Speldorfer sind am Tag nach dem Pokal-Aus enttäuscht

Foto: Kerstin Bögeholz

Mülheim. Für jede Klasse Unterschied gab's ein Gegentor: 0:3 unterlag NRW-Ligist VfB Speldorf im DFB-Pokal dem Zweitligisten RW Oberhausen. Am Tag danach gibt's eine Überraschung: Die Speldorfer freuen sich nicht über die erste Teilnahme am DFB-Pokal, sie sind über die eigene Leistung enttäuscht.

Schlusspfiff in Duisburg. Es gibt Applaus von allen 7700 Zuschauern. Die RWO-Fans applaudieren, nicht leise, nicht laut. Denn ihre Mannschaft hat nicht überschwänglich und euphorisch gespielt, sie hat einfach "nur" gewonnen.

Dreinull, Deckel drauf. Die Speldorfer Spieler genießen. Saugen die Atmosphäre auf. Haben noch den Sprechchor "Ohne Mülheim wär hier gar nichts los" im Ohr. Sie verabschieden sich von den Fans mit "La Ola", geben auf dem Weg in die Kabine gut gelaunt in der "Mixed Zone" Interviews. Dort stehen sonst Profis - jetzt dürfen die NRW-Liga-Spieler mal den Profi geben.

Der VfB-Vorsitzende Klaus Wörsdörfer leitet die Pressekonferenz und blickt in 20, 25 Gesichter - und nicht in zwei oder drei wie bei regulären VfB-Heimspielen. Nach der Dusche in der großen Heimmannschafts-Kabine geht's mit dem Bus Richtung Klubhaus in Mülheim.

Aber einer fehlt: Manager Ingo Pickenäcker. Der fährt mit seiner Frau nach Hause. "Die Enttäuschung war doch zu groß", sagt Pickenäcker am Tag danach. "Die Art und Weise, wie unsere Mannschaft gespielt hat, hat mir nicht zugesagt. Oberhausen war schlagbar an diesem Tag. Wir hatten zu viele Ballverluste."

Wißels Idee wurde nicht umgesetzt

Am Morgen danach kommt nicht nur von Pickenäcker die Analyse. Auch von Speldorfs Trainer Dirk Wißel. Der sah nach dem Schlusspfiff ebenfalls so aus, als wäre er am liebsten abgetaucht. "Das Spiel kann man verlieren, muss man aber nicht." Seine Idee, seine Taktik setzten die in Grün und Weiß gekleideten Spieler nicht um. "Unsere Idee war, dass wir hinten die Zweikämpfe gewinnen - was gut geklappt hat - den Ball vorn halten und dann über die Außen nachrücken. Denn die Oberhausener Abwehrspieler sind in der Luft eine Wucht, aber unten am Boden unbeweglich."

Doch die Speldorfer Stürmer Oktay Güney und Birkan Yilmaz kamen auch am Boden gegen Thomas Schlieter und Dimitrios Pappas nicht an. "Sie haben", gestand Wißel resigniert, "ihre Grenzen aufgezeigt bekommen." Eine bittere Wahrheit.

Grote: "Das war ein schöner Bock"

Genauso bitter wie das 0:1, das bereits nach fünf Minuten durch Ronny König fiel. "Unser Spiel war darauf ausgelegt, sehr lang das 0:0 zu halten. Leider hat uns unser Torwart einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Wißel. "Das frühe Gegentor war nicht das, was wir wollten", ergänzte Pickenäcker. Und auch RWO-Trainer Jürgen Luginger gestand: "Der Spielverlauf war natürlich gut für uns. Das frühe Tor hat uns Sicherheit gegeben."

Speldorfs Schlussmann Marcel Grote hatte eine harmlose Flanke nicht festgehalten, König staubte ab. Grote selbst konnte zwar in der "Mixed Zone" wieder lachen (eben wie alle Speldorfer), sagte aber auch glasklar: "Das war ein schöner Bock, ich war einfach zu unkonzentriert. Wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn ich den Fehler nicht mache. Beim nächsten Mal halte ich den Sieg für die Mannschaft wieder fest."

Es bleibt Geld übrig

Der VfB ist aber nicht nur wegen Grotes Fehler raus aus dem Pokal. So wird am Tag danach nun nicht die nächste Auslosungsparty geplant, sondern finanziell abgerechnet. 113.000 Euro gibt's aus dem DFB-Pokal-Topf, zusätzlich Zuschauer-Einnahmen. Die Kosten für die Miete der MSV-Arena inklusive Catering sind dadurch gedeckt. Es bleiben sogar noch ein paar Euro übrig. Wie viel, verriet Pickenäcker nicht. Nur so viel: "Keiner soll glauben, dass wir jetzt in Geld schwimmen."

Am Mittwoch tritt der VfB im Niederrheinpokal bei Tuspo Richrath an. Und will dann einen neuen Anlauf starten, den Cup wieder nach Mülheim zu holen. In der nächsten Runde wäre mutmaßlich der KFC Uerdingen der Gegner, in der übernächsten käme es dann vermutlich zu einer Cup-Revanche gegen den Regionalligisten Rot-Weiss Essen. "Diese Einnahmen stünden uns gut zu Gesicht", sagt Pickenäcker.

Das Wort "DFB-Pokal" ist ab Donnerstag in Speldorf verboten. Dann zählt nur noch die NRW-Liga.

 
 

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