Wie sich Schalke neue Millionen verschafft

Ein Schalker Millionen-Transfer: Kevin-Prince Boateng.
Ein Schalker Millionen-Transfer: Kevin-Prince Boateng.
Foto: REUTERS
Der FC Schalke 04 hat sich mit den Verpflichtungen von Kevin-Prince Boateng und Dennis Aogo für die Champions League gerüstet. Überraschenderweise verkündeten die Königsblauen nach den Transfers Geldbedarf. Mit Hilfe einer Anleihe sammelte Schalke 15 Millionen Euro. Ein Geschäft nicht ohne Risiko.

Gelsenkirchen. Die großen Transfers der Saison sind abgearbeitet, und der FC Schalke 04 hat dabei kräftig zugeschlagen. Um sich für die Champions League zu rüsten, ließ der Fußball-Bundesligist rund zehn Millionen Euro springen. Für dieses Geld wurde Mittelfeld-Star Kevin Prince Boateng verpflichtet. Abwehrspieler Dennis Aogo kam als Leihgabe vom HSV, mit Kaufoption über 3,5 Millionen, zu zahlen im Sommer.

Ein Zeichen der Stärke. Eigentlich. Doch überraschender Weise verkündete Schalke wenige Tage nach den Transferknallern dringenden Geldbedarf. Mit Hilfe einer Anleihe hat der Klub innerhalb weniger Tage 15 Millionen Euro eingesammelt. Ein Geschäft nicht ohne Risiko. Schalke selbst bestreitet jedoch einen Zusammenhang zwischen Millionen-Transfers und Millionen-Anleihe.

Im Kern ist der Deal einfach. Der FC Schalke hatte im vergangenen Jahr eine so genannte Mittelstands-Anleihe auf den Markt gebracht. Mit Hilfe dieses Wertpapiers wollten die Königsblauen 50 Millionen Euro bei privaten Geldgebern einsammeln. Der Klub hat sich verpflichtet, die Millionen im Jahr 2019 zurückzuzahlen. Bis dahin sollen die Papiere mit 6,75 Prozent verzinst werden. Vor allem institutionelle Anleger, wie Fondsgesellschaften oder Finanz-Heuschrecken, würden die Wertpapiere kaufen, hoffte Schalke.

Selbst Banken hatten kein Interesse

Doch der Schuss ging nicht ganz ins Tor. Statt der 50 Millionen Euro konnte Schalke nur 35 Millionen einsammeln. Die restlichen Wertpapiere blieben ohne Käufer liegen – für Schalke bis dahin ohne Wert.

Das besondere daran: Die Mittelstands-Anleihe von Schalke ist im Vergleich zu klassischen Geldanlagen hoch verzinst. Bei den aktuellen niedrigen Leitzinsen kann kaum ein Anleger eine höhere Rendite für seine Geld kriegen. Doch trotz dieser scheinbaren Stärke der Schalke-Anleihe waren nicht genug Leute bereit, Schalke ihr Vermögen anzuvertrauen. Selbst Banken hatten offenbar kein starkes Interesse daran, Schalke zu hohen Zinsen Geld zu leihen.

Schalke ist hoch verschuldet

Denn: Die Risiken sind hoch. Bei einer Insolvenz des Vereins droht ein Totalverlust der Wertpapiere, das Geld wäre weg, Sicherheiten sind nicht hinterlegt. Der Verein ist bis unter das Stadiondach verschuldet. Nach den letzten verfügbaren Zahlen lasten auf dem Schalker Konzern rund 255 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Schalke ist bilanziell demnach mit 71 Millionen Euro überschuldet.

Bis das komplette Geld aus der Champions League in die Kassen kommt, vergehen eigentlich noch Monate.

Eigentlich. Denn Schalke nutzte nun die restlichen Wertpapiere aus der alten Anleihe, die vor zwölf Monaten nicht verkauft werden konnten, um zukünftige Einnahmen aus der Champions League zu Bargeld in der Gegenwart zu machen.

Schalke arbeitet auf Pump über die Anleihe

Offiziell lässt Schalke mitteilen, institutionelle Anleger hätten großes Interesse an dem Papier gezeigt und daher auf den weiteren Verkauf Anfang September gedrängt. Die Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro aus der Anleihe wolle Schalke zur „Umschuldung und Zwischenfinanzierung“ nutzen. Tatsächlich soll das Geld, das nach und nach durch die Champions League aufs Konto kommt, mit der Anleihe „aufgefangen“ werden. Übersetzt heißt das: Schalke will die erwarteten Einnahmen aus der Königsklasse schon zu Saisonbeginn haben und nicht erst, wenn die Saison vorbei ist. Deswegen wurde auf Pump über die Anleihe gearbeitet.

Im vergangenen Jahr nutzte Schalke die Millionen aus dem ersten Teil der Anleihe, um ein Darlehen des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies zurückzuzahlen. Dieser hatte dem Klub zuvor über seine Firmengruppe rund 25,3 Millionen Euro geliehen. Für Schalke war die Umschuldung finanziell gesehen nicht besonders günstig. Das Darlehen von Tönnies war mit etwa fünf Prozent verzinst. Für die Anleihe muss Schalke nun sogar 1,75 Prozentpunkte mehr bezahlen.

GEW-Geschäftsführer im Schalke-Aufsichtsrat

Auch in diesem Jahr könnte laut Schalke ein Teilbetrag des Darlehens genutzt werden, um ein altes Darlehen mit den frischen Millionen abzulösen. Die städtische Gelsenkirchener Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) hatte Schalke in einer früheren Krise rund 20 Millionen Euro gepumpt. Der Geschäftsführer der GEW, Ulrich Köllmann, sitzt im Aufsichtsrat des Klubs. „Im Hinblick auf eine Optimierung der Finanzstrukturen“ liege eine Ablösung des GEW-Darlehens „im Rahmen der Möglichkeiten“, sagte eine Sprecherin.

Köllmann selbst zeigte sich von dieser Aussage überrascht. Er sagte dieser Zeitung, das GEW-Darlehen sei nicht fällig und es gebe von Seiten der GEW aus keine Aktivitäten, den Betrag zurückzufordern. „Es kann aber sein, dass Schalke von sich aus das Darlehen zurückzahlen will.“

 
 

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