Torwart nach Spiel in der Niederrheinliga mit Waffe bedroht

Stefan Rebein
Torwart Christopher Möllering blickte nach dem Spiel gegen den 1. FC Viersen in die Mündung einer Pistole. Grafik:WNM
Torwart Christopher Möllering blickte nach dem Spiel gegen den 1. FC Viersen in die Mündung einer Pistole. Grafik:WNM
Nach dem Abfiff des Meisterschaftsspiel ist ein junger Torwart von einem Gegenspieler mit einer Pistole bedroht worden. Der 21-jährige Täter behauptet, es sei nur zum Spaß gewesen. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Bedrohung.

Viersen. Der Schock sitzt bei Christopher Möllering noch immer tief. Der Torwart des Niederrheinligisten SV Hönnepel-Niedermörmter (SV Hö-Nie) hat nach dem Meisterschaftsspiel in die Mündung einer Pistole geblickt. Ein Gegenspieler richtete sie auf den 24-Jährigen.

Abstiegskampf in der Niederrheinliga

Sonntagnachmittag: Der 1. FC Viersen und die SV Hö-Nie befinden sich im Abstiegskampf, als sie im Viersener Stadion Hoher Busch aufeinander treffen. Ein enges Spiel, das die Niedermörmter letztlich mit 3:2 für sich entscheiden. „Im Spiel lag die Brisanz“, erklärt Christopher Möllering. Der 24-jährige Torhüter sieht eine hart geführte Begegnung, in der die Spieler aber kaum über die Stränge schlagen. Erst nach Abpfiff kommt es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Torwart und einem 21-jährigen Mittelfeldspieler des 1. FC Viersen. Wohl aufgrund der Niederlage ist er wütend und provoziert. Doch Möllering bleibt gelassen und stichelt: „Wir bekommen unsere Punkteprämie und ihr nicht.“ Das lässt sich der 21-jährige Gegner nicht gefallen und stößt die Drohung aus: „Warte nur ab, gleich auf dem Parkplatz....“

Möllering ist zunächst unbeeindruckt. Doch den Viersener Spieler sieht er unweit des Stadionbogens des Hohen Buschs tatsächlich wieder, nachdem er von der Umkleidekabine zu seinem Auto gelangen möchte. „Er stand an seinem BMW und grinste nur“, erzählt der 24-Jährige. Auf dem Weg zu seinem Auto rollt der Viersener dann neben Möllering, den sein Vater und seine Freundin begleiten, langsam mit seinem Pkw hinterher. Der BMW-Fahrer provoziert weiter, verunglimpft die Lebensgefährtin des Torwarts. Möllerings Vater platzt der Kragen. Einen morschen Ast schleudert er in Richtung des Fahrzeugs. Der Viersener reagiert daraufhin über. Er holt eine Pistole hervor, richtet sie auf den Niedermörmter Torwart und lädt durch. „Sei jetzt besser leise“, so sagt Möllering, habe er gedroht. Allein schon der Schock, die diese Situation verursacht, lässt die Drei verstummen. „Keiner wagte, noch etwas zu sagen“, so der Fußballer. Das genügt dem 21-jährigen Bedroher. Schließlich braust er mit seinem Auto davon. Christopher Möllering verständigt umgehend die Polizei.

Anzeige gegen den Heißsporn

Die Beamten nehmen am Abend die Anzeige auf. Es wird wegen Bedrohung ermittelt. „Im Laufe des Abends hat sich der 21-jährige Mönchengladbacher auf der dortigen Polizeidienststelle gemeldet“, sagt Antje Heymanns, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Viersen. Auf der Wache macht der Fußballer Angaben zum Vorfall. Seiner Auffassung nach handelte es sich beim Vorfall auf dem Parkplatz nur um einen Spaß. Die Pistole sei ein Spielzeug, das er seit der Karnevalszeit im Auto aufbewahre. „Es handelt sich nicht um eine Anscheinwaffe“, betont Pressesprecherin Heymanns. Das Führen solcher Waffenattrappen ist strafbar.

Lebensgefahr mag nicht bestanden haben. Jedoch bekommt der 21-jährige Mönchengladbacher die Konsequenzen seines Handelns umgehend zu spüren. Klaus Flessers, 1. Vorsitzender des 1. FC Viersen, schmeißt den „Heißsporn“, wie er selbst sagt, aus dem Verein. Zwar hat er den Vorfall selbst nicht gesehen, aber allein die Bedrohung eines gegnerischen Spielers reiche ihm aus. „Seit 50 Jahren bin ich aktiv dem Sport verbunden“, erklärt er. An einen solchen Vorfall könne er sich jedoch nicht entsinnen. „Das ist nicht zu entschuldigen, davon distanzieren wir uns als Verein ausdrücklich“, so der Vorsitzende. Schade sei es, dass ein Einzelner aus der Reihe tanze und einen gesamten Verein in Verruf bringe. Bald werde er das Gespräch mit Christopher Möllering suchen und sich entschuldigen.

Der Torwart selbst hat einen Tag nach den Vorkommnissen den Schock noch nicht ganz verwunden. „Emotionen gehören auf dem Platz mit dazu, aber von Gewalt habe ich mich immer distanziert“, sagt er. Um den Kopf wieder frei zu bekommen, hat er einen Tag Urlaub eingereicht. Doch die Lust auf Fußball ist ihm trotz des Vorfalls nicht vergangen. „Nächste Woche will ich wieder auf dem Platz stehen“, kündigt er an.