Schalkes Neuer Sascha Riether ist Meister ohne Meisterprämie

Christoph Winkel
Hoch das Bein: Auch mit 32 Jahren ist Sascha Riether noch topfit. Gegen Werder Bremen schenkte André Breitenreiter ihm das Vertrauen. Wie es heute gegen Darmstadt aussieht, weiß Riether noch nicht.
Hoch das Bein: Auch mit 32 Jahren ist Sascha Riether noch topfit. Gegen Werder Bremen schenkte André Breitenreiter ihm das Vertrauen. Wie es heute gegen Darmstadt aussieht, weiß Riether noch nicht.
Foto: imago/Team 2 Imago
Sascha Riether wechselte mit 32 Jahren vom SC Freiburg zum FC Schalke 04. Der Rechtsverteidiger will nicht nur auf dem Platz Verantwortung übernehmen.

Gelsenkirchen. Sascha Riether ist der erfahrenste Profi im Schalker Team. Doch eine Heimspielpremiere auf Schalke kann auch nach 13 Profijahren keine Routine sein. Schalke ist eben Schalke. „Es kribbelt“, sagt der 32-Jährige. Im Interview verrät der Rechtsverteidiger, warum es erst im dritten Anlauf mit einem Wechsel zu den Königsblauen geklappt hat. Und warum Trainer André Breitenreiter der richtige Mann ist.

Wissen Sie eigentlich, dass Sie schon etwas in den Händen gehalten haben, um das Sie jeder Schalker wahnsinnig beneidet?

Sascha Riether: Ehrlich gesagt, nein!

Dann beschreiben Sie doch bitte mal, wie sich 2009 in Wolfsburg die Meisterschale angefühlt hat?

Riether: Ach so, ja! Sehr schön fühlt sie sich an. Ich war aber überrascht, wie schwer sie ist. Wenn man im Fernsehen sieht, wie die Spieler mit der Schale jubeln, sieht das immer so locker aus. Dann bekommt man die selbst in die Hand gedrückt und merkt erstmal, wie schwer die eigentlich ist. Aber bei der ganzen Freude ist es dann kein Problem, die elf Kilo hochzustemmen.

In den Gesprächen mit Horst Heldt und André Breitenreiter wird es vermutlich aber nicht um die Meisterschale gegangen sein, oder?

Riether: So ist es. Nach der letzten Saison und dem Trainerwechsel ist es wichtig, dass das Team sich findet und den Fans gegenüber gut präsentiert. Das war in den beiden Spielen gegen Duisburg und Bremen schon gut. Jetzt ist es wichtig, dass wir diese Mentalität beibehalten.

Haben Sie denn zumindest eine Meisterprämie ausgehandelt?

Riether: Nein, eine Meisterprämie habe ich nicht ausgehandelt. Aber nicht deshalb, weil ich unserer Mannschaft die Meisterschaft nicht irgendwann einmal zutraue, sondern weil ich auf Schalke erst einmal Fuß fassen möchte. Wenn wir dann aber doch mal Deutscher Meister werden sollten, wäre der Verein bestimmt in der Lage, noch was zu tun.

Wie haben Sie das Chaos beim FC Schalke 04 in der vergangenen Saison wahrgenommen?

Riether: Was in der letzten Saison war, zählt für mich nicht. Schalke ist ein großer Klub – in Deutschland und in Europa. Wenn Schalke dann anklopft, dann überlegt man nicht lange. Für mich ist es eine Ehre, hier spielen zu dürfen. Ich versuche, mein Bestes zu geben und mich so in die Mannschaft einzubringen, dass die neue Saison erfolgreicher als die letzte wird.

Wie wollen oder sollen Sie sich denn einbringen?

Riether: Ich wurde als erfahrener Spieler geholt, der nicht nur auf dem Platz alles gibt. Ich bringe mich auch außerhalb des Platzes ein. Wenn vielleicht mal ein Schlendrian kommt, so wie es im letzten Jahr der Fall war, dann werde ich versuchen, einzugreifen. Aber das musste ich zum Glück hier bislang noch nicht. Die ersten beiden Saisonspiele sind gewonnen, alle machen einen sehr konzentrierten Eindruck und entsprechend sind wir bislang zufrieden.

Warum hat es erst im dritten Anlauf mit dem Wechsel nach Schalke geklappt?

Riether: Das ist ganz einfach. Die Vereine haben mich nicht gehen lassen, ihr Veto eingelegt. Zum ersten Mal war das zu Wolfsburger Zeiten, als Ralf Rangnick mich nach Schalke holen wollte. Felix Magath wollte das aber zu dem Zeitpunkt nicht. Nach meinem ersten Jahr in Fulham wollte Horst Heldt mich dann verpflichten. Aber dann haben die Verantwortlichen in Fulham gesagt, dass sie mich nicht gehen lassen.

Jetzt sind Sie aber endlich ein Schalker und wahrscheinlich sehr stolz darauf.

Riether: Ja, absolut. Wenn man in die Arena einläuft, ist das immer eine Riesensache. Das war schon als Gegner der Schalker so. Jetzt bin ich auf der anderen Seite, da ist es umso schöner. Die Saisoneröffnung war ja schon der Wahnsinn. Jetzt haben wir das erste Heimspiel gegen Darmstadt, es kribbelt schon. Ich hoffe, dass wir die Zuschauer mit unserer Leistung mitnehmen und sie dann dafür sorgen, dass eine Riesenstimmung herrschen wird. Dafür sind allein wir Spieler verantwortlich.

Mit André Breitenreiter scheint der Verein einen Trainer verpflichtet zu haben, der zum FC Schalke 04 passt.

Riether: Ja, André Breitenreiter kann einen Spieler auch mal in den Arm nehmen. Er ist jetzt nicht der Trainer, der so sehr distanziert ist. Der Trainer ist einer, der auf Augenhöhe mit einem redet. Aber nicht nur mit den Spielern, auch den Fans begegnet er so. Ich denke, das kommt hier auf Schalke sehr gut an.

Wie verstehen Sie sich mit Junior Caicara, mit dem Sie aktuell um den Platz hinten rechts in der Viererkette kämpfen?

Riether: Junior und ich verstehen uns gut, ich übersetze auch immer gerne auf Englisch in der Kabine für ihn, wenn irgendwas unklar ist. Konkurrenz gibt es überall. Aber das eine ist der Fußball und das andere ist die persönliche Beziehung. Da gibt es keinerlei Probleme.

Haben Sie denn schon eine Ahnung, wer gegen Darmstadt als Rechtsverteidiger auflaufen wird?

Riether: Nein, ich weiß noch gar nichts.

Sascha Riether hat in Gelsenkirchen schon ein Zuhause gefunden 

Haben Sie in Gelsenkirchen eigentlich schon ein Zuhause gefunden?

Riether: Ich wohne noch im Hotel, aber wir haben schon was Schönes in Gelsenkirchen gefunden. Meine Freundin beneide ich im Moment nicht, sie organisiert gerade den Umzug.

Sie hatten auch eine schöne Zeit bei Fulham in der Premier League. Ist der englische Fußball der bessere?

Riether: Das ist schwer zu sagen, weil der Fußball ein ganz anderer ist. In Deutschland stehen mehr die Mannschaft, der Teamgeist und die Taktik im Vordergrund. In England hast du mehr Platz auf dem Feld, weil der ein oder andere Spieler vielleicht nicht immer mitmacht. In Deutschland liegt der Fokus schon darauf, dass sich alle elf Spieler immer einbringen. In England haben eben auch die kleinen Vereine wahnsinniges Geld, daher ist die Qualität der Spieler noch höher. Ein Verein, der aufgestiegen ist, kann für 50 Millionen Euro Spieler kaufen. Das ist in Deutschland undenkbar.

Auf Schalke tragen Sie die Trikotnummer 27. Hat das einen Grund?

Riether: Mir wurden von Schalke die Trikotnummern zugeschickt, die noch frei waren. Mit der Nummer 22 habe ich meine Karriere damals in Freiburg begonnen, die ist aber schon an Atsuto Uchida vergeben. Die 27 war aber noch frei, die habe ich beim FC Fulham getragen und sie hat mir dort Glück gebracht. Ich bin, wie wahrscheinlich jeder Fußballer, eben auch ein bisschen abergläubisch.