Thorsten Kinhöfer - ein Leben zwischen Stadion und Schreibtisch

In Herne ist er zuständig für das Controlling der Stadtwerke, auf den internationalen Fußballplätzen pfeift er die Topstars zusammen: Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer.
In Herne ist er zuständig für das Controlling der Stadtwerke, auf den internationalen Fußballplätzen pfeift er die Topstars zusammen: Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer.
Foto: Tim Schulz/WAZ-Fotopool
Thorsten Kinhöfer pfeift seit 2001 in der ersten Bundesliga Fußballspiele, seit 2006 auch international. Hauptberuflich arbeitet er als Leiter des Controlling bei den Stadtwerken in seiner Heimat Herne. Im Interview verrät er, warum die Vereinbarung beider Aufgaben nicht immer einfach ist.

Herne. Als Fifa-Schiedsrichter ist er um die ganze Welt gereist, in seiner Heimat Herne leitet er das Controlling bei den Stadtwerken: Der 45-jährige Thorsten Kinhöfer bringt bereits seit 20 Jahren zwei zeitaufwändige Jobs unter einen Hut. Im Interview spricht er darüber, warum er mit seinem Arbeitgeber Glück hat, wie sehr der Job als Unparteiischer das Privatleben einschränkt und warum er nicht allzu traurig sein wird, wenn er die Trillerpfeife in absehbarer Zeit an den Nagel hängen kann.

Herr Kinhöfer, direkt der Sprung ins kalte Wasser: Wie hat ihr Chef es aufgenommen, als Sie mit der Schiedsrichtertätigkeit angefangen haben?

Thorsten Kinhöfer: Richtig gut. Ich habe 1984 meine Ausbildung bei den Stadtwerken begonnen, und zehn Jahre später hatte ich als Assistent meinen ersten Einsatz im bezahlten Fußball. 2001 folgte dann die Premiere in der ersten Liga. Die Zeiten waren anders als heute. Damals musste ich wirklich nur am Wochenende Spiele leiten. Das war mit dem Beruf problemloser zu vereinbaren.

Was ist denn heute anders?

Kinhöfer: Heute ist der Spielkalender viel mehr entzerrt. Sie können heute an sieben Tagen die Woche Fußball schauen. Was natürlich auch für die Schiedsrichter mit Mehraufwand verbunden ist. Seitdem ist es für uns viel stressiger, Beruf und Schiedsrichterjob unter einen Hut zu bringen. Irgendwann muss man sich entscheiden. Schiedsrichter-Karriere oder Berufsaufstieg? Denn beides, wie bei mir, geht heutzutage fast nicht mehr.

Als Leiter des Controllings haben Sie viel Verantwortung. Können Sie da einfach unter der Woche fehlen, wenn zum Beispiel die Champions League ansteht?

Kinhöfer: Dadurch, dass ich super Mitarbeiter habe, ist das gar kein Problem. Mein Chef weiß, wenn ich nicht da bin, ist alles so organisiert, dass der Laden läuft. Ich muss aber auch geben und nicht nur nehmen.

Was meinen Sie damit genau?

Kinhöfer: Ich bin nahezu immer 24 Stunden erreichbar, vor allem, wenn wichtige Terminarbeiten anstehen oder fixe Sitzungstermine bevorstehen.

Bundesligaschiri ist also nicht nur ein Hobby von Ihnen?

Kinhöfer: Nein, auf keinen Fall. Es erfordert höchste Konzentration, man muss mit viel Druck umgehen können.

Erinnern Sie sich an ein Spiel besonders gern?

Kinhöfer: Wenn, dann an das DFB-Pokalendspiel 2010. Das war mein persönliches Highlight. Ansonsten eigentlich nicht. Ich bin kein Nostalgiker. Für mich ist jedes Spiel wie eine Aufgabe. Ist das Spiel beendet, ist die Aufgabe abgehakt und die nächste kann kommen.

Stellt Ihr Chef Sie frei, wenn zum Beispiel unter der Woche internationale Spiele bevorstehen?

Kinhöfer: Nein, ich muss Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen, wenn die Spiele unter der Woche stattfinden. Da wir Schiedsrichter einen Abend vorher anreisen, gehen dafür einige Tage drauf. Eine langfristige Planung im privaten Bereich ist während der Saison kaum möglich, weil die Spielansetzungen sehr kurzfristig kommen.

Es ist aber ein sehr gut bezahlter Zwangsurlaub, oder?

Kinhöfer: Ja, natürlich gibt es für die Schiedsrichtertätigkeit eine angemessene Bezahlung. Aber dafür haben wir eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe plus den enormen Zeitaufwand. Die Leute sehen nur die 90 Minuten, die der Schiedsrichter auf dem Feld steht. Aber es kommen noch viele Dinge wie zum Beispiel Lehrgänge hinzu.

Sie sagten bereits, dass das Privatleben oft zurückstecken muss. Inwiefern?

Kinhöfer: Weil neben der Schiedsrichtertätigkeit noch der Beruf hinzukommt. Die Zeit, die übrig bleibt, ist für das Privatleben.

Geben Sie mal ein Beispiel.

Kinhöfer: Zum Beispiel versuche ich gerade einen Termin mit meinen Mitarbeitern zu finden, wann wir über den Weihnachtsmarkt gehen. Das ist nicht so einfach, durch die Spiele am Montag, Dienstag, Mittwoch... und die kurzfristigen Ansetzungen.

Dieses Jahr endet Ihre Karriere altersbedingt international, in zwei Jahren ist auch für die Bundesligen Schluss. Pfeifen Sie danach trotzdem weiter, zum Beispiel Spiele in der Oberliga?

Kinhöfer: Nein, in zwei Jahren ist Schluss, Dann habe ich die Altersgrenze erreicht, und dann beginnt der nächste Lebensabschnitt. Amateurligen würde ich dann auch nicht mehr pfeifen wollen.

Warum nicht?

Kinhöfer: Ganz ehrlich: Wer einmal Chefarzt war, möchte auch nicht wieder Pfleger werden.

 
 

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