Gelsenkirchen

Schalkes Abwehrchef Naldo: Mit Herz gegen seine alte Liebe

Thomas Tartemann
Bereit für die nächsten Aufgaben: Schalkes Abwehrchef Naldo hat die Duelle gegen seine beiden Ex-Klubs Bremen und Wolfsburg fest im Blick.
Bereit für die nächsten Aufgaben: Schalkes Abwehrchef Naldo hat die Duelle gegen seine beiden Ex-Klubs Bremen und Wolfsburg fest im Blick.
Foto: firo
Schalkes Naldo trifft auf seine Ex-Klubs Bremen und Wolfsburg. Jubeln will er bei einem Torerfolg aus Respekt nicht. Die WM bleibt sein Traum.

Gelsenkirchen. Für Naldo beginnen jetzt Festtage. Der Schalker Abwehrchef trifft am Samstag (15.30 Uhr/live in unserem Ticker) in der Bundesliga auf seine alte Liebe Werder Bremen. Kurz darauf geht es im DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) gegen einen weiteren Ex-Klub des gebürtigen Brasilianers weiter: Der VfL Wolfsburg kommt. Bei beiden Nord-Vereinen ist Naldo nach wie vor gern gesehen. Die Fans mögen den Abwehr-Hünen wegen seiner sympathischen Art.

Naldo sagt schon jetzt: „Wenn ich gegen Werder Bremen treffen sollte, werde ich aus Respekt vor dem Klub nicht jubeln. Werder ist immer in meinem Herzen.“ Mittlerweile haben ihn auch Schalkes Fans voll ins Herz geschlossen, nachdem 2016 noch Skepsis zu spüren war. Naldo kam als 33-jähriger Neuzugang aus Wolfsburg. Viele Schalke-Anhänger empfanden das nicht gerade als das richtige Signal für den Aufbruch unter Neu-Manager Christian Heidel und Neu-Trainer Markus Weinzierl.

Inzwischen ist die Skepsis komplett verflogen. In seiner ersten Saison, die mit einer schweren Muskelverletzung und viel sportlichem Frust verbunden war, lief es noch durchwachsen für den Abwehrspieler. Naldo zeigte zwar auch durchaus souveräne Leistungen, besaß aber nie den Unantastbarkeits-Status, mit dem er jetzt in seiner zweiten Spielzeit dekoriert ist.

Naldo hat sich bei den Königsblauen zum unverzichtbaren Organisator und Führungsspieler entwickelt. „Er ist unser Fels in der Brandung“, sagt Kapitän Ralf Fährmann. Naldo hält hinten nicht nur den Laden zusammen, er hat für sich auch das Toreschießen neu entdeckt. Mittlerweile stehen fünf Treffer auf dem Konto des Deutsch-Brasilianers – damit ist Naldo zweitgefährlichster Schalker Spieler nach Guido Burgstaller (7). „Ich mache den Stürmern ein bisschen Druck“, witzelt Naldo.

Auf die beiden nächsten Spiele freut er sich extrem. „Es ist klar, dass es etwas Besonderes ist, wenn ich gegen meine Ex-Klubs Werder und Wolfsburg spiele. Ich habe vor beiden Vereinen sehr viel Respekt. Beide Klubs haben mir sehr viel gegeben“, bilanziert er.

Sowohl mit den Wölfen (2015) als auch mit den Hansestädtern (2009) holte Naldo den DFB-Pokal. Beim VfL Wolfsburg besaß er sogar eine Loge, um dort während der Spiele seine Frau Carla, die Kinder Liz und Naldinho sowie Freunde unterzubringen.

Noch etwas inniger als zu Wolfsburg ist die Beziehung zu Bremen. Naldo wechselte am 29. Juli 2005 als 22-Jähriger vom damaligen brasilianischen Erstligisten EC Juventude aus Caxias do Sul zu Werder und unterschrieb einen Vierjahresvertrag. Sein Ziel: Durch gute Leistungen auf den Zug für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland aufzuspringen. Das Vorhaben misslang. Aber möglicherweise gibt es eine zweite Chance.

Der Gedanke, dass Schalkes Abwehrspieler mit 35 Jahren seine erste WM erlebt, hat etwas von Fußball-Romantik. Brasiliens Nationaltrainer Tite ließ gerade erst durchblicken, dass er Naldos Leistungen registriert und der sich somit Chancen auf das ab 14. Juni stattfindende WM-Turnier in Russland ausrechnen darf. „Den Sommerurlaub habe ich noch nicht geplant“, sagt Naldo. „Ich freue mich natürlich, dass ich bei Brasilien im Blickfeld bin. Wenn es mit der WM so kommt, wäre es ein Traum. Und wenn nicht, werde ich weiterarbeiten wie immer.“

Schalkes Direktor Sport Axel Schuster drückt dem Routinier die Daumen: „Ganz egal, welches Alter ein Spieler hat: Die Leistung ist Grundvoraussetzung für eine WM-Teilnahme. Es wird keiner als Geschenk mitgenommen. Naldo spielt seit Monaten auf einem hohen Niveau.“

Das sollen auch seine ehemaligen Klubs zu spüren bekommen. Was Naldo mit Bremen und Wolfsburg geschafft hat, fehlt ihm mit dem FC Schalke noch: ein Titel. Naldo: „Wir sind als Mannschaft viel besser geworden im Vergleich zur vergangenen Saison. Wir haben die Mentalität entwickelt, dass alle zusammenarbeiten.“ Es gab schon schlechtere Aussichten.