Schalker Spieler mit schonungsloser Analyse nach Champions-League-K.o.

Peter Müller
Ein Gelsenkirchener jubelt - aber nicht für Schalke: Hamit Altintop (rechts) lässt sich feiern, während Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes (ganz rechts) sauer reagiert.
Ein Gelsenkirchener jubelt - aber nicht für Schalke: Hamit Altintop (rechts) lässt sich feiern, während Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes (ganz rechts) sauer reagiert.
Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images
Die Kicker des FC Schalke 04 geben sich selbst die Schuld für den Champions-League-K.o. im Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul. Und sie formulieren ein klares Ziel für den Rest der Bundesliga-Saison: den erneuten Einzug in die Königsklasse.

Gelsenkirchen. Als Fatih Terim im Bauch der Arena seinen alten Kumpel Rüdiger Abramczik entdeckte, fielen sich die beiden in die Arme. Gemeinsam hatten sie in der Saison 84/85 für Galatasaray Istanbul gespielt, später waren sie sich mehrmals als Trainer in der Türkei begegnet. Abramczik, der „Flankengott aus dem Kohlenpott“, einer der legendären Schalker aus den 70er-Jahren, gratulierte dem heutigen Trainer von Galatasaray herzlich zum Sieg.

Die 2:3-Niederlage der Blau-Weißen im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League, die nach dem 1:1 im Hinspiel den K.o. bedeutete, hatte „Abi“ aber noch nicht verdaut. „Das war nicht notwendig, hier auszuscheiden“, meinte der 57-Jährige, und eine Erklärung hatte er auch parat: „Wenn du viele Chancen hast, brauchst du auch einen Jäger. Das Fehlen von Klaas-Jan Huntelaar war entscheidend.“

Schalker Spiel mit angezogener Handbremse

Es stimmt, Teemu Pukki verdiente sich Fleißkärtchen für Einsatzfreude, doch ein Strafraumstürmer sollte ab und zu auch mal einen Zweikampf gewinnen. Es gab aber noch einen anderen bedeutenden Grund dafür, dass Schalke den Rausch des Revierderby-Sieges mit einem Kater bezahlte. Die Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit furios und feurig um den Sieg kämpfte, hatte in der ersten Hälfte vergessen, wie sie zu den Erfolgen in Wolfsburg und gegen Dortmund gekommen war. Sie spielte mit angezogener Handbremse, traute sich zu wenig zu – und leistete sich haarsträubende Pannen.

„Wir haben es einfach verbockt“, meinte Manager Horst Heldt nach dem Aus gegen diesen keineswegs herausragenden Gegner, und auch Trainer Jens Keller war von der anfänglichen Haltung seines Teams enttäuscht: „Ich dachte nicht, dass wir wieder so zurückfallen würden“, sagte er. „Jeder hat vielleicht geglaubt, fünf Prozent weniger würden reichen. Die Mannschaft sollte aggressiv drauf gehen, aber wir sind nach hinten gewichen. Nicht einmal das glückliche Tor hat uns Sicherheit gegeben.“

Roman Neustädter weiter in der Krise

Roman Neustädter hatte Schalke nach einer Ecke in Führung gebracht, der Spieler also, der trotz des Schalker Aufwindes in den vergangenen Wochen in einer persönlichen Krise stecken geblieben war. Doch selbst dieser Treffer befreite ihn nicht von seinen inneren Fesseln: Das 1:2 vor der Pause, an dem sich auch Benedikt Höwedes und Timo Hildebrand mit ungewohnter Unentschlossenheit beteiligten, leitete er mit einem Fehlpass ein.

Auch seinem Trainer gibt die Blockade dieses Mannes, der zum Saisonstart eine Serie von Spitzenleistungen geboten hatte, Rätsel auf: „Ich dachte auch, dass Roman jetzt langsam wieder aus seinem Tief herauskommt“, sagte Jens Keller. „Er weiß selbst, dass er nicht auf dem Niveau spielt, auf dem er im letzten Jahr gespielt hat.“ Zur Halbzeit blieb Neustädter draußen, die Schulter ist geprellt. Vielleicht bekommt er am Samstag in Nürnberg, wenn der gegen Dortmund und Istanbul gesperrte Jermaine Jones zurückkehrt, zwangsläufig die längst nötige Pause.

Zweite Halbzeit sollte den Knappen Mut machen

Ihr Auftritt in Hälfte zwei sollte den Schalkern Mut machen für die Bundesliga. Sie korrigierten ihre Fehler, sie zeigten Fußball mit Temperament und Technik. Und sie redeten sich anschließend nichts schön. Sie kamen sich zwar vor wie Elefanten nach dem Entfernen der Stoßzähne, aber sie suchten die Schuld bei sich selbst. „Wir waren doch vollgepumpt mit Selbstvertrauen, und trotzdem haben wir in der ersten Halbzeit zu verhalten gespielt, das war unterirdisch“, klagte Julian Draxler, und seine Mitspieler klangen ähnlich.

Timo Hildebrand, der 33-jährige Torhüter, stieß noch eine Diskussion um fehlende Cleverness an, blickte dann aber optimistisch voraus: „Die Bundesliga hat jetzt Priorität, wir haben das Tal durchschritten und eine gute Ausgangsposition, um wieder in die Champions League einzuziehen. Ich hoffe, dass das nicht mein letztes Champions-League-Spiel war.“