Schalke in der Krise - königsblauer Zornausbruch

Manfred Hendriock
Die Schalker Spieler durften sich nach dem 0:2 in Mainz einiges anhören.
Die Schalker Spieler durften sich nach dem 0:2 in Mainz einiges anhören.
Foto: imago
Schalke setzt die Profis wegen desaströser Leistungen unter Druck: weniger Geld, weniger Urlaub, keine Besuche im Trainingslager, keine Einzelzimmer.

Gelsenkirchen. Es wäre keine so gute Idee für die Schalker Spieler, jetzt schon für unmittelbar nach der Saison den Urlaub zu buchen – zumindest könnten dann Stornogebühren anfallen. Die Androhung einer Urlaubskürzung gehört zu dem Maßnahmenpaket, das Schalke 04 am Wochenende als Reaktion auf die 0:2-Niederlage am Freitagabend in der Fußball-Bundesliga beim FSV Mainz 05 beschlossen hat. „Wenn die Europa League verpasst wird, werden wir nach der Saison zehn Tage länger trainieren“, verkündete Manager Horst Heldt am Samstag.

Die Spieler bekommen jetzt den Zorn der Vereinsführung über die desaströse Rückrunde mit nur einem Sieg aus den zurückliegenden zehn Bundesliga-Spielen zu spüren; Trainer Roberto Di Matteo wird der dramatische Verfall des Vorjahres-Dritten noch nicht angelastet. „Roberto ist fachlich ein 1-A-Trainer“, glaubt Heldt weiter und fordert: „Der Verein muss davon wegkommen, zu kurz zu denken. Wir müssen uns nach der Saison neu aufstellen und einen Schnitt machen, werden dabei aber nicht den Trainer in Frage stellen.“

Jetzt kommt Stevens mit Stuttgart

Als erste kurzfristige Maßnahme hat Schalke an diesem Montag ein viertägiges Trainingslager im Hotel Klosterpforte in Marienfeld bezogen, um sich dort auf das Heimspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart vorzubereiten. Ausgerechnet Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens könnte mit seinem Gastspiel das Fass dann zum Überlaufen bringen, nachdem die Fans schon in Mainz die Nase voll hatten und die Schalker Spieler nach dem Abpfiff als „Scheiß Millionäre“ beschimpften. „Das tut weh“, sagte Torwart Ralf Fährmann, der den Unmut der Anhänger jedoch nachvollziehen konnte.

In der Klosterpforte zieht Di Matteo andere Saiten auf: Privilegien wie Einzelzimmer sind gestrichen, Besuche wird es nicht geben – die Mannschaft soll enger zusammenrücken und vier Spieltage vor Saisonschluss den Teamgeist entdecken. „Der Trainer hat verschiedene Maßnahmen angekündigt“, berichtete Heldt und grantelte: „Wenn das einer nicht mitmachen will, soll er sich nur melden.“ Und die Tür auf Schalke wäre für ihn für immer verschlossen. Die sportliche Leitung will auf diesem Weg sehen, wer mitzieht und bereit ist, jetzt alles dem Beruf unterzuordnen – so soll auch mehr Druck auf den Einzelnen gemacht werden. Gemeldet hat sich aber kein Spieler. Kapitän Benedikt Höwedes hatte bereits Freitag drastisch gesagt, dass es jetzt nicht mehr Zeit zum Reden sei, sondern zum Handeln: „Wir müssen langsam den Arsch hochkriegen.“

Keine Prämie für das Erreichen des Achtelfinales der Champions League

Zudem geht es den Spielern auch ans Geld: Nach Informationen dieser Zeitung hat Schalke den Profis in dieser Saison aufgrund der schwachen Leistungen zum ersten Mal keine Prämie für das Erreichen des Achtelfinales der Champions League ausgezahlt – das war möglich, weil es sich bei dieser Prämie um eine freiwillige Leistung des Vereins handelt. Die Gehälter sind dagegen aus rechtlichen Gründen nicht zu kürzen: Dies hatte Felix Magath einst auf Schalke versucht, war damit aber gescheitert.

Horst Heldt wird das Trainingslager begleiten – auch der Manager ist unter Druck, weil der Trainerwechsel in dieser Saison keinen Erfolg gebracht hat und das Minimalziel Europa League auf der Kippe steht. Zwar behauptet Schalke immer noch den fünften Tabellenplatz, aber selbst Erzrivale Dortmund ist in seiner eigenen schwachen Saison bis auf drei Punkte herangerückt. Der Trend spricht gegen Schalke, und Di Matteo sprach in Mainz eine Binsenweisheit gelassen aus: „Wenn man keine Punkte holt, wird es schwierig.“