Schalke-Trainer Stevens stellt Höwedes keinen Freibrief aus

Schalke-Trainer Huub Stevens
Schalke-Trainer Huub Stevens
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Schalke-Trainer Huub Stevens schickt den neuen und alten Kapitän Benedikt Höwedes ohne Amtsvorteil in den Abwehr-Konkurrenzkampf. Die Diskussionen über das Thema ärgern den Niederländer. Auch Fragen nach der mannschaftsinternen Rolle von Jermaine Jones sind unerwünscht.

Klagenfurt. Huub Stevens war auf Krawall gebürstet, als er am Mittwoch auf der Gartenterrasse des Schalker Mannschaftshotels am Wörthersee gemeinsam mit Benedikt Höwedes zum Mediengespräch erschien. Die öffentlichen und veröffentlichten Diskussionen der vergangenen Tage über die von ihm selbst aufgeworfene Kapitänsfrage hatten ihn erkennbar genervt, durch die Bestätigung von Höwedes als Spielführer und die Ernennung der beiden Stellvertreter Klaas-Jan Huntelaar und Christoph Metzelder hoffte Stevens, das Thema vom Tisch zu haben. Über Nachfragen freute er sich so sehr wie über eine Sommergrippe.

Uchida dürfte wohl als Rechtsverteidiger beginnen

Warum Höwedes? „Weil ich mich so entschieden habe“, zischte Stevens. Es sei nicht wichtig, wer die Binde trage. „Alle müssen Verantwortung übernehmen!“ Er wolle eigentlich gar nicht mehr darüber reden.

Ist denn ein Kapitän auch Stammspieler? „Das ist bei mir nicht normal“, betonte der Niederländer grimmig und schob provokativ fragend nach: „Wenn er verletzt ist, muss ich ihn dann auch aufstellen?“

Damit hatte der Trainer allerdings die wichtigste Frage durchaus klar beantwortet. Benedikt Höwedes, der nach Ansicht von Stevens zehn Prozent mehr bringen müsse, um wieder zu alter Form zu finden, hat im internen Konkurrenzkampf um einen Platz in der Abwehrkette keinen Amtsvorteil. Einiges deutet darauf hin, dass Atsuto Uchida zum Saisonstart als Rechtsverteidiger beginnen wird. Höwedes, der ohnehin lieber innen spielt, wird sich daher vor allem einen Leistungsvorsprung vor Joel Matip oder Kyriakos Papadopoulos erarbeiten müssen, denen aber, wie Höwedes auch, bisher eine ordentliche Vorbereitung zu bescheinigen ist. Dieser Wettbewerb wird noch spannend werden.

Stevens lobt seine Spieler

Für den Trainer kann es in einem Jahr, in dem der Verein auch in der Champions League vertreten ist, nur gut sein, wenn er für alle Positionen hochkarätige Alternativpositionen zur Verfügung hat. Bekanntlich bewerben sich drei Torhüter um die Nummer eins, und vor allem im Mittelfeld ist durch die Neuzugänge Tranquillo Barnetta und Roman Neustädter die Auswahl für Stevens größer geworden. Darüber lässt er auch gerne mit sich reden. Ja, die Auswahl sei gut, sagt er, aber entscheidend sei, dass die Abstimmung untereinander funktioniere. Da sei noch viel Arbeit zu verrichten – „obwohl die Jungs unglaublich gut mitziehen“.

Dass sowohl gegen den AC Mailand als auch gegen Udinese Calcio kein Tor für Schalke fiel, macht Stevens derzeit noch keine Sorgen. Er verweist darauf, dass beispielsweise Klaas-Jan Huntelaar in diesen beiden Testspielen jeweils nur zu Teileinsätzen gekommen sei. Bei der bisherigen Vorbereitung war es dem Trainer mindestens genauso wichtig, mehr Stabilität in die Defensive zu bekommen. „Wir haben in der vergangenen Saison zu viele Gegentore bekommen“, sagt er. „Das muss anders werden.“ Erste Fortschritte sind bereits klar erkennbar.

Fuchs und Hildebrand im Schalker Spielerrat

Eine Schlüsselrolle kommt dabei im modernen Fußball bekanntlich den Abräumern vor der Abwehr zu. Jermaine Jones dürfte die besten Karten haben, weitere Kandidaten sind Lewis Holtby, Roman Neustädter, Marco Höger und vielleicht auch noch Joel Matip. Bei der Festlegung von drei Kapitänen und damit auch drei sicheren Mitgliedern im Mannschaftsrat blieb Jones allerdings von Stevens unberücksichtigt. Zwei weitere Mitglieder des Spielerrates wurden von der Mannschaft gewählt – sie heißen Christian Fuchs und Timo Hildebrand. Weil Jones nicht gewählt wurde? Oder weil er sich nach der Kapitäns-Entscheidung nicht mehr zur Verfügung stellen wollte? Für Huub Stevens war auch dies offensichtlich ein Reizthema: „Das sind Sachen, die nicht nach draußen gehören, so etwas bleibt innen.“

 
 

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