Teemu Pukki ist Schalkes Held aus der dritten Reihe

Falk Blesken
Entscheidender Mann: In 24 Minuten schoss Teemu Pukki (r.) das 1:2 für Schalke und holte den Elfmeter heraus, den Raffael zum 2:2 verwandelte.
Entscheidender Mann: In 24 Minuten schoss Teemu Pukki (r.) das 1:2 für Schalke und holte den Elfmeter heraus, den Raffael zum 2:2 verwandelte.
Foto: Ina Fassbender / Reuters
Teemu Pukki rettete Schalke 04 das 2:2 gegen Bayer Leverkusen. Der Finne kämpft darum, Ciprian Marica in der Gunst von Trainer Jens Keller zu überholen. Manager Horst Heldt lobte den "Joker". "Das war bärenstark", sagte Heldt.

Gelsenkirchen. Es ist die Gelegenheit, sich einfach mal den Frust von der finnischen Fußballer-Seele zu sprechen. Auf Deutsch vielleicht, damit, wenn seine Sätze Trainer oder Manager des FC Schalke 04 missfallen, Sprachprobleme als Entschuldigung dienen können. Teemu Pukki bietet sich also eine ziemlich gute Chance, auf sein Schicksal hinzuweisen, als er hinter den bunt-blauen Werbetafeln hervortritt, die intime Einblicke in die Kabinen tief unten in der Arena verhindern sollen. Und es auch tun.

23 Jahre jung ist Pukki seit wenigen Tagen. Kritik könnte ihm als jugendliche Unbedarftheit ausgelegt werden. Außerdem ist er der königsblaue Held des frühen Samstagabend, weil Pukki Schalkes Aufholjagd zum 2:2-Endstand gegen Bayer Leverkusen mit seinem Tor zum 1:2 (71. Minute) einleitet und Raffael mit dem durch ein Foul von Ömer Toprak an ihm verschuldeten Elfmeter den Ausgleich erzielt (87.).

Pukki kam für den blassen Ciprian Marica

Wenn die Schalker sich also bei einem Spieler zu bedanken haben, dass ihr Abstand auf Platz drei, der die direkte Qualifikation zur Champions League huckepack trägt und mit vier Punkten Vorsprung von Leverkusen belegt wird, nicht angewachsen ist, dann bei Teemu Pukki. Schließlich haucht erst seine Einwechslung für den blassen Ciprian Marica in der 66. Minute einem bis dato wenig inspirierten Auftritt neues Leben ein. „Großen Respekt vor den Jungs, vor allem wenn man unsere Personalsituation sieht“, sagt Trainer Jens Keller später, „wir haben fast mehr Spieler verletzt und gesperrt draußen gehabt, als gesund auf dem Platz oder der Bank.“

Doch Auftritte in eigener Sache fernab der Spielfläche sind nicht Pukkis Naturell. Seine blonden Locken wuseln sich irgendwie über den Kopf, seinen kleinen Rucksack hat der Finne geschultert, als er vor die Mikrofone tritt. Auf Nachfrage, wohlgemerkt. „In English, please“, bittet der Mann des Abends, der in diesem Augenblick aussieht wie ein Schuljunge auf dem Heimweg nach der Fußball-AG. Pukki will eins nämlich nicht: falsch verstanden werden. „Ich freue mich, 20 Minuten gespielt, ein Tor geschossen und einen Elfmeter herausgeholt zu haben“, erzählt er anschließend, und: „Wenn ich nochmal getroffen hätte und wir gewonnen hätten, wäre ich noch glücklicher.“

Huntelaar soll spätestens in zwei Wochen wieder im Kader stehen

Nachdem Teemu Pukki vor mittlerweile knapp zwei Jahren in der Qualifikation zur Europa League dreimal für Helsinki getroffen hatte, verpflichtete Schalkes Manager Horst Heldt den finnischen Nationalspieler. Der ergatterte sich mit seiner liebenswerten Art zwar sofort einen Platz in den Herzen der Fans, in der Mannschaft jedoch bis heute kaum mehr als die Rolle des Stürmers Nummer drei.

Gesetzt ist Klaas-Jan Huntelaar, der sich nach seiner Verletzung wieder im Einzeltraining befindet und spätestens in zwei Wochen wieder im Kader stehen soll. Spielt der Niederländer nicht, kommt Ciprian Marica zum Zug, dessen auslaufenden Vertrag Horst Heldt sogar um zwei Jahre verlängern möchte. Pukki? Kämpft darum, Marica in der Gunst des Trainers zu überholen, und wird sich über das Lob von Horst Heldt mächtig freuen: „Das war bärenstark. Er hat ja auch schon beim vergangenen Heimspiel gegen Hoffenheim getroffen“, sagt der Manager über den Mann, der bei zwölf seiner 14 Liga-Einsätze lediglich eingewechselt wurde.

Heiße Debatten über das 0:1

Gegen Bayer wird Pukki gemessen an Maricas Leistung, na ja, spät gebracht. Die einzige Szene, in welcher der Rumäne auffällt, ist jene, die zum Leverkusener 1:0 durch Simon Rolfes führt. Nach einem Kopfballduell mit Stefan Kießling bleibt Marica am eigenen Fünf-Meter-Raum liegen. Während Schalke auf die Spielunterbrechung wartet, flankt Lars Bender den Ball vor das Tor, wo Rolfes vollendet.

„Wie Leverkusen da reagiert hat, kommentiere ich nicht“, sagt Jens Keller entrüstet. „In England hätten sie über diese Szene gelacht. Wir in Deutschland haben das Problem, dass wir bei jeder Kleinigkeit den Ball ins Aus schießen - selbst wenn sich jemand die Fußnägel aufgerollt hat“, erklärt Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, der ehemalige Stürmer. Unverblümt und offensiv.