Schalkes Heldt ignoriert Rafati-Diskussionen

Im Blickpunkt: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.
Im Blickpunkt: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.

Ja, ist denn noch Karneval? Natürlich nicht – aber über den „Pappnasen“-Vergleich, zu dem sich Horst Heldt nach dem Europaleague-Spiel in Enschede verstieg, ließe sich ja bei etwas gutem Willen noch schmunzeln, hätte der Schalke-Manager nicht zu einem primitiven Rundumschlag gegen das ganze Schiedsrichter-System ausgeholt. Der 42-Jährige mag damit die kochende Schalker Volksseele kurzeitig beruhigt haben, letztlich aber hat er damit sich, seinem Klub und dem Fußball einen Bärendienst erwiesen.

Ist es wirklich erst vier Monate her, dass sich die Branche nach Babak Rafatis Suizid-Versuch zur Ordnung gerufen und Mäßigung im Umgang mit den Unparteiischen angemahnt hatte? Leere Worte, wie sich unlängst erst wieder zeigte, als die Bayern-Bosse gar eine Schiedsrichter-Verschwörung gegen den Rekordmeister witterten.

Horst Heldt verlor die Nerven

Wohlgemerkt: Der Ärger über vermeintlich falsche Pfiffe ist so alt wie der Fußball selbst. Und was wäre dieses Spiel der Emotionen ohne die Diskussionen nach dem Abpfiff? Aber gefühlte 27 Superzeitlupen von jeder strittigen Szene haben inzwischen dazu geführt, dass auch Entscheidungen, die nach dem Augenschein früher kaum in Zweifel gezogen worden wären, regelmäßig zum Skandal aufgeblasen werden.

Umso wichtiger, dass sich gerade Trainer und Funktionäre ihrer Verantwortung bewusst werden. Mit dem dramatisch gestiegenen Druck, der jetzt auch einen bisher eher besonnen agierenden Mann wie Horst Heldt die Nerven verlieren ließ, lässt sich nicht alles entschuldigen. Um zu erkennen, dass der S04-Manager zu weit gegangen ist, bedarf es übrigens keiner elektronischen Hilfe.