Schalkes Raúl bleibt daheim

Manfred Hendriock
Schalke 04 verzichtet im Europa-League-Qualifikationsspiel in Helsinki auf den spanischen Star Raúl - angeblich, um ihm den Kunstrasen zu ersparen. Ein Wechsel würde S04 nicht unvorbereitet treffen. Nachfolge-Kandidat ist Freiburgs Cissé.

Helsinki. Der Flugkapitän der AB 1104 hatte alles hergerichtet. Vor dem Start am Flughafen in Münster-Osnabrück wehte sogar eine große Schalke-Fahne aus dem Cockpit und an Bord begrüßte er in sehr vertrautem Ton das Personal vom „geilsten Klub der Welt.“ Wer aber nicht dabei war, war Raúl. Als die Schalker Mannschaft sich am Mittwoch zum Europapokalspiel an diesem Donnerstag (18.30, Sport 1 live und im DerWesten-Ticker) in Helsinki aufmachte, trainierte der Superstar gerade zu Hause mit einer kleinen Gruppe der Daheimgebliebenen.

Trainer Ralf Rangnick hatte für die Reise nach Finnland auf Raúl verzichtet, und man musste schon viel königsblaue Fantasie aufbringen, um darin keine Fortsetzung der Geschichte um einen möglichen Wechsel des spanischen Spielers zu sehen. Stimmt nicht, behauptete jedoch Manager Horst Heldt: „Das ist eine rein sportliche Entscheidung, die mit den Ereignissen vom Dienstag nicht ansatzweise etwas zu tun hat.“

Vor der Abreise am Mittwochmorgen hatte Rangnick mit Raúl ein kurzes Gespräch geführt und den Spieler darauf hingewiesen, dass die Partie in Helsinki auf Kunstrasen ausgetragen wird. „Raúl“, berichtete Rangnick danach, „hat mir zu verstehen gegeben, dass er in der Vergangenheit mit seinen Knien und Sprunggelenken Probleme auf Kunstrasen hatte.“ Deswegen sei man überein gekommen, dass der 34-Jährige die Reise nach Finnland nicht mitmachen muss – eine Entscheidung, die Raúl „nicht unrecht gewesen“ sei.

Dass Raúl zu Hause geblieben ist, birgt ohne Zweifel jede Menge Pikanterie: Mit einem Einsatz in Helsinki hätte sich Raúl für diese Europapokal-Saison für Schalke fest gespielt. Wenn der Spanier, dessen Vertrag ohnehin 2012 ausläuft, doch noch zu einem anderen Verein wechseln sollte, so dürfte er zumindest bis zur Winterpause für diesen Klub nicht international spielen. Durch sein Fehlen in Helsinki bleibt diese Tür zu einem anderen Verein für Raúl, der die Champions League über alles liebt, nun weiterhin offen.

Schalkes Manager Horst Heldt versichert freilich, dass dieser Gedanke keine Rolle gespielt habe: „Wenn es einen Verein geben würde, der international spielt und Interesse an Raúl hätte, dann hätte er sich sicher schon gemeldet“, vermutet der Manager. Indes: Die Transferfrist läuft erst am 31. August ab – und eine Absage an die Blackburn Rovers muss nicht das Ende aller Angebote sein.

Um die Kuh endgültig vom Eis zu bekommen, wird Schalke direkt nach der Rückkehr aus Finnland und noch vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag in Mainz (15.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker) ein persönliches Gespräch mit Raúl führen und ihm dabei auch sagen, was aus Sicht des Vereins in den vergangenen Wochen schief gelaufen ist. Heldt kann nicht ausschließen, dass sich Raúl tatsächlich mit dem Gedanken trägt, seine Zelte auf Schalke abzubrechen. Nach dem derzeitigen Stand werde der Starspieler bleiben, „alles andere steht in den Sternen und ist von keinem zu beantworten.“ Ein für alle Beteiligten unbefriedigender Schwebezustand.

Kandidat Cissé

Heldt bestätigt, dass Schalke ein Wechsel nicht unvorbereitet treffen würde: „Wir spielen natürlich auch verschiedene Szenarien durch, das ist klar.“ Als möglicher Nachfolge-Kandidat gilt immer noch der Freiburger Torjäger Papiss Demba Cissé: Die Konditionen für einen Wechsel hat Schalkes Manager schon vor Wochen abgeklopft – damals hatte der Verein allerdings kein Geld für die Verpflichtung von Cissé.

Trainer Rangnick glaubt nicht, dass die anhaltenden Diskussionen um den Star bereits negative Auswirkungen auf die Mannschaft gehabt haben – schließlich hat sich Raúl sportlich bisher nichts zu schulden kommen lassen. Aber er räumt ein, dass die Unsicherheit um Raúl auch eine Rolle gespielt habe bei seiner Entscheidung, den Spieler nicht mit zur Europacup-Reise nach Helsinki zu nehmen: „Es tut allen Beteiligten gut, wenn da jetzt mal ein bisschen Ruhe reinkommt.“