So begründet Schalkes Heldt die Trennung von Boateng und Sam

Andreas Ernst, aufgezeichnet auf dem Trainingsgelände
Die Spieler Sidney Sam und Kevin-Prince Boateng sind auf Schalke mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Die Spieler Sidney Sam und Kevin-Prince Boateng sind auf Schalke mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Foto: Imago
Schalke-Manager Horst Heldt begründete ausführlich den Rauswurf von drei Spielern. Er sah das Vertrauensverhältnis bei Boateng, Sam und Höger gestört.

Gelsenkirchen. Sie haben am Sonntag Entscheidungen angekündigt - und einen Tag später Kevin-Prince Boateng, Sidney Sam und Marco Höger ganz oder vorübergehend freigestellt. Was sind die Gründe?

Horst Heldt: "Wir haben Boateng und Sam freigestellt, da wir das Gefühl haben, dass das Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist und die beiden Spieler uns in den letzten 14 Tagen nicht mehr helfen können. Wir hatten zudem ein Gespräch mit Marco Höger. Der ist für eine Woche suspendiert, weil wir auch da Zweifel hegen über die Loyalität gegenüber dem Verein. Er hat allerdings eine Woche Zeit, um nachzudenken. Wir werden am Sonntag wieder ein Gespräch führen und wollen dann gemeinsam mit ihm erörtern, ob es noch Sinn macht, über die Saison hinaus zusammenzuarbeiten."

Was ist unter Loyalität zu verstehen?

Heldt: "Alles zu geben im Sinne des Vereins. Es geht nicht um handelnde Personen, nicht um Roberto Di Matteo, Horst Heldt oder Clemens Tönnies. Wenn das gegenseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist, muss man die Konsequenzen ziehen."

Die Suspendierung von Marco Höger überrascht. Können Sie nähere Infos bekanntgeben?

Heldt: "Es ist klar, dass es Sie überrascht. Wir zweifeln auch, deshalb ist er erst einmal für eine Woche suspendiert. Was die Gründe für die Entscheidung sind, darüber kann man wild spekulieren. Das ist in Ordnung. Über Inhalte möchte ich keine Auskunft geben."

Gibt es für Sam und Boateng einen Weg zurück?

Heldt: "Nein. Bei Sidney ist es so, dass er von Beginn an zu kämpfen hatte mit Verletzungen. Und er hat ein weiteres Problem: Er hat keine positive Aura. Er beschäftigt sich nur mit sich selbst, sprüht nicht vor positiver Energie. Das können wir in den letzten 14 Tagen nicht gebrauchen."

Über den Sommer hinaus geht es nicht weiter - da haben wir Sie richtig verstanden?

Heldt: "Wir müssen das Problem lösen. Es geht nicht weiter. Das ist schade. Sidney hat in Leverkusen sehr, sehr gut gespielt. Das hat hier nicht funktioniert."

Wie war die Reaktion der Spieler?

Heldt: "Diese Gespräche gehen nur die Spieler und mich etwas an."

Sind das die letzten Maßnahmen vor dem Paderborn-Spiel?

Heldt: "Ich habe der Mannschaft mitgeteilt, dass es die ersten Maßnahmen gewesen sind, die ich nach Absprache getroffen habe. Natürlich werde ich mit dem Trainer bis zum Paderborn-Spiel genau beobachten, wie die Reaktion der anderen ist. Ich gehe davon aus, dass sie gemerkt haben, dass es ans Eingemachte geht, dass es auch jeden treffen kann."

Warum treffen Sie diese Entscheidung jetzt und verkaufen nicht die Spieler im Sommer heimlich, still und leise?

Heldt: "Hier geht es um Schalke 04, es geht um den Moment. Das Wichtige ist, dass wir noch die Europa League schaffen. Deswegen sind die Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt. Alles andere werden wir später klären."

Sie haben Sam und Boateng verpflichtet. Ist es auch für Sie eine persönliche Niederlage?

Heldt: "Es geht nicht um Fehler, es geht um Verantwortung. Ich bin als Manager und Sportvorstand verantwortlich, wenn es nicht läuft. Deshalb treffe ich Entscheidungen. Genauso bin ich verantwortlich für die Platzierungen der letzten Jahre."

Gab es auch Überlegungen, den Trainer zu wechseln?

Heldt: "Nein, es gab keine Überlegungen in die Richtung."