Schalkes Huntelaar hat die Meisterschale im Visier

Klaas-Jan Huntelaar fühlt sich auf Schalke richtig wohl - ob er seinen bis 2013 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern will, verriet er im Interview mit DerWesten nicht. Wir haben im Trainingslager in Katar mit Huntelaar über Klaus Fischer, Huub Stevens, den FC Bayern und seinen Vertrag gesprochen.

Doha. Klaas-Jan Huntelaar sieht ganz schön geschafft aus, das Trainingslager hat Kraft gekostet – in einer Woche hat er fast drei Kilo abgenommen. Doch hier in Katar hat Huntelaar mit Schalke geschuftet, um in dieser Saison noch richtig was zu erreichen: Die Bayern sind in Sichtweite – und der Torjäger kann einen Uralt-Rekord brechen.

Direkt nebenan haben hier in Doha bis vor kurzem die Bayern gewohnt: Haben Sie mal Arjen Robben getroffen?

Klaas-Jan Huntelaar: Nein, wir sehen uns ja bei der Nationalelf. Manuel Neuer war aber mal hier. Sonst haben wir in der Freizeit viel mit unserer Mannschaft gemacht, abends zum Beispiel Kartenspielen.

Und Sie haben wie immer gewonnen…

Huntelaar: Leider nicht. Diesmal habe ich viel verloren.

Dabei sagt Manager Horst Heldt doch sonst immer, dass er Sie gewinnen lässt, damit Sie Ihren guten Lauf behalten: In der Hinrunde haben Sie für Schalke in drei Wettbewerben 26 Tore erzielt. Erklären Sie mal diese sagenhafte Form.

Huntelaar: Ich habe jetzt die Stabilität, die mir vor einem Jahr noch fehlte – ich weiß genau, was ich auf dem Platz habe und was ich machen muss. Wenn du neu bist in der Bundesliga, so wie ich vor einem Jahr, dann musst du dir alles erstmal anschauen. Nun weiß ich, wie es im deutschen Fußball läuft.

Im nächsten halben Jahr können sie sogar Schalker Geschichte schreiben und einen Rekord brechen: In der Saison 1975/76 hat Klaus Fischer in der Bundesliga 29 Tore erzielt – Sie liegen zur Halbzeit bei 15…

Huntelaar: Klar, dieser Rekord ist ein schönes Ziel, aber erst will ich mit der Mannschaft etwas erreichen – danach geht es um persönliche Dinge und da ist der Rekord eine Extra-Motivation. Klaus Fischer habe ich einmal getroffen, und es ist schön zu hören, dass er es mir zutraut, seine Bestmarke zu brechen. Denn natürlich will jeder den Rekord behalten. Er selbst hat es ja super gemacht in seiner Zeit für Schalke.

Ihr eigener Vertrag läuft noch bis 2013, Manager Heldt möchte ihn vorzeitig verlängern. Können Sie sich das vorstellen?

Huntelaar: Ich habe auch gelesen, was Horst Heldt gesagt hat, und wenn er mir ein Angebot macht, höre ich mir das an. Ich fühle mich auf Schalke richtig wohl, aber mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen.

Sie haben eine Ausstiegsklausel für 20 Millionen Euro Ablösesumme. Reizt es Sie, noch einmal zu einem ganz großen Verein wie Real Madrid oder AC Mailand zu gehen, wo Sie nicht so gute Erfahrungen gemacht haben?

Huntelaar: Im Fußball habe ich gelernt, dass man nie sagen darf: Nein, das passiert nicht. Viele Spieler sagen bei einem Wechsel jedes Mal: Eines Tages komme ich zurück. Aber wenn sie dann dreimal den Verein wechseln und das dreimal sagen, dann dauert die Karriere lange – dann musst du bis 40 spielen. Es bringt einfach nichts, weit nach vorne zu schauen, aber im Moment ist es so, wie ich es gerade gesagt habe: Ich fühle mich wohl und spüre eine hohe Wertschätzung.

Raúl hat zuletzt gesagt, dass er in Schalke bleiben möchte. Wäre seine Vertragsverlängerung ein Signal?

Huntelaar: Es ist immer ein Signal, wenn ein so wichtiger Spieler bleibt, aber ich bin nicht Schalkes Manager. Raúl hat für uns einen großen Wert, er ist immer noch ein richtig guter Spieler.

Als die Bayern noch hier nebenan gewohnt haben, haben Sie da manchmal gedacht: In der Rückrunde greifen wir die sportlich an?

Huntelaar: Natürlich werden wir das versuchen. Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten Vier, also die Champions League – dann haben wir eine sehr gute Saison gespielt. Aber als Sportler willst du das Höchste erreichen, und das ist für uns, die Bundesliga zu gewinnen. Wir sind drei Punkte zurück, wollen dranbleiben und den Rückstand aufholen, wenn es geht.

So denkt Huntelaar über Huub Stevens 

Huub Stevens sagt, dass die Bayern Meister werden. Was fehlt Schalke?

Huntelaar: Vielleicht die Stabilität. Bei uns war zum Beispiel das Heimspiel gegen Bremen überragend, und das gegen Kaiserslautern schlecht. Aber die Stabilität ist wichtig, da sind uns Bayern und auch Dortmund noch ein bisschen voraus. Bei Bayern gibt es vor einem Heimspiel doch nur die Frage, wie hoch sie es gewinnen – wir dagegen müssen erstmal schauen, dass wir überhaupt gewinnen. Und trotzdem liegen wir nur drei Punkte dahinter. Das muss uns Vertrauen geben.

Wie hoch schätzen Sie das Potenzial der Schalker Mannschaft ein?

Huntelaar: Wir sind jung – und wir sind Dritter der Bundesliga. Wir können hier etwas Schönes erreichen, wenn wir zusammen bleiben und jedes Jahr noch ein, zwei gute Spieler dazu kommen. Es ist lange her, dass Schalke dem Meistertitel ganz nahe war – am nächsten sicher 2001 mit Huub Stevens und der Vier-Minuten-Meisterschaft. Es muss nicht nur ein Traum bleiben, Meister werden zu können. Vielleicht in den nächsten sechs Monaten – vielleicht in den nächsten Jahren.

Ist Schalke denn bereit für die Rückrunde? Die Testspiele waren nicht so toll…

Huntelaar: Das finde ich zwar auch, aber insgesamt haben wir sehr gut gearbeitet – ich habe zwei, drei Kilo abgenommen. In den ersten Tagen in einem Trainingslager hast du immer richtig Power, dann wird es weniger und weniger.

Und wie erleben Sie Huub Stevens?

Huntelaar: Er ist ein Trainer, der immer gewinnen will – er ist fast davon besessen, zu siegen. Huub Stevens will, dass mit Herz gespielt wird – wenn du das machst, hast du kein Problem mit ihm. Aber wehe, wenn du das nicht machst…