Testspielverbot türkischer Klubs kostet KFC Uerdingen 100.000 Euro

Geplante Testspiele von  Fenerbahce Istanbul und anderen türkischen Spitzenvereinen in Deutschland hat der DFB aus Sicherheitsbedenken verboten.
Geplante Testspiele von Fenerbahce Istanbul und anderen türkischen Spitzenvereinen in Deutschland hat der DFB aus Sicherheitsbedenken verboten.
Foto: Imago
Das Testspielverbot des DFB für türkische Vereine in Deutschland schlägt hohe Wellen. Der KFC Uerdingen ist stinksauer - 100.000 Euro gehen dem Verein durch die Spielabsagen gegen Fenerbahce Istanbul und Trabzonspor verloren. Der Krefelder Fünftligist will gegen die Entscheidung des DFB protestieren.

Krefeld.. Das Testspiel-Verbot des DFB für türkische Spitzenvereine in Deutschland ist für den KFC Uerdingen ein schwerer Schock. "Die Nachricht traf uns völlig unvorbereitet und ist eine Katastrophe". Im Juli wollte der Fünftligist aus Krefeld ein Turnier mit Fenerbahce Istanbul und Trabzonspor austragen. "Durch das Verbot gehen uns Einnahmen von rund 100.000 Euro verloren", schimpft KFC-Pressesprecher Marc Peters.

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock begründet die Maßnahme gegenüber der WAZ-Mediengruppe mit sicherheitsrelevanten Aspekten: „Unsere Entscheidung betrifft alle Verbände und Vereine, bei denen es in der Vergangenheit zu Störungen gekommen ist". Es gehe darum, Gefährdungslagen auszuschließen und zusätzliche Belastungen für die Polizei zu vermeiden, so Sandrock.

KFC Uerdingen kann Testspiel-Verbot nicht nachvollziehen

Bei Spielen in der 1. türkischen Liga hat das Abbrennen von bengalischen Feuern Tradition. Laut Kölner Express habe der DFB das Verbot auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion rund um das "illegale Abbrennen von Pyro-Technik" beschlossen. Dadurch sei eine Genehmigung der Spiele in Deutschland derzeit nicht möglich.

Die Gewerkschaft der Polizei in NRW begrüßt diese Entscheidung unter der Prämisse "Sicherheit hat Vorrang". "Es ist aufgrund der Vorfälle am Ende der Bundesliga-Saison schon ein vorsichtiges Umdenken des DFB erkennbar", sagt der GdP-Vorsitzende Frank Richter. Allerdings wünscht sich die GdP, dass der DFB diese Haltung auch bei Bundesliga-Spielen in der neuen Saison beibehält.

Für den KFC Uerdingen ist das Testspiel-Verbot nicht nachvollziehbar: "Freundschaftsspiele gegen türkische Klubs haben bei uns Tradition". 2011 war etwa Trabzonspor zu Gast. "Da kommen regelmäßig 5000 bis 8000 Zuschauer, und es hat noch nie Ärger gegeben", beteuert Peters. Da gebe es mehr Probleme, wenn etwa der VfB Speldorf mit 40 Fans anreise. Die Freundschaftsspiele gegen türkische Vereine hätten dagegen den Charakter eines Familienfestes. "Unser Kapitän Ersan Tekkan ist Türke - da sind die Spiele etwas ganz Besonderes."

Krefelder Verein will beim DFB protestieren

Auch für die türkischen Vereine sei das Verbot ein Desaster: "Die sind genauso stinksauer wie wir, weil sie über diese Spiele auch ihre Trainingslager finanzieren", so Peters. Der Pressesprecher beschreibt die Maßnahme, alle Vereine in einen Topf zu schmeißen, als "Sippenhaft". Der KFC Uerdingen will gegen das Testspiel-Verbot offiziell beim DFB protestieren. Neben den Krefelder Spielen soll ebenfalls keine Genehmigung für ein Match zwischen Fenerbahce Istanbul gegen den spanischen Verein FC Getafe am 25. Juli in Köln erteilt worden sein.

Der Vorsitzende des Kreisliga-Vereins "Fenerbahce Istanbul Marl", Hakan Simsir, kann nach der Entscheidung des DFB nur den Kopf schütteln: "Wenn ich mich an das Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC oder die letzten Heimspiele des 1. FC Köln erinnere, dann müssten Spiele dieser Vereine auch alle verboten werden." Für ihn werde hier mit zweierlei Maß gemessen. Besonders unglücklich findet Simsir, dass bei aller Integrationsarbeit in Deutschland jetzt die türkischen Vereine und ihre Fans an den Pranger gestellt werden: "Da fehlt dem DFB schlicht das Fingerspitzengefühl." Besonders leid tun Simsir die in Deutschland lebenden Fenerbahce-Fans: "Für die ist es ein Erlebnis, wenigstens einmal im Jahr ihre Lieblings-Mannschaft live sehen zu können."

 
 

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