Stephan Schmidt: Warum der FC Schalke für Gänsehaut sorgt

Stephan Schmidt ist froh, dass er den Schritt aus der 2. Liga in die Schalker Knappenschmiede gemacht hat.
Stephan Schmidt ist froh, dass er den Schritt aus der 2. Liga in die Schalker Knappenschmiede gemacht hat.
Foto: Thomas Schmidtke
  • Schalkes neuer U17-Trainer Stephan Schmidt spricht über seinen Klub
  • Der Trainer hat in der Knappenschmiede unerwartete Dinge erlebt
  • Zu Huub Stevens hat Schmidt einen besonderen Draht

Gelsenkirchen.. Stephan Schmidt war Cheftrainer in der 2. Bundesliga beim SC Paderborn und bei Energie Cottbus, die U19 des VfL Wolfsburg führte der heute 39-Jährige vor fünf Jahren zur Deutschen Meisterschaft. Spieler wie Maximilian Arnold, Julian Brandt und Robin Knoche gingen durch seine Schule und holen sich auch heute gerne noch Rat bei ihrem Ex-Trainer, der seit einem Jahr ein Schalker ist. Fast unbemerkt trainiert Schmidt die U16 der Königsblauen in der Westfalenliga. Wir sprachen mit dem Fußballlehrer, der in der kommenden Saison für die Schalker U17 verantwortlich sein wird, über die Besonderheiten der Knappenschmiede, sein Buch „Im Glanz des vierten Sterns“ und Huub Stevens.

Herr Schmidt, Sie sind seit fast einem Jahr auf Schalke - wie fällt Ihre Bilanz aus?

Stephan Schmidt: Mein Fazit ist positiv. Ich habe gewusst, dass der FC Schalke eines der größten und besten Nachwuchsleistungszentren in Deutschland hat und dass die Knappenschmiede für sich einen großen Wert hat. Das hat sich im ersten Jahr bestätigt.

Wie zufrieden sind Sie mit Platz fünf in der Westfalenliga?

Stephan Schmidt: Die Tabelle steht nicht im Vordergrund. Unser Primärziel ist die individuelle Ausbildung, die Vorbereitung auf die U17-Bundesliga. Wir haben einige interessante Spieler mit Potenzial, werden aber auch noch auf der einen oder anderen Position etwas tun, um in der nächsten Saison in der U17-Bundesliga eine gute Rolle zu spielen.

Ihr Werdegang ist sicher ein ungewöhnlicher für einen Trainer, der bei zwei Vereinen in der 2. Bundesliga als Cheftrainer gearbeitet hat und bereits Deutscher U19-Meister war.

Stephan Schmidt: Für Außenstehende mag das so wirken. Trotz meiner vielfältigen Erfahrung bin ich ein junger Trainer, der noch viel lernen muss. Deswegen war der Wechsel in die Schalker Jugend für mich kein Schritt zurück, sondern ein Schritt zur Seite.

Sie haben im Jugendbereich bei Hertha BSC und Wolfsburg gearbeitet. Was ist auf Schalke anders?

Stephan Schmidt: Dazu fällt mir eine Anekdote ein: Mein Trainerbüro ist direkt über der Kabine meiner Mannschaft. Nach dem Training hörte ich Menschen, die laut singen. Ich konnte das nicht zuordnen und habe gedacht, dass Fans gekommen sind, die die Vereinshymne singen. Aber es waren meine eigenen Spieler, die lauthals „Blau und Weiß wie lieb ich Dich“ gesungen haben. Ich hatte in diesem Moment einfach nur Gänsehaut. Die Jungs leben den Verein intensiv. Das ist ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Stationen.

Der wohl bekannteste Jugendtrainer Deutschlands ist ein Kollege aus der Knappenschmiede, Norbert Elgert. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Stephan Schmidt: Ich halte Norbert Elgert für den besten Ausbilder in Deutschland. Wir kennen uns schon länger, denn wir sind 2012 im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft auch sportlich aufeinandergetroffen. Heute tauschen wir uns regelmäßig aus und ich schaue mir wenn möglich sein Training an. Daraus kann ich für meine Arbeit viel mitnehmen und freue mich, auf seine Erfahrung zurückgreifen zu können.

Sie haben bei Lucien Favre, Huub Stevens, bei Sporting Lissabon und dem FC Liverpool hospitiert. Was haben Sie aus diesen Hospitationen mitgenommen?

Stephan Schmidt: Mir geht es in erster Linie darum, andere Mentalitäten und Stile sowie Sichtweisen kennenzulernen, um den Fußball aus neuen Perspektiven zu betrachten. Daher habe ich im In- und Ausland hospitiert. Bisher konnte ich bei allen Stationen wertvolle Erfahrungen sammeln und habe viele interessante Menschen getroffen. Insbesondere im Ausland lernt man neue Denkstrukturen kennen, die man in seine eigene Arbeit mit einfließen lassen kann.

Haben Sie ein Vorbild?

Stephan Schmidt: Ich habe kein spezielles Vorbild, aber zu Huub Stevens habe ich immer noch einen persönlichen Draht und habe ihn auch schon einige Male um seinen Rat gefragt. Ich habe ihn als Trainer kennengelernt, als ich einige Male bei den Profis von Hertha BSC mittrainieren durfte. Ich habe hautnah miterlebt, wie er als Trainer wirkt. Huub Stevens verfügt nicht nur über ein enormes Fachwissen, sondern ist auch menschlich top. Er ist zu allen Mitarbeitern freundlich. Vom Präsidenten bis zur Putzfrau behandelt er alle mit großem Respekt.

 
 

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