Gelsenkirchen

Wem Schalke-Legende Büskens den Siegtreffer gegen den FC Bayern München gönnt

Lederhosen-Auszieher: Schalkes früherer Spieler und Trainer Mike Büskens.
Lederhosen-Auszieher: Schalkes früherer Spieler und Trainer Mike Büskens.
Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen. Mike Büskens lacht. „Pokal kann doch jeder“, sagt der 49-Jährige, als ein Schalke-Fan ihn während des Interviews darauf aufmerksam macht, dass es doch Felix Magath war, der zuletzt als Trainer der Königsblauen ein Auswärtsspiel bei Bayern München gewonnen hat.

Stimmt, 2011 war’s – aber eben im DFB-Pokal. Der letzte Schalker Trainer, der den Bayern in der Bundesliga im eigenen Stadion die Lederhosen ausgezogen hat, war Mike Büskens. Nach der Trennung von Fred Rutten Ende März 2009 übernahm der ehemalige Mittelfeldspieler zum zweiten Mal als Interimstrainer. Nach drei Siegen zu Beginn in Folge ging es am 25. April 2009 in die Allianz-Arena, wo Halil Altintop beim 1:0-Sieg der Torschütze war. Seitdem sind die Schalker in München sieglos. In Interview mit der WAZ spricht Mike Büskens vor dem Duell Bayern gegen Schalke am Samstagabend über Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes und Jubel mit Eckfahnen.

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Herr Büskens, können Sie diesen besonderen Tag in München, wie es sich für einen Schalker gehört, in 04 Sätzen beschreiben?

Mike Büskens: Eckball Christian Pander, Halil Altintop drückt die Kugel über die Linie. Vicente Sanchez fliegt über die Werbebande, Jermaine Jones und Frank Ribéry fliegen vom Platz. In den Katakomben sagt ein Fernsehmoderator vor dem Spiel zu mir, dass es der erfolgreichste Start eines Schalker Trainers ist, wenn wir einen Punkt holen. Ich dachte mir: Warum heute in München und nicht auf Schalke gegen Cottbus. Waren das vier Sätze?

Exakt. Einer Ihrer schönsten Siege?

Büskens: Auf jeden Fall. Den Trainingsanzug, den ich während des Spiels getragen habe, habe ich noch im Keller. Der Spielbericht hängt eingerahmt in meinem Büro.

Und daneben das Foto, das Ihren Torwart Manuel Neuer zeigt, der in Anlehnung an Oliver Kahns Jubel nach der Deutschen Meisterschaft 2001 die Eckfahne herausreißt?

Büskens: Manus Eckfahnen-Jubel habe ich erst später gesehen. Er sagte mir später, warum und für wen er so gejubelt hat – und jeder Schalker wird es wissen. Eine coole Aktion.

Zwei Jahre später erklärte er dann unter Tränen seinen Wechsel zu Bayern München.

Büskens: Ich hätte mir auch gewünscht, dass er zu Real Madrid wechselt. Mir tut es trotzdem leid, wie er auf Schalke empfangen wird. Ich habe Manu in seiner Karriere erst als Trainer der Zweiten Mannschaft, dann als Co-Trainer und Interimstrainer der Profis begleiten dürfen und ihn als fantastischen Sportler und Menschen schätzen gelernt. Bei aller Verbitterung der Fans muss man anerkennen, was er für den Verein geleistet hat. Man sollte auch nicht vergessen, dass der Transfer Schalke eine Stange Geld eingebracht hat. Er ist ein Sohn dieser Stadt und der erfolgreichste Spieler, der je in der Knappenschmiede ausgebildet wurde. Auch wenn er heute andere Farben trägt, so bleibt er für mich immer ein Königsblauer.

Auch Rafinha, der ebenfalls bei Bayern spielt, war vor neun Jahren noch ein Schalker.

