Schalkes Kremers-Zwillinge feiern ihren 65. Geburtstag

Ralf Wilhelm
Alte Zeiten in der Glückauf-Kampfbahn: Erwin Kremers (von Links), Trainer Ivica Horvat und Helmut Kremers.
Alte Zeiten in der Glückauf-Kampfbahn: Erwin Kremers (von Links), Trainer Ivica Horvat und Helmut Kremers.
Foto: dpa
Schalkes berühmte Fußball-Zwillinge Erwin und Helmut Kremers talken in unserem Interview über die glorreichen Siebziger Jahre, ihr Verhältnis zu Clemens Tönnies und Peter Peters, Uli Hoeneß und die Gedanken zum 65. Geburtstag, der Montag gefeiert wird.

Gelsenkirchen. Sie waren der Schwarm aller Mädchen und es gab sie sogar als Bravo-Starschnitt. Noch heute sind sie die fußballerische Antwort auf die Kessler-Zwillinge. Erwin und Helmut Kremers, die berühmten Zwillinge des FC Schalke 04, feiern am kommenden Montag ihren 65. Geburtstag.

Die 65 ist für viele der Übergang ins Rentenalter. Wie ist es bei Ihnen?

Helmut Kremers: Es geht alles so weiter wie bisher. Früher konnte man sich das gar nicht vorstellen und man dachte, Mann, sind das alte Leute. Aber das hat sich ja gewandelt.

Erwin: Zu erst einmal muss man dankbar sein, die 65 erreicht zu haben. Es war eine wunderschöne Zeit, in der man viel erleben durfte.

Was machen Sie denn heute noch so?

Helmut: Ich habe ein Unternehmen, die K&K Projektentwicklung, wir kümmern uns um Immobilien, aber betreuen auch rund 20 junge Fußballer zwischen 15 und 22 Jahren, das mache ich mit meinem Sohn Mano.

Erwin: Ich bin Privatier und arbeite sehr viel in Sachen Golf-Charity.

Aber im Fußball sind Sie nicht mehr beschäftigt, oder?

Erwin: Ich bin stolz darauf, sagen zu können: Das war’s für mich, ich habe den Absprung geschafft und ich habe mich über 20 Jahre nun erfolgreich versteckt.

Gibt es denn noch Kontakt zum FC Schalke 04?

Erwin: Der ist nach wie vor da, aber nicht jeden Samstag. Ich war zuletzt gegen die Bayern da, aber das Theater und die feindselige Stimmung gegen Manuel Neuer haben mich abgeschreckt, das war teilweise bösartig, was die Fans dort abgezogen haben.

Helmut: Ich sehe im Jahr vielleicht fünf, sechs Schalke-Spiele. Das genieße ich, vor allem das Treffen mit den ehemaligen Spielern. Wir haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zu Clemens Tönnies oder Peter Peters.

Uli Hoeneß, den Gambler, kenne ich nicht

Sie waren früher Idole auf Schalke, wie ist es heute um die Spieler bestellt?

Erwin: Bitte keine Vergleiche, das war was ganz anderes, eine andere Zeit.

Helmut: Sagen wir mal so: Wenn man Fußball spielen konnte, hat es noch nie geschadet – damals wie heute. Und tabellarisch ist es ja absolut in Ordnung.

Erwin: Ich hoffe, wir kriegen keine spanischen Verhältnisse. Allerdings muss man sagen, dass die Bayern sich den Vorsprung auch verdient haben. Und das ist alles mit einem Namen verknüpft: Uli Hoeneß.

Gutes Stichwort, was sagen Sie zu den jüngsten Vorfällen um ihn?

Erwin: Also, es gibt drei Uli Hoeneß: Der erste ist ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch. Der zweite hat die Bayern zu dem gemacht, was sie sind. Und der dritte, der Gambler, den kenne ich nicht, das war schon ein Hammer!

Helmut: Ich kann auch nur Positives berichten. Wir treffen uns ein-, zweimal im Jahr, zuletzt beim Spiel in Mönchengladbach, da gab er sich kämpferisch und hat sich kein bisschen verändert.

Erwin: Diese ganzen dummen Kommentare, die jetzt kommen, die mag ich gar nicht. Diese Häme in Deutschland, schlimm.

Sie kennen sich alle aus den guten alten siebziger Fußballjahren, als die Welt noch in Ordnung war.

Helmut: Ach was, ich hab immer das Gefühl, dass sich die Spieler heute untereinander viel besser verstehen.

Erwin: Heute haben es die Spieler besser. Früher ging es rauer bei den Positionskämpfen zu, da ist doch schon einer jubelnd draußen hochgesprungen, wenn sich auf dem Rasen sein Konkurrent verletzt hat. Auch die Trainer haben heute einen anderen Stellenwert. Allerdings: Heute dürfen die Spieler ja gar nicht mehr offen reden, haben einen Vereinsvertreter neben sich, der auf jedes Wort achtet. Mir hätte man damals nicht den Mund verbieten dürfen.

Wir durften wenigstens noch ausgehen

Also doch die gute alte Zeit?

Helmut: Nun ja, wir durften nach dem Fußball wenigstens noch ausgehen und unseren Spaß haben, heute haben sie alle Handys und man wird sofort abgelichtet.

Und welchen Preis hat man damals für die Karriere bezahlt?

Erwin: Also, ich kann behaupten, ich bin absichtlich kaputt getreten worden, habe körperliche Schäden davongetragen. Da gab es Spieler, da wusstest du bei der Ballannahme, gleich tritt er dich um.

Helmut: Auch mein Knie ist kaputt, richtiger Sport ist nicht mehr möglich.

Wird es denn nochmal was mit der Schalker Meisterschaft?

Erwin: Ich hoffe, dass wir das noch mal erleben, aber ich glaube nicht mehr dran.

Helmut: Ganz realistisch gesehen, haben andere einen uneinholbaren Vorsprung sich erarbeitet, aber natürlich würde es mich freuen.

Zum Abschluss noch die Frage: Kann man sich als Zwilling nach 65 Jahren noch leiden?

Erwin: Wir telefonieren täglich miteinander. Die Anrufe sind allerdings legendär: Sie dauern fünf Sekunden und lauten „Wie geht’s – gut – dann ist ja gut – gibt’s was Neues – nö – großartig“ und tschüss.

Helmut: Wie in einer guten Ehe, wo man sich auch nichts mehr zu sagen hat. Aber mehr Segen als Fluch ist es schon bei uns.