Warum Schalke 04 schon jetzt besser ist als erwartet

Sie sind wieder ein Team: die Schalker nach dem Abpfiff.
Sie sind wieder ein Team: die Schalker nach dem Abpfiff.
Foto: imago/Claus Bergmann
André Breitenreiter hat aus Schalke wieder ein echtes Team gemacht. Aber es gibt auch: den Faktor Fährmann, die Klasse von Geis und die Atmosphäre, in der sich Sané entwickeln kann.

Gelsenkirchen.. Manchmal greift Schalkes Trainer André Breitenreiter auch ganz einfach zu irgendwelchen Binsenweisheiten. Neulich hatte der 41-Jährige einmal gesagt: „Die Tabelle lügt nie.“ Schalke steht demnach also zurecht auf dem dritten Platz der Bundesliga, weil sich die Mannschaft dies durch ihre Auftritte in den bisherigen sieben Liga-Spielen ganz einfach verdient hat.

Aber, Hand aufs Herz: Rechnen konnte man mit einem solchen Start eigentlich nicht. Schalke ist bisher viel besser, als man das vor der Saison erwarten durfte.

Bester Schalker Start seit 1971

Allein die Zahlen sind einfach beeindruckend: In der Bundesliga hat Schalke fünf von sieben Spielen gewonnen – nur vor 44 Jahren, in der Saison 1971/72, startete Schalke noch besser. Damals gab es sechs Siege und eine Niederlage in den ersten sieben Spielen – heute sind es fünf Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage.

Wettbewerbsübergreifend sieht die Bilanz sogar noch besser aus: Weil Schalke seine Spiele im DFB-Pokal (5:0 in Duisburg) und in der Europa League (3:0 in Nikosia) ebenfalls gewonnen hat, gab es in insgesamt neun Pflichtspielen bisher sieben Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage. „Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konstanz wir auftreten“, findet Linksverteidiger Dennis Aogo: „Das meine ich nicht wegen der Punkte, sondern wegen der Art und Weise. Unser Fokus liegt darauf, in dieser Saison ein anderes Gesicht zu zeigen. Dass man das in den Englischen Wochen so konstant, Ausnahme das Spiel in Stuttgart, auf den Platz bringt, ist schon aller Ehren wert.“ Und selbst in Stuttgart hatte Schalke nach einem schlechten Spiel dank der Klasse von Ralf Fährmann ja mit 1:0 gewonnen – wenn’s einmal läuft...

Ralf Fährmann ist einer der Väter des Erfolges: Schalkes Torwart ist mittlerweile seit 408 Pflichtspiel-Minuten ohne Gegentor und kann am Donnerstag im Europa-League-Spiel gegen Asteras Tripolis seinen persönlichen Rekord aus der Saison 2013/14 (damals 470 Minuten ohne Gegentor) überbieten. Doch Fährmann war in der vergangenen Saison auch schon eine Klasse für sich – nur stand er damals hinter einer vogelwilden Mannschaft auf verlorenem Posten. Deswegen: Dass Schalke jetzt so stark ist, liegt nicht nur am Klasse-Torwart.

Spielt Draxler-Verkauf eine Rolle?

Von den Neuzugängen hat vor allem Johannes Geis die Mannschaft auf ein höheres Niveau geführt: Der Ex-Mainzer treibt das Spiel nach vorne und ist mit seinen Standard-Situationen eine Waffe, wie sie Schalke vielleicht seit den Zeiten eines Christian Pander nicht mehr hatte. Von Geis’ Ecken profitiert insbesondere Joel Matip, der wettbewerbsübergreifend schon drei Kopfballtore erzielt hat.

Die anderen externen Neuzugänge (Junior Caicara, Sascha Riether, Franco Di Santo, Pierre Emile Höjbjerg) haben noch keine Führungsrolle. Ihre Verpflichtungen waren jedoch wertvoll, um vorhandene Schwachstellen auf der rechten Außenverteidigerposition und im Angriff zu beheben. Und dass Leroy Sané, im Vorjahr nominell noch U19-Spieler, so durchstartet, ist natürlich ein Meilenstein. Aber auch das geht nur, weil Sané jetzt auf Schalke eine Mannschaft vorfindet, die sein überragendes Talent zur Geltung kommen lässt.

Einige Beobachter glauben sogar, dass der Abschied von Julian Draxler der Mannschaft gut bekommen ist. Indirekt mag das sogar so sein, weil jetzt der Teamgedanke noch mehr im Vordergrund steht und sich nicht mehr alles auf den vermeintlichen Star konzentriert. Max Meyer, der hinter Draxler immer ein wenig nur „der kleine Meyer“ war, blüht zumindest wieder auf. Auch wenn man es Breitenreiter getrost zutrauen darf, dass er Meyer auch gemeinsam mit Draxler gefördert hätte.

Dann muss man aufpassen

Schalke tritt auf jeden Fall wieder als Mannschaft auf: Neben der taktischen Neuausrichtung hin zu mehr Offensive ist dies das größte Verdienst von André Breitenreiter, der den Teamgedanken vor das Ego stellt. Dass dies bisher funktioniert, nennt Dennis Aogo den größten Fortschritt gegenüber dem Vorjahr: „Sobald wir denken, dass es wieder um individuelle Sachen geht und der eine oder andere versucht, innerhalb der Mannschaft auszubüchsen, wird es für uns kritisch, und dann muss man aufpassen.“

Wahrscheinlich ist es eine Mischung von vielen Dingen, die Schalke so viel besser als erwartet hat in die Saison starten lassen. Auch Breitenreiter konnte eigentlich kaum mit einem solchen Saisonstart rechnen – zumindest nicht, was die Ergebnisse betrifft. Aber er sagt: „Für mich kommt die Entwicklung nicht überraschend, weil wir schon eine gute Mannschaft haben. Aber dass das mit so vielen Siegen gekrönt wird, ist schon sehr erfreulich.“ Wohl wahr.

 
 

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