Schalke zerlegt Werder Bremen in seine Einzelteile

Manfred Hendriock
Der FC Schalke 04 hat mit einem furiosen 5:0-Sieg eine tolle Hinrunde gekrönt. Die Königsblauen ließen den Gästen von der Weser keine Chance und schossen Traumtor um Traumtor. Schalke überwintert auf dem dritten Tabellenplatz.

Gelsenkirchen. Kyriakos Papadopoulos war gar nicht mehr einzufangen. Schalkes bulliger Grieche hatte soeben das 4:0 erzielt und alle stürmten mit „Papa“ zur Eckfahne, um dort ausgelassen zu feiern. Dabei war das noch nicht einmal der Schlusspunkt: Klaas-Jan Huntelaar stockte mit seinem 15. Saisontor noch auf 5:0 auf, und selten war der Spruch der Fans so wahr wie diesmal: „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle.“

Schalke baut Vorsprung aus

Schalke zerlegte Werder Bremen zum Hinrunden-Abschluss mit 5:0 in alle Einzelteile und baute den Vorsprung auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz auf satte fünf Punkte aus. Und eingeleitet wurde dieser königsblaue Gala-Auftritt durch Raúl, der die ersten drei Treffer (16., 19., 63. Minute) erzielte.

Schalkes Trainer Huub Stevens hatte nach der Rotation von Haifa wieder seine A-Elf der vergangenen Wochen aufgeboten – mit einer Ausnahme: Für den verletzten Lewis Holtby spielte Marco Höger. Eine kleine Überraschung gab es auf der Ersatzbank, wo als zweiter Torhüter weiter Mathias Schober saß – Timo Hildebrand war trotz seiner guten Leistung beim Europa-League-Spiel nicht im Kader. Die Bremer mussten auf die gesperrten Hunt und Sokratis verzichten.

Magische Minuten im Schalker Sturmwirbel

Und Schalkes A-Team legte in diesem Verfolgerduell los wie die Feuerwehr. In der zwölften Minute strich ein Kopfball von Pukki nach Jurado-Flanke um Zentimeter am langen Pfosten vorbei, Sekunden später kam Huntelaar, der erstmals wieder ohne Gesichtsmaske spielte, nicht ganz an eine erneute Flanke von Jurado heran. Und in der 14. Minute setzte Höger nach einer butterweichen Flanke von Huntelaar den Kopfball am langen Eck vorbei. Da lag früh was in der Luft. Die Schalker Fans konnten sich langsam aufs Jubeln einstimmen.

Und in der 16. Minute war es soweit: Eine prächtige Direktabnahme von Huntelaar klatschte gegen den Pfosten, Werder-Torwart Wiese bekam den Abpraller nicht unter Kontrolle und Raúl drückte den Ball zum 1:0 für Schalke ins Netz. War das Zusammenspiel der beiden Schalker Stürmer-Stars hier noch mit Hilfe des Pfostens zustande gekommen, so bewiesen Raúl und Huntelaar beim 2:0 nur drei Minuten später prächtiges Spielverständnis: Nachdem Raúl der Ball nach einem Steilpass versprungen war, legte der mitgelaufene Huntelaar uneigennützig quer auf den Spanier, der der Kugel mit einer Ballberührung den richtigen Tick ins Tor gab. Eine tolle Aktion von beiden: Raúl erzielte sein 9. Saisontor – und der eigentliche Torjäger Huntelaar zeigte, dass es ihm nicht nur ums Aufstocken seines eigenen Kontos geht. Das waren magische Minuten im Schalker Sturmwirbel.

Führung hätte zur Pause höher ausfallen können

Die Blauen ließen die Bremer danach ein wenig kommen, ohne dass diese zwingend wurden – bei der besten Chance stand Pizarro im Abseits. Doch kurz vor der Pause drehte Schalke noch einmal richtig auf: Nacheinander prüften Pukki mit einem 16-Meter-Schuss und Huntelaar Werders Torwart Wiese (43.). Es hätte 3:0 oder 4:0 stehen können zu Pause, ja sogar müssen. Dem königsblauen Feuerwerk fehlten nur zwei weitere Knaller. Einzelkritik

Und deshalb war die Messe zur Pause noch nicht gelesen, zumal Bremen mit einem Kopfball von Naldo (49.) und einem Schuss von Rosenberg, den Unnerstall klasse mit dem Fuß abwehrte (53.), besser aus der Kabine kam. Insofern rauften sich die Schalker die Haare, als Pukki in der 55. Minute zu eigensinnig war und damit das dritte Tor zur Vorentscheidung vergab: Nach einem schönen Konter schoss der Finne aus der Bedrängnis aufs Tor, anstatt den Ball auf den mitgelaufenen Huntelaar zu legen.

Huub Stevens sieht 5:0-Sieg von der Tribüne aus

Doch es war nur eine kurze Phase – dann war dieser phänomenale Triumph endgültig eingetütet. Und wieder war es Raúl, der eiskalt zuschlug: Nach einer Flanke des starken Fuchs köpfte der Spanier das 3:0 – sein zehnter Saisontreffer. Nach einem Disput mit dem vierten Offiziellen Matthias Anklam musste Huub Stevens danach auf die Tribüne und verfolgte von oben genüsslich den Rest vom Schützenfest: Den Kopfball von Papadopoulos zum 4:0 (67.) und das für Huntelaar hochverdiente 5:0 in der 70. Minute. „Oh wie ist das schön“, trällerten die Fans – so klar und deutlich hatte Schalke lange keinen Gegner mehr beherrscht.