt und erfolgsabhängig nach ausgehandelten Vertragssummen bezahlt wird.

An seinem Kundenstamm lässt sich seine Aufgaben-Vielfalt ablesen. Jürgen Klopp ist als Meistertrainer gerade besonders gefragt. „Ich kümmere mich um Anfragen, sichte Angebote, muss ganz viel ablehnen“, erklärt Kosicke, der eng mit der BVB-Medienabteilung zusammenarbeitet. Es geht um Werbung und Sponsoring, um Vorträge und Auftritte. „Er nimmt mir viel ab, hält viel fern. Von 30 Anfragen kommt vielleicht eine an“, sagt Klopp, für den der Berater in drei Jahren enger Zusammenarbeit auch ein Freund geworden ist. Bruno Labbadia und Michael Oenning unterstützte Kosicke beim Neuanfang nach ihrer Entlassung. Holger Stanislawski beim Wechsel von St. Pauli zu Hoffenheim und damit dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

„Meine Aufgabe ist es im Sinne meiner Klienten den Markt zu sondieren, Perspektiven abzuklopfen und Optionen zu schaffen“, erklärt der Berater. Dass Stanislawskis Nachfolger André Schubert, ebenfalls aus der Kosicke-Klientendatei kommt, spricht für die nachhaltige wie seriöse Arbeit des diplomierten Sportwissenschaftlers. „Ein fairer Deal ist für mich, wenn beide Seiten sich als Gewinner fühlen. In diesem Geschäft trifft man sich immer wieder. Der FC St. Pauli hätte kaum auf einen meiner Klienten zurückgegriffen, wenn der Weggang von Holger Stanislawski nicht transparent mit dem Klub besprochen worden wäre“, erklärt Kosicke.

Der 40-Jährige, der als Rechte-Einkäufer für Adidas und Nike in jungen Jahren in unzähligen Feilsch-Runden geschult wurde, verhandelt zwar hart, aber immer fair. Als Jürgen Klopp 2008 seinen ersten Vertrag beim BVB unterschrieb, soll der Trainer über die fixierten vermögenswirksamen Leistungen gestaunt haben. Vorteil für ihn: Klopp konnte sich in den Verhandlungen mit Sportdirektor Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke ganz auf die sportlichen Möglichkeiten und Erwartungen konzentrieren.

Wenn Kosickes Klienten aufeinandertreffen, wie am Samstag Stanislawski und Klopp beim Duell zwischen Hoffenheim und Dortmund, drückt der Berater immer salomonisch der Heimmannschaft die Daumen. Im aktuellen Fall durchaus erfolgreich, für Hoffenheims Holger Stanislawski. Bei dem Duell hätte sich der Trainer-Berater indes auch über ein Unentschieden gefreut: In dieser Woche soll der neue Puma-Werbevertrag seines Dortmunder Klienten Jürgen Klopp präsentiert werden. Und mit positiven Schlagzeilen im Rücken fällt das doch erheblich leichter.

 
 

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