Schalkes Jones will sein Image als Karten-König loswerden

Manfred Hendriock
Jermaine Jones beim Schalker Trainingslager in Donaueschingen. (Foto: imago)
Jermaine Jones beim Schalker Trainingslager in Donaueschingen. (Foto: imago)
14 Gelbe Karten in 20 Einsätzen - das ist die Bilanz von Jermaine Jones in der vergangenen Spielzeit. Für seinen Tritt gegen Marco Reus war er für sechs Spiele gesperrt. An diesem Image will der Schalker Jones, der neben anderen als künftiger Kapitän der Königsblauen gehandelt wird, nun arbeiten.

Donaueschingen. Manchmal, sagt Jermaine Jones, findet er es „lustig“, was über ihn so alles geredet wird: Zum Beispiel, wenn er jetzt wieder als künftiger Kapitän von Schalke 04 gehandelt wird. „Ich war so oft abgeschrieben“, sagt der 30-Jährige. Aber immer ist er wiedergekommen. Lustig findet er auch das.

Jermaine Jones gilt als einer der härtesten Typen der Bundesliga – vielleicht sogar als der härteste überhaupt. In der vergangenen Saison hat er bei nur 20 Einsätzen 14 Gelbe Karten gesehen. Dass es nicht mehr Bundesliga-Spiele waren, lag auch an seinem Tritt gegen Marco Reus, für den er sechs Spiele gesperrt wurde. Den Tritt gegen Reus hat er längst bereut – und nun will Jones auch noch sein schlechtes Image als Karten-König der Liga loswerden. „In der kommenden Saison werde ich nicht mehr als fünf Gelbe Karten kassieren“, verspricht Jones, und muss dabei kaum mit der Wimper zucken: „Eine Sperre ist okay – mehr aber nicht.“

Jones: „Andere Spieler kriegen nicht so schnell Gelb wie ich“

Als der Mittelfeldspieler im Trainingslager in Donaueschingen Schalkes Manager Horst Heldt von seinem guten Vorsatz erzählte, hielt der Jones fast für verrückt und entgegnete: „Das schaffst du nicht.“ Deswegen wollen beide jetzt eine Wette darüber abschließen. „Wir überlegen uns gerade den Einsatz“, berichtet Jones, „der Verlierer zahlt auf jeden Fall für einen guten Zweck.“ Jones hatte bereits für seinen Tritt gegen Reus eine fünfstellige Summe an ein Kinderheim in Herne überwiesen – doch diesmal soll Schalkes Manager die Spende zahlen.

Jones will mit Aktionen wie diesen auch seinen Ruf aufpolieren – sein schlechtes Image bei den Schiedsrichtern in Deutschland sei ein Problem. „Andere Spieler kriegen nicht so schnell Gelb wie ich“, sagt er, bei seinen Einsätzen für die US-amerikanische Nationalmannschaft würde er kaum einmal verwarnt. Er weiß aber auch, dass er sein Spiel ändern muss, wenn er die Wette gewinnen will: „Ich muss cleverer werden und öfter ins Laufduell gehen, anstatt zur Grätsche anzusetzen. In der Liga gibt es ja nicht viele Spieler, die mir weglaufen können.“

Stevens will Kapitän zur Ende der Vorbereitung bestimmen

Eines muss man Jones lassen: An Selbstvertrauen hat es ihm nie gemangelt. Selbst manchen Trainern war er mit seiner Art nicht ganz geheuer: Felix Magath schob ihn in Schalke zu den Amateuren ab, auch Ralf Rangnick konnte mit ihm wenig anfangen, während er zuvor unter Fred Rutten teilweise sogar Kapitän war. „Der eine Trainer hat mich gemocht, der andere ein bisschen und manche gar nicht“, weiß Jones. Huub Stevens zählt zur Kategorie der Pragmatiker und weiß, dass ein Jones in Bestform für ihn wichtig ist. Und deswegen würde es nicht wundern, wenn er die Position des Mittelfeldspielers noch weiter stärken würde.

Zum Ende der Vorbereitung will Stevens den Kapitän bestimmen – auch, nachdem er sich mit Benedikt Höwedes darüber ausgetauscht hat, warum der in der vergangenen Saison als Kapitän nicht sein bestes Jahr auf Schalke gespielt hat. Dafür könnte es viele Gründe geben, sagt Stevens, und einer könnte auch sein, dass sich Höwedes als Kapitän womöglich zu sehr unter Druck gesetzt hat.

Nun ja, seinem möglichen Nachfolger würde das nicht so gehen. „Ich bin kein Spieler, der unter dieser Last zusammenbricht“, sagt Jones. Lustig, wie es manchmal kommen kann.