Büskens: Rafinha ist ein toller Typ, ein absoluter Wettkampf-Mensch. Wenn er morgens in die Kabine kam, konnte er dir als Trainer schon das Gefühl geben, dass er wenig Schlaf hatte. Auf der Wiese war er aber ein Gewinner, immer auf den Sieg fokussiert.

Zwei Tage nach Ihrem Sieg in München wurde Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann entlassen.

Büskens: Das hat mir sehr leid getan. Wer das Gefühl der Ohnmacht eines Trainers kennengelernt hat, der leidet mit. Der Job kann an die Gesundheit gehen, dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Das haben wir zuletzt in Kaiserslautern bei Jeff Strasser gesehen. Im Fußballgeschäft ist Geduld ein Fremdwort. Wenn ein Trainer etwas aufbauen will, seine Ideen umsetzen will, braucht er Zeit. Nach zwei Wochen werden die Leute aber schon ungeduldig. Viele Verantwortliche vergleichen Fußball mit ihrem ursprünglichen Buisness, kommen nicht aus diesem Sport und wissen nicht was es braucht um aus einem Spielerkader eine erfolgreiche Mannschaft zu entwickeln. Spieler haben die Macht, streiken sich zu Vereinswechseln und lassen Team und Trainer im Regen stehen. Bei aller übertariflicher Bezahlung – ein knochenhartes Geschäft.

Kann Domenico Tedesco der erste Trainer nach Ihnen sein, der den Bayern im Heimspiel die Lederhosen auszieht?

Büskens: Ja, mit seiner demütigen, akribischen Arbeitsweise kann er das schaffen und ich würde es ihm von Herzen gönnen. Domenico Tedesco ist es in eindrucksvoller Weise gelungen, aus einer Ansammlung von Spielern eine Mannschaft zu formen. Er hat es geschafft, uns Zuschauern in der Arena das Gefühl zu geben, dass da unten auf dem Rasen ein Spieler für den anderen einsteht. Und nur wenn du so auftrittst, darfst du überhaupt daran denken, aus München etwas mitzunehmen.

Nervt Sie die Überlegenheit von Bayern München in der Liga?

Büskens: Das muss mir nicht gefallen, es ist aber so. Bayern holt die besten Spieler aus Dortmund und Schalke, die die besten Spieler anderer Bundesligavereine holen. So ist das Geschäft. Was mich nervt, ist das Auftreten der deutschen Clubs in der Europa League. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es bessere Testspiele waren. Den Vereinen muss klar sein, dass es hier auch um das Renommee der Liga geht.

Welchen Anteil hat Jupp Heynckes daran, dass die Bayern nach dem schlechten Saisonstart wieder in der Spur sind?

Büskens: Jupp ist überragend. Ich darf Jupp sagen, weil er mir 2003 das Du angeboten hat. Er sagte, dass wir doch jetzt Kollegen sind, als er Cheftrainer auf Schalke wurde und ich Co-Trainer der Oberliga-Mannschaft war. Auch eine Mannschaft mit verdammt gut bezahlten Stars braucht eine Seele – und diese Seele ist in München Jupp Heynckes. Auch wenn sich im Fußball sehr viel verändert hat, glaube ich, dass er sich mit 72 Jahren noch sehr gut in seine Spieler hineinversetzen kann.

Auf welchen Schalker kommt es am Samstagabend in der Allianz-Arena besonders an?

Büskens: Auf jeden Fall auf Ralf Fährmann, der sich über zu wenig Arbeit sicher nicht beklagen wird. Ralle ist ein starker Torwart, der für Schalke lebt. Der Fan braucht in diesem schnelllebigen Geschäft Spieler wie ihn. Naldo muss seine Abwehr zusammenhalten. Und Guido Burgstaller würde ich den Siegtreffer gönnen. Durch seine Art Fußball zu spielen und zu kämpfen nimmt er die Fans mit. Burgi lässt seine Seele auf dem Platz.

 

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