Schmelzer hat im DFB-Team Selbstvertrauen getankt

"Man wird etwas größer." Marcel Schmelzer tritt mit der DFB-Elf am Dienstag in Aserbaidschan zum siebten Spiel der EM-Qualifikation an. Foto: Jürgen Schwarz/dapd
"Man wird etwas größer." Marcel Schmelzer tritt mit der DFB-Elf am Dienstag in Aserbaidschan zum siebten Spiel der EM-Qualifikation an. Foto: Jürgen Schwarz/dapd
Noch das EM-Qualifikationsspiel gegen die Aserbaidschaner am Dienstag in Baku, dann ist Pause. Eine Pause, die der 23-Jährige nach Vorgabe des BVB „mit nix“ füllen soll. Nationalelf-Verteidiger Marcel Schmelzer spricht über leere Akkus, eine nicht realisierte Meisterschaft, den EM-Titel als Ziel – und sein Rechts-links-Problem.

Wien/Baku.. Herr Schmelzer, wie groß sind Sie jetzt eigentlich? 1,82 Meter oder nur 1,77?

Marcel Schmelzer: Normal bin ich 1,80 Meter. Wieso?

Weil BVB-Trainer Jürgen Klopp sagt, Sie seien in den letzten zwei Jahren um fünf Zentimeter gewachsen. Und zwar, weil Sie nun aufrecht gehen würden.

Schmelzer: Ich glaube, dass der Trainer recht hat. Ich habe mich mit zunehmendem Selbstvertrauen entwickelt. Da wird man etwas größer, auch in der Wahrnehmung.

Beim BVB ist Ihr Gewicht entsprechend, Sie haben alle 34 Ligaspiele bestritten. Bei der Nationalelf sind Sie noch neu. Wie sehen Sie hier in der DFB-Elf Ihre Rolle?

Schmelzer: Natürlich habe ich mich vor dieser Länderspielreise als absoluten Neuling gesehen. Aber jetzt habe ich schon mehr Selbstvertrauen als vor meinem Debüt. Aber hier sind die besten Spieler Deutschlands, das ist schon was anderes.

Was ist denn das „Andere“ im Vergleich zum BVB?

Schmelzer: In Dortmund sehen wir uns jeden Tag, hier sind wir nur ein paar Tage zusammen. Die Automatismen, die der Kern der Mannschaft hat, sind mir noch nicht so vertraut. Aber man sieht im Training jeden Tag, dass es besser wird.

Jetzt kommt erst einmal die Sommerpause. Jogi Löw hat die Belastung angesprochen. Viele Spieler seien am Limit. Sie haben 47 Saisonspiele absolviert. Wie sieht es denn mit Ihrem Akku aus?

Schmelzer: Naja, am Tag nach den Spielen merkt man schon, dass man mehr Ruhe und Regeneration braucht. Im Spiel aber geht’s noch ganz gut. 90 Minuten durchzuhalten, auch mit viel Laufen, das schaff’ ich. Und für das Spiel in Aserbaidschan reicht es auf alle Fälle.

Mit der Reise nach Baku schließt sich für Sie ein Kreis. Im August 2010 spielten Sie in der Euro-League-Qualifikation mit dem BVB beim FK Karabakh Agdam. Nicht mal ein Jahr später sind Sie Meister und Nationalspieler. Das ging schnell.

Schmelzer: Für uns junge Dortmunder Spieler war es total gut, dass alles so schnell gegangen ist und wir nicht ins Nachdenken gekommen sind. Wir konnten nicht zu Hause sitzen und denken: ,Hey, wie toll läuft das alles...’ Es ging alles ruckzuck, und erst in der Sommerpause werden wir alles begreifen. Wir Nationalspieler konnten ja noch nicht realisieren, dass wir wirklich Meister sind.

Ab Mittwoch legen Sie die Füße hoch und denken an das verrückte Jahr zurück...

Schmelzer: Wir haben ja vom Verein einen Vorbereitungsplan bekommen. Da steht auch drin, dass wir erst einmal nix machen sollen, runterfahren. Genau das werde ich auch tun.

Die Pause ist kurz, Ende Juli beginnt die neue Saison, mit der Champions League, als amtierender Meister, und am Ende steht die EM.

Schmelzer: Ich denke jetzt noch nicht an die EM. Natürlich wäre es ein Traum, dabei zu sein, aber im Fußball kann alles passieren, und vor allem sehr schnell gehen. Wir freuen uns erst mal darauf, Champions League zu spielen. Und wir beim BVB freuen uns auf die Bundesliga.

Mit einem ganz anderen Druck als Titelverteidiger.

Schmelzer: Wir haben uns schon letzte Saison gesagt, dass wir den Druck von außen nicht an uns heran lassen wollen. So ist es jetzt auch. Wir wissen, dass wir eine überragende Saison gespielt haben, die wir nicht toppen können, die man nicht noch einmal so spielen kann. Unser Ziel mit dem BVB ist, uns unter den ersten Fünf zu etablieren. Unser erstes Ziel ist nicht, unbedingt wieder Meister zu werden, sondern erst einmal wollen wir nicht abstürzen wie andere Mannschaften nach dem Titel. Das wird schwer genug.

Für die Nationalelf hat Jogi Löw dagegen den allerhöchsten Anspruch, also den EM-Titel, formuliert.

Schmelzer: Das ist doch verständlich. Die letzten drei Turniere haben ja gezeigt, wie weit wir mit unserem Fußball kommen können. Und wenn man dann an Mannschaften wie Spanien scheitert, muss das Ziel sein, die zu schlagen. Man kann nicht sagen, wir spielen ein tolles Turnier, aber wir gewinnen es nie. Wer einmal Dritter war, einmal Zweiter, der will auch den Titel. Und jetzt haben wir bei der Nationalelf ein Jahr Zeit, um darauf hinzuarbeiten, das wahr werden zu lassen.

Für Sie persönlich könnte es aber schwer werden. Kapitän Philipp Lahm wird bei den Bayern auf die linke Seite, auf Ihre Position wechseln. Viel spricht dafür, dass er auch in der Nationalelf nach links wandert. Dann wären Sie Ersatz.

Schmelzer: Ich habe das auch gehört. Klar, wird es dann schwieriger. Aber der Bundestrainer entscheidet, ob der Philipp auch in der Nationalelf links spielt.

Wäre es aus Ihrer Sicht möglich, im Verein links zu spielen, aber in der Nationalelf weiter rechts zu verteidigen?

Schmelzer: Das muss man Philipp Lahm fragen. Ich weiß nicht, ob das für einen Außenverteidiger seiner Klasse, der auf beiden Positionen zu den besten Außenverteidigern der Welt gehört, ein Problem wäre.

Ansonsten müssten Sie vielleicht auf Rechtsverteidiger umschulen...

Schmelzer: Es wäre wohl einzigartig in der Welt, wenn ein Rechtsfuß Linksverteidiger und ich als Linksfuß Rechtsverteidiger spielen würde.

 
 

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