Schalke und Trainer Keller - ein Jahr ohne Schritt nach vorn

Schalkes Aus im DFB-Pokal gegen 1899 Hoffenheim zeigt die fehlende Entwicklung unter Trainer Jens Keller. Es gibt markige Worte, aber Manager Horst Heldt vermisste gegen Hoffenheim: einen Plan. Die Kritik an Trainer Jens Keller ist auf der fachlichen Stufe angekommen. Am Samstag wartet Borussia Mönchengladbach.

Gelsenkirchen. Das schmähliche Schalker Ausscheiden aus dem DFB-Pokal hatte zunächst eines zur Folge: Eine schonungslose Selbstanklage der Profis. „Wir sind es den Fans schuldig, dass wir uns bei ihnen entschuldigen. Was wir gezeigt haben, war nicht Schalke- würdig“, sagte Torwart Ralf Fährmann. Und auch Julian Draxler schlüpfte ins Büßergewand: „Wenn man so einen Scheiß spielt, kann man nicht weiterkommen.“ Die Spieler des Fußball-Bundesligisten kamen damit dem zuvor, was Trainer Jens Keller angekündigt hatte: ein Donnerwetter auf Schalke.

Vor einem Jahr übernahm Jens Keller beim FC Schalke 04

Jens Keller hat sich seine Mannschaft in den vergangenen Monaten schon öfter so vorgenommen wie an diesem Mittwochmorgen, dem Tag nach der desaströsen 1:3-Pleite im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen 1899 Hoffenheim. Schon nach dem zweiten Bundesliga-Spiel in Wolfsburg (0:4) war es so ähnlich, und später noch einige Male. Nur klang es diesmal in der Tonlage noch eine Spur schärfer. Als Keller nach dem Spiel in Wallung geriet, feuerte er eine Backpfeife nach der anderen ab. Die Schlagworte: „Völlig indiskutabel.“ „Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen.“ „Einige haben gedacht, es geht schon mit links“ – und: „Ich hätte zehn Spieler auswechseln können.“ Verbal hat der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer damit nun alle Mittel ausgeschöpft. Bisher ohne dauerhaften Erfolg.

Am Abschneiden im DFB-Pokal lässt sich dieses Nicht-vorwärts-kommen griffig darstellen: Vor fast genau einem Jahr übernahm Keller in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Huub Stevens den Job des Cheftrainers auf Schalke und verlor sein erstes Spiel im Pokal-Achtelfinale zu Hause mit 1:2 gegen Mainz 05 – eine Niederlage, die ihm damals noch kaum anzulasten war. Ein Jahr später ist Schalke wieder im Achtelfinale gescheitert und weist in der Bundesliga einen ähnlichen Rückstand auf die Champions-League-Plätze aus wie im Dezember 2012 – diesmal aber kann die Bilanz nicht mehr ohne den Trainer im Blick gelesen werden.

Jens Keller ist ein Jahr im Amt – und Schalke ist keinen Schritt weiter.

Schalke vor der "Endspiel-Woche"

Manager Horst Heldt wirkte nach dem Aus gegen Hoffenheim geradezu geschockt: Ein solches Desaster mit drei Gegentoren in 14 Minuten hatte er auf Schalke „so noch nicht erlebt“. Und er erklärte dies mit einem Satz, den man unterschiedlich auslegen kann: „Trotz eines Aufbäumens in der zweiten Halbzeit war nicht viel Plan dahinter.“ Entweder hat Keller der Mannschaft keinen durchschlagkräftigen Plan mitgegeben – oder aber, die Spieler haben diesen nicht umgesetzt. Beides ist bitter für die sportlich Verantwortlichen.

Die Kritik an Keller, die anfangs polemisch war, ist auf der fachlichen Stufe angekommen. Der Übungsleiter will sich darüber weiterhin „keinen Kopf machen“. Keller versuchte die Debatte auszublenden, indem er sagte: „Meine Position steht hier gar nicht zur Diskussion.“ Das klang vielleicht etwas ungelenk, aber offenbar gilt dies zumindest für die weiteren Partien in der Schalker „Endspiel-Woche“ am Samstag in Mönchengladbach und am kommenden Mittwoch gegen Basel. In diesen Begegnungen, so Schlussmann Ralf Fährmann mit eindringlichem Appell, „dürfen wir nicht eine Sekunde so abliefern wie in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim“.

Aber sagen kann man Vieles. . .

 
 

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