Schalkes Realität - Grausamer Fußball und schreiende Konzeptlosigkeit

Manni Breuckmann
Manni Breuckmann
Manni Breuckmann
Foto: IMAGO
Die Realität des FC Schalke 04 besteht aus überwiegend grausamem Fußball, neurotischem Kaufzwang und schreiender Konzeptlosigkeit. Ein Ende des Schreckens ist (noch) nicht abzusehen, meint unser Kolumnist Manni Breuckmann.

Essen. Wir schreiben den 21. Mai. Nach dem Pokalfinale im Berliner Olympiastadion erleben die Journalisten einen aufgeräumten Schalker Trainer Felix Magath. „Unseren Pokaltriumph über den MSV Duisburg werte ich als Abschluss einer positiven Saison. Wie schön, dass Karimi und Charisteas die entscheidenden Tore geschossen haben.“ Ein tiefer Schluck aus der Teetasse. „Der achte Platz in der Liga war bestimmt nicht das Gelbe vom Ei. Aber wir hatten mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Zum Auftakt der Rückrunde ein Heimspiel, das Loch im Arena-Dach, meine Spieler waren verunsichert.“

Grummeln bei den Pressevertretern. „ In der Champions-League haben wir allerdings gezeigt, wozu die Mannschaft in der Lage ist. Nach großem Kampf im Viertelfinale gegen Inter Mailand auszuscheiden, das war aller Ehren wert.“ Endlich: Magaths vermeintlich hintergründiges Lächeln. „Wir sind international dabei, unser Hauptsaisonziel ist erreicht.“

Magath lehnt sich entspannt zurück, Fragen werden keine gestellt. Warum auch? Die blau-weiße Welt ist in Ordnung. Klar: Die Zitate sind erfunden, den Pokalerfolg wird es wahrscheinlich nicht geben. Das tut den Schalkern weh, aber: Ein unverklärter Blick auf die blau-weiße Realität bleibt möglich. Und die besteht aus überwiegend grausamem Fußball, neurotischem Kaufzwang, Aufstellungen wie aus dem experimentellen Theater und schreiender Konzeptionslosigkeit. Die Wochen vor der Winterpause waren nur eine Fata Morgana. Ein Ende des Schreckens ist (noch) nicht abzusehen.