Schalkes Max Meyer hat auch mit 18 Jahren noch Träume

Ralf Wilhelm
Auch Jubeln will gut durchdacht sein: Schalkes Max Meyer nach seinem Premierentreffer in der Bundesliga zum 4:1-Endstand..
Auch Jubeln will gut durchdacht sein: Schalkes Max Meyer nach seinem Premierentreffer in der Bundesliga zum 4:1-Endstand..
Foto: Jürgen Schwarz/Bongarts
Nach seinen Debüt-Toren im DFB-Pokal und in der Bundesliga hofft Schalkes Youngster Max Meyer demnächst auf seine Torpremiere in der Champions League. Sein Torjubel nach seinem 4:1 war genau geplant. Manager Horst Heldt hofft in zwei Wochen in Braunschweig auf das Comeback von Klaas-Jan Huntelaar.

Gelsenkirchen. Klar, nach so einem ereignisreichen Nachmittag wollte der Youngster keine Zeit in der Kabine verplempern. Mit kleinen Schweißperlen auf der Stirn und glänzenden Augen erschien Max Meyer frisch geduscht vor den Kameras und Mikrofonen. Kurz zuvor war dem Talent sein erster Bundesligatreffer gelungen. Fast hätte er die Chance in der 86. Minute zum 4:1-Endstand gegen den FC Augsburg noch verstolpert, doch irgendwie brachte er seinen schon enteilten Fuß noch hinter den Ball und diesen am verdutzten Torhüter Alexander Manninger vorbei.

Danach lief er mit ausgebreiteten Armen Richtung Eckfahne, als wolle er die ganze Schalker Fangemeinde umarmen. Nicht ganz spontan, wie er in bemerkenswerter Offenheit hinterher zugab: „Ich musste einen außergewöhnlichen Jubel wählen. Es war schließlich mein erstes Bundesligator, ich glaube, dass ist mir ganz gut gelungen.“ Es waren zuletzt ereignisreiche zwei Wochen im Leben des Teenagers. Erst der 18. Geburtstag, dann sein erster Pokaltreffer in Darmstadt, nun das erste Ausrufezeichen in der Liga. „Es könnte nicht schöner sein, ein Tor in der Champions League fehlt noch“, meinte er spitzbübisch. Ja, auch mit 18 hat man noch Träume.

Der Samstagabend des Max Meyer war jedenfalls gerettet, ganz in Ruhe auf der Couch wollte er sich die Szene in der 86. Minute noch ein paar Mal ansehen. Sollte er dabei seinen Festplatten-Receiver vorspulen müssen, kann er weite Teile in der zweiten Hälfte bewusst durchlaufen lassen. Das, was dort wie ein Standbild anmutet, war ziemlich viel Leerlauf der in Überzahl recht lauffaul aufspielenden Schalker, die sich zu sehr auf ihre 2:1-Führung ausruhten. Die Schlüsselszene der Partie hatte es schließlich schon in der 15. Minute gegeben, Elfmeter gegen und Platzverweis für den Augsburger Ragnar Klavan nach seinem Zupfer als letztem Mann gegen Adam Szalai, was den championsleaguemüden Schalkern prächtig in die Karten spielte und das allgemeine Kopfschütteln ob der Doppelbestrafung provozierte.

Gästetrainer Weinzierl vermisst den Mumm beim Schiedsrichter

„Jeder hat die Schlüsselszene gesehen. Auch nach der Halbzeit hatten wir uns noch viel vorgenommen. Es war möglich, wenn der Schiedsrichter mehr Mumm gezeigt und Elfmeter für uns gepfiffen hätte, dann hätte ich die Zuschauer hier hören wollen“, bemerkte Gästetrainer Markus Weinzierl hinterher einigermaßen zerknirscht. In der Tat schaute Schiedsrichter Marco Fritz wohl weg, als Felipe Santana den Augsburger Tobias Werner klar im Strafraum traf – und keinesfalls den Ball.

Aber auch so murrte das zahlende Publikum ob einiger lahmer Passagen im Schalker Angriffsspiel, die sehr umständlich und teilweise aus dem Stand gegen die dezimierten Gäste agierten. Hinterher murrten die Akteure über die trotz des 4:1-Sieges klar hörbaren Misstöne: „Das ist Schalke, wenn wir nicht spielen wie Barcelona oder Bayern, dann sind sie hier gleich unzufrieden“, wagte sich Kevin-Prince Boateng aus der Deckung, während Manager Horst Heldt wieder einmal ganz diplomatisch die Reaktion des Publikums als völlig in Ordnung einstufte, immerhin hatte aber auch er „keinen Zauberfußball gesehen.“

Manager Horst Heldt sieht Länderspielpause mit gemischten Gefühlen

Dem Manager ist der Kräfteverschleiß der letzten Tage natürlich nicht verborgen geblieben, und auch der Länderspielpause kann er nichts Gutes abgewinnen: „Das ist ja auch wieder mit Reisestrapazen verbunden, eine Erholung sieht anders aus.“ Zumindest bringt die Liga-Pause den Rekonvaleszenten wichtige Zeit auf dem Weg zu ihren Comebacks. Auf Klaas-Jan Huntelaar hofft Horst Heldt bereits schon wieder beim nächsten Auswärtsspiel in Braunschweig (Samstag, 19. Oktober, 15.30 Uhr, live in unserem Ticker). Und auch Kyriakos Papadopoulos mache Fortschritte. Jeder Rückkehrer sei bei dem „Schlag-auf-Schlag-Programm“ (Chelsea, Dortmund) herzlich willkommen.