Schwere Zeiten für Schalke

Manfred Hendriock
Der entscheidende Moment: Benedikt Höwedes kann das Tor von Bastos nicht mehr verhindern.
Der entscheidende Moment: Benedikt Höwedes kann das Tor von Bastos nicht mehr verhindern.
Foto: REUTERS

Lyon. Zum vierten Mal in Folge hat Schalke 04 ein Pflichtspiel verloren. Die Königsblauen verloren zum Auftakt der Champions League bei Olympique Lyon mit 0:1.

„Wichtig“, sagt Felix Magath, „wichtig ist jedes Spiel - egal, ob das erste, zweite oder dritte.“ Doch wenn man gleich vier Spiele hintereinander verloren hat, ist das nun folgende fünfte unglaublich wichtig - gerade, wenn es sich um das brisante Derby am Sonntag gegen Dortmund handelt.

Gestern Abend verlor Schalke zum Auftakt der Champions League mit 0:1 bei Olympique Lyon. Es war die vierte Pflichtspiel-Niederlage in Folge, die aber umso ärgerlicher war, weil das entscheidende Tor von Bastos durch einen Schalker Fehler entstand, und weil die Gäste nach einer harten Roten Karte gegen Benedikt Höwedes schon vor der Pause fast aller Chancen beraubt waren.

Ein dicker Fehler von Youngster Christoph Moritz brachte Schalke auf die Verliererstraße. Dem 20-Jährigen war in der 21. Minute eine Kopfballrückgabe auf Manuel Neuer viel zu kurz geraten, Michel Bastos ging dazwischen, spitzelte den Ball am chancenlosen Schalker Torwart vorbei und schoss zum 1:0-Führungstreffer für Lyon ein. Auch der Rettungsversuch von Benedikt Höwedes kam um Sekundenbruchteile zu spät.

Moritz, der normalerweise im Mittelfeld spielt, kam diesmal anstelle von Christoph Metzelder als rechter Außenverteidiger zum Einsatz. Dies ist die größte Problem-Position im Schalker Spiel - hier probierte Magath in vier Partien gleich vier verschiedene Spieler aus (Matip, Uchida, Metzelder, Moritz).

Doch nach 38 Minuten kam es noch dicker für Schalke: Da nämlich sah Benedikt Höwedes nach einem Foul an Jimmy Briand sofort die Rote Karte - eine sehr, sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Ivan Bebek (Kroatien), weil der Innenverteidiger bis dahin nicht einmal verwarnt war. Es war bereits der zweite Platzverweis für Höwedes in dieser Saison, nachdem er zum Bundesliga-Auftakt in Hamburg Gelb-Rot gesehen hatte - in der gesamten vergangenen Saison hatten die Blauen nur einmal Rot gesehen. Schalke war fassungslos. Magath wechselte schon vor der Pause Joel Matip für den rumänischen Mittelfeldspieler Ciprian Deac ein, der völlig überraschend als Debütant in der Start-Elf gestanden hatte.

Schalke hatte sich kurz vor dem Platzverweis gerade eben von dem Rückstand erholt und Lyons Torwart Hugo Lloris einer ernsthaften Prüfung durch den Distanzschuss von Moritz unterzogen (33.). Überhaupt waren die Gäste ganz gut ins Spiel gekommen. Jefferson Farfan, der für Edu wieder in der Elf stand, gab nach zehn Minuten den ersten Warnschuss ab, doch fischte Lloris den Ball aus dem Winkel. Und nach dem anschließenden Eckball kam Farfan völlig frei zum Kopfball, setzte die Kugel aber übers Tor.

Magath raufte sich die Haare

Magath raufte sich auf der Bank die Haare ob dieser vergebenen Chancen - denn er hatte darauf gehofft, dass ein Führungstreffer befreiende Wirkung haben würde. In den vergangenen Spielen musste seine Mannschaft immer einem Rückstand hinterher laufen, und deswegen war der Moritz-Patzer zum 1:0 für Lyon so ärgerlich. Es war die erste Chance in diesem Spiel überhaupt für die Franzosen, die genau wie Schalke in der Liga einen schlechten Saisonstart erwischt haben und gestern Abend zu packen gewesen wären.

Es war kein Hurra-Fußball im Stade de Gerland, aber Schalkes Mittel waren in Unterzahl eben begrenzt. Chancen zum Ausgleich gab es kaum noch - die Stürmer Raul und Huntelaar standen auf verlorenem Posten